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Landeszeitung

20. August 2017 | 17:16 Uhr

Nortorf : Seltener Nachwuchs zum Abschied

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nortorfer Schildkrötenauffangstation schließt. Europäische Sumpfschildkröten kriegen Babys – Rasse steht auf der Roten Liste.

Sie sind gerade ein paar Tage alt und nur wenige Zentimeter groß: Die elf Europäischen Sumpfschildkröten, die in der Nortorfer Schildkrötenauffangstation aus ihren Eiern geschlüpft sind. Die Rasse ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Die Freude über den Zuwachs ist bei Leiterin Karin Naujoks groß, doch die Stimmung ist dennoch bedrückt – Anfang Oktober schließt die Auffangstation.

Beruflich zieht es Karin Naujoks, Ehemann Werner und Sohn Veit nach Nordrhein-Westfalen. Zwar nehmen die drei ihre eigenen Schildkröten mit, aber eine Auffangstation wird es dort nicht geben. „Natürlich sind wir traurig“, sagt Karin Naujoks, „wir dachten, wir würden das bis an unser Lebensende machen. Aber auch gesundheitlich geht es nicht mehr.“ Die Auffangstation war einige der wenigen in ganz Deutschland und die einzige in Norddeutschland, etliche Rassen kamen nach Nortorf, wo sie teils wieder aufgepäppelt worden sind und anschließend in liebevolle Hände überbracht worden. Die meisten Tiere wurden vor dem großen Umzug bereits vermittelt, nur eine männliche Breitrand-Schildkröte sucht derzeit noch ein neues Zuhause.

Zwar wird Karin Naujoks keine Auffangstation mehr leiten, aber ganz ohne Schildkröten geht es dann doch nicht. Neben den eigenen Reptilien die mit nach Nordrhein-Westfalen dürfen, möchte sich die 49-Jährige auch weiterhin für die gemütlichen Tiere einsetzen. Ganz in der Nähe des neuen Heimes sitzt das Internationale Schildkrötenzuchtprogramm. „Der Artenschutz interessiert mich sehr“, sagt Karin Naujoks, „ich könnte mir gut vorstellen, in dieser Richtung etwas zu machen.“ Grund genug gibt es dafür allemal. Schließlich hat die Tierfreundin gerade erst erfolgreich Nachwuchs der Europäischen Sumpfschildkröten nachzuweisen. „Das ist schon ziemlich besonders und ich freue mich riesig darüber.“ Zwölf Eier konnte Naujoks zählen, elf Babys haben es geschafft. „Das ist das erste Mal überhaupt, dass wir solchen Nachwuchs bekommen haben.“ Die Verbreitung ist nur noch selten, die Rasse steht deshalb auch auf der Roten Liste. „Es lohnt sich, den Artenschutz zu unterstützen. Sonst können Kinder die Sumpfschildkröten später nur noch in Büchern sehen“, sagt die engagierte Tierschutzfreundin.

Trotz der Aussichten auch außerhalb Norddeutschlands mit Schildkröten zu arbeiten, ist die Entscheidung die Auffangstation aufzugeben, nicht leicht gefallen. „Da hängt sehr viel Herzblut dran“, sagt Naujoks, die rund sechs Jahre lang den Verein ehrenamtlich leitete. „Wir haben uns das fürs Leben aufgebaut, so etwas will man natürlich nicht so einfach aufgeben.“ Besonders fehlen werden ihr die vielen Kinder, die mit ihren Kindergarten- oder Schulklassen stets gern gesehene Gäste im Naujokschen Zuhause waren. „Die Zusammenarbeit mit denen war immer super“, lobt Karin Naujoks, „aber auch mit dem Landesamt, der Stadt Nortorf, den Sponsoren, Zoos und Tierheimen – einfach allen Unterstützern.“ Die Auffangstation sei zwar stets mit viel Arbeit verbunden gewesen, aber auch mit viel Leidenschaft und Engagement. Norddeutschland nun den Rücken zuzudrehen, sei nicht leicht, betont Karin Naujoks, „aber wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“

 

 

 

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erstellt am 02.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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