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Projekt : Sie planen das erste Tageshospiz des Landes

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Pflege LebensNah“ will teilstationäre Einrichtung nach bundesweit einmaligem Konzept ins Leben rufen.

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 10:33 Uhr

Die „Pflege LebensNah“ möchte in Rendsburg auf dem Gelände der ehemaligen Eiderkaserne das erste Tageshospiz Schleswig-Holsteins ins Leben rufen. Heidrun Preußer, Fachbereichsleiterin Hospiz, und Projektbeauftragter Norbert Schmelter schmieden Pläne und suchen Unterstützer. „Das könnte Schubkraft für die Entwicklung der gesamten Eiderkaserne geben“, sagte Preußer gestern. Wie berichtet, will die Stadt das ehemalige Militärgelände in das Wohngebiet „Neuwerk-West“ umwandeln.

Es gibt in Deutschland mehr als 230 stationäre und vereinzelte Tageshospize. Letztere bieten Schmelter zufolge vor allem Pflege und Beschäftigung an. Im Unterschied dazu wollen Preußer und er ein Konzept umsetzen, das in Deutschland noch nicht gelebt wird. „Es braucht einen höheren medizinischen Anteil“, so Preußer. Ihr Vorbild ist das Tageshospiz Salzburg in Österreich.

Das Duo möchte den etwa 1400 Quadratmeter großen, verfallenen Marstall gegenüber des Eiderschlösschens sanieren. Ein Arzt-, ein Pflege-, ein Behandlungszimmer, mehrere Ruheräume und eine Wohnküche sollen entstehen. Die Vision: Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegern, Psychologen und Ehrenamtlichen kümmert sich tagsüber um bis zu 15 schwerkranke Menschen, die zu Hause leben. Die Zielgruppe sind Krebspatienten, die trotz Bestrahlung und Chemotherapie nicht geheilt wurden. Sie sind zwar nicht bettlägerig, schaffen es aber kaum, den Tag allein zu Hause zu verbringen. Im Tageshospiz können ihnen Punktionen gesetzt und Verbände gewechselt werden. Sie nehmen an einem strukturierten Ablauf teil und erhalten Anschluss an Menschen mit ähnlichen Erlebnissen. Geplant ist eine psychosoziale Betreuung. „Ein Betroffener könnte dort Themen ansprechen, die er zu Hause nicht ansprechen kann“, sagte Preußer. Die Angehörigen werden entlastet.

Das Planungs-Team rechnet mit einem sehr hohen Investitionsbedarf. Der laufende Betrieb stationärer Hospize wird zu 95 Prozent von den Kassen und zu fünf Prozent durch Spenden getragen; so unterstützt der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde das stationäre Hospiz in Rendsburg mit jährlich 120  000 Euro. Der Gesetzgeber sieht dasselbe Modell für teilstationäre Hospize vor. Schmelter setzt daher auf zahlreiche Spenden. Wie schnell sich die Einrichtung eröffnen lasse, hänge auch vom politischen Willen und der Unterstützung der Versicherungen ab.

Um das Projekt anzuschieben, holt das Duo am Donnerstag, 26. Oktober, 90 Gäste an einen Tisch. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Christof Eisl, Geschäftsführer des Tageshospizes Salzburg, und dessen leitende Ärztin Dr. Irmgard Singh werden aus ihrer Arbeit berichten.

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