Windradhersteller : Senvion setzt weiter auf Standort Osterrönfeld

Am Standort in Osterrönfeld fallen ein Drittel der Stellen weg.
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Der Senvion-Standort in Osterrönfeld.

500 Mitarbeiter am Standort entwickeln neue Offshore-Anlagen mit großer Leistung.

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18. Mai 2018, 15:14 Uhr

Osterrönfeld | Ein Knopfdruck genügt und in Australien ist ein Windrad lahmgelegt: Das „Turbine Control Center“ (TCC) am Standort Osterrönfeld des Windkraftanlagen-Herstellers Senvion hat einen Echtzeitzugriff auf exakt 6036 Windräder. Acht Monitore zeigen im Sekundentakt Unmengen an Daten an. Bis zu neun Mitarbeiter müssen in zwei Schichten an 24 Stunden pro Tag die Anlagen auf der ganzen Welt (etwa 1200 in Schleswig-Holstein und 3500 in Deutschland) im Blick haben. Treten Störungen auf, werden Informationen auf die Monitore nach Osterrönfeld geschickt und ausgewertet. Monatlich kommen da laut Senvion schon einmal etwa 100.000 Meldungen zusammen.

Simon Hillmann, Teamleiter des TCC, kennt die typischen Störungen der Windkraftanlagen: „Oft sind es Sensorenfehler, zum Beispiel eine zu hohe Drehzahl der Rotorblätter.“ Davon sind aber nicht nur 20 Jahre alte Anlagen betroffen, sondern auch neuere. „Durch die effektive Fernwartung können etwa 70 Prozent der Fehlermeldungen behoben werden“, lobt Hillmann die Vorzüge des TCC. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Technik in den Windrädern verrückt spielt. Von Osterrönfeld aus können Ingenieure die Anlagen per Knopfdruck jederzeit herunterfahren. Dieser Vorgang dauert 60 Sekunden. Weitere 60 Sekunden vergehen, bis die Anlagen wieder laufen. In einem Drittel der Fälle ist eine Fernwartung nicht möglich. Dann muss ein Servicetechniker ausrücken und sich vor Ort des Problems annehmen.

Der Standort in Osterrönfeld galt lange als gefährdet. Wie berichtet, hat Senvion im vergangenen Jahr deutschlandweit 730 Stellen gestrichen, die Standorte Husum, Trampe und Eberswalde (beide in Brandenburg) wurden aufgegeben. Auch das Turbinen-Kontrollzentrum stand vor dem Aus und sollte nach Portugal verlegt werden. „Es gab lange und intensive Gespräche“, erinnert sich Standortleiter Martin von Mutius. Der 46-Jährige ist seit 15 Jahren im Unternehmen und seit Herbst vergangenen Jahres als Werksleiter tätig. „2017 war ein schwieriges Jahr. Wir haben uns aber klar für den Standort Osterrönfeld als Innovationszentrum bekannt“. Das  Netzwerk und das hohe Vertrauen der Kunden seien wichtige Aspekte für die Erhaltung des Standortes gewesen, so Werksleiter von Mutius. Müssen sich die 500 Mitarbeiter in Zukunft nochmals Sorgen um den Standort Osterrönfeld machen? Martin von Mutius: „absolut nicht!“

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