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Neue Heimat : Seniorenheim kämpft gegen die Krätze

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit dem 21. Januar sind sechs Bewohner der städtischen Einrichtung an der Schleswiger Chaussee erkrankt. Das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet, die Krankheit gilt als ansteckend.

Der Hinweis hängt im Foyer und trägt die rote Überschrift „Wichtig!!!!!“. Besucher der Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ an der Schleswiger Chaussee werden seit kurzem gebeten, auf die „Begrüßungsform des Händeschüttelns zu verzichten“. Grund ist der Ausbruch einer Hautkrankheit, die viele für längst ausgerottet halten: Krätze, im Fachjargon Skabies genannt. Tritt sie in Gemeinschaftsunterkünften auf, muss sie dem Amtsarzt gemeldet werden. Das ist passiert. „Seit dem 21. Januar sind uns sechs Fälle von Krätze in der Seniorenwohnanlage gemeldet worden“, sagt Dr. Armin Kalmbach, der Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

Des Weiteren gebe es zwei Verdachtsfälle. Alle Erkrankten leben in den Wohnbereichen 1 und 2 im Hauptgebäude an der Schleswiger Chaussee, in dem 90 Bewohner betreut werden. Die Senioren in den 108 betreuten Wohnungen, die ebenfalls zur „Neuen Heimat“ zählen, sind nicht betroffen.

Um ein weiteres Ausbreiten der Krätze zu verhindern, wurden die Erkrankten isoliert. Der gemeinsame Speisesaal bleibt bis auf weiteres geschlossen. Veranstaltungen wurden abgesagt. Die Mitarbeiter tragen von Kopf bis Fuß Schutzkleidung. „Egal, in welchem Zimmer sie sich aufhalten“, sagt Betriebsleiter Marcus Speck. „Wir wissen nicht, wo die Ursache liegt“, das sei das Problem. Krätze habe heutzutage nichts mehr mit fehlender Sauberkeit zu tun, ist Speck überzeugt. Der Auslöser müsse von Außen in das Haus hineingetragen worden sein. Angehörige wurden deshalb gebeten, Besuche in der „Neuen Heimat“ nach Möglichkeit einzuschränken.

Eine Arzthelferin aus Rendsburg hatte am Dienstagabend über einen Bekannten vom Auftreten der Krankheit im einzigen Alten- und Pflegeheim unter städtischer Trägerschaft erfahren. „Das muss öffentlich gemacht werden, die Bevölkerung muss informiert werden“, sagte sie der Landeszeitung. Leider werde ein solcher Ausbruch mitunter verschwiegen, damit der Ruf eines Hauses ja keinen Schaden nehme.

Für Ärzte, selbst in Hautkliniken, ist es schwer, die Krätze zu erkennen. Oft werden die Symptome mit Ekzemen verwechselt. Einem Ratgeber des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge kommt die Skabies in Mitteleuropa als sporadische Krankheit bei Kindern, Müttern, Personen mit schwachem Immunsystem oder sexuell aktiven Erwachsenen vor. Auslöser sind Kleinstlebewesen, in diesem Fall Milben, die einen anderen Organismus benötigen, um sich zu ernähren, beziehungsweise fortzupflanzen. Die Milben werden durch engen Hautkontakt, der einige Minuten dauern muss, übertragen. Eine indirekte Weitergabe durch Kleidung, Bettwäsche und Handtücher ist möglich, aber selten. Die Krätzemilben bohren sich unter die oberste Hautschicht. Dort legen weibliche Milben ihre Eier oder auch Kot ab, was einen besonders heftigen Juckreiz auslöst (siehe unten).

Nach Einschätzung von Experten ist mangelnde Sauberkeit als Ursache für die Krätze unwahrscheinlich. Der oft vermutete Zusammenhang zwischen schlechter Körperhygiene und Skabies entspreche vermutlich nicht der Wirklichkeit, heißt es im Leitfaden des RKI.

Laut Gesundheitsamt wurden im vergangenen Jahr zwölf Fälle von Krätze in Schulen und Kindergärten im Kreisgebiet gemeldet. Seniorenheime waren im gleichen Berichtsjahr nicht betroffen.

 

 

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erstellt am 19.Feb.2015 | 05:49 Uhr

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