Attraktivitäts-Bewertung : Sexy Bundestag: Die besondere Wahl

Johann Wadephul (48/CDU). Foto: sh:z
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Johann Wadephul (48/CDU). Foto: sh:z

In Irland kann man es machen, ebenso in Großbritannien, und jetzt dürfen auch die Deutschen bewerten, wie verführerisch sie ihre Abgeordneten finden.

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07. Juli 2011, 08:20 Uhr

Berlin/Rendsburg | Auf der Internetseite Sexybundestag.de sind unter der geheimnisvollen Frage "Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie lieber...?" zurzeit alle Köpfe des Parlaments aufgelistet. Naja, so ganz exakt arbeitet die Seite des Programmentwicklers Francis Boulle nicht, auch ein paar Ex-MdBs wie Oskar Lafontaine dürfen sich in Sachen Attraktivität messen lassen. Insgesamt sind 636 Politiker aufgelistet, der Bundestag hat aber nur 620 Abgeordnete.
Seis drum: Auf den ersten Plätzen finden sich - Stand von Dienstagnachmittag - ausschließlich Frauen. Erst auf Platz 58 ist mit Christian Freiherr von Stetten (CDU) der erste Mann zu finden.
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Christine Aschenberg Dugnus, FDP-Abgeordnete aus dem Kreis Rendsburg- Eckernförde, amüsierte sich bei einem Blick auf das ungewöhnliche Ranking köstlich. "Das ist zwar nicht wichtig, aber immerhin witzig", sagte sie - und suchte sofort gezielt nach den männlichen Parteifreunden. "Ich werde die Ergebnisse doch gleich mal in die Fraktionssitzung mitnehmen, das lockert die Stimmung."
Sie selbst findet sich relativ weit vorn auf Platz 78 der Gesamtliste, wollte das aber nicht so gern kommentieren. Christine Aschenberg-Dugnus spekulierte allerdings mit einem Lachen, dass sich einige Kollegen noch intensiv mit der Liste beschäftigen werden: "Die werden sicher ihre Praktikanten an den Rechner setzten, um eifrig zu klicken", scherzte sie.
"Die Linken sind am schärfsten"
"Sexybundestag.de" gibt dem Internet-Nutzer bei jedem Aufruf immer zwei Politikerköpfe zur Auswahl (auf Wunsch Frauen und Männer getrennt), und mit einem einzigen Klick wird entschieden. An der Spitze der Sexy-Skala steht Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), dahinter auffällig viele Linke-Frauen. Sie wechseln sich - je nach aktueller Klick-Analyse - meist oben auf dem Siegerpodest ab. Das führte in der Internet-Gemeinde auch schon zu Kommentaren wie "Die Linken sind am schärfsten".
Dr. Johann Wadephul (CDU) sieht die ungewöhnliche Politiker-Wahl gelassen. Seine Platzierung knapp hinter dem ersten Drittel der Gesamtliste (Platz 230/Unter den Männern Platz 126) bezeichnete er als achtbar. "Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Ich lasse meine Attraktivität ohnehin lieber von meiner Frau und meinen Töchtern bewerten."
"Das bringt mir bei der nächsten Bundestagswahl keine einzige Stimme"
Star unter den Nordlichtern ist zurzeit der Rendsburger SPD-Abgeordnete Sönke Rix. Von Montag auf Dienstag verbesserte er sich um immerhin 30 Plätze. Dienstagnachmittag rangierte er unter den männlichen Bundestagsabgeordneten auf Platz 14, in der Gesamtwertung war er auf Rang 92 geführt - ohne es zu wissen. "Ich habe da einmal reingeguckt - aber es interessiert mich nicht wirklich. Aber mit so etwas muss man wohl rechnen, wenn man in der Öffentlichkeit steht." Es wäre schön, wenn sich die Menschen so sehr für seine Arbeit interessierten, wie für diese ganz spezielle Wahl - immerhin hatten bis Dienstag mehr als 2500 Internet-User sein Aussehen bewertet. Für Rix kein Thema: "Das bringt mir bei der nächsten Bundestagswahl keine einzige Stimme."
Einen Prominenten-Bonus scheint es bei der Wahl auf "Sexybundestag.de" übrigens nicht zu geben. Frank-Walter Steinmeier (SPD) stand am Dienstag zwar auf Rang 113, Außenminister Guido Westerwelle aber musste sich mit Position 370 zufrieden geben und Kanzlerin Angela Merkel fand sich gar auf Platz 427 wieder. Als Volksvertreter braucht man offensichtlich auch eine gute Portion Humor.
(org, shz)

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