Eisvogeljunge : Seltener Nachwuchs für die „fliegenden Edelsteine“

Futter für den Nachwuchs: Der Eisvogel hat einen kleinen  Fisch im Schnabel, den er für seine Küken erbeutet hat.
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Futter für den Nachwuchs: Der Eisvogel hat einen kleinen Fisch im Schnabel, den er für seine Küken erbeutet hat.

Naturschützer freuen sich über fünf junge Eisvögel – der Bruterfolg ist viel Engagement und künstlichen Nisthilfen zu verdanken.

shz.de von
14. Juni 2014, 06:00 Uhr

Smaragdgrün und saphirblau schimmernd präsentierte sich der Eisvogel den Mitgliedern des „Vereins zur Förderung des Umweltschutzes und der Landschaftspflege im Raume des Naturpark Hüttener Berge“ (VFUL) im Dezember 2011. Damals stellten die Naturschützer sechs künstliche Brutcontainer im Gebiet der Hüttener Berge auf, um das Überleben der als „fliegende Edelsteine“ bezeichneten Fischjäger zu erleichtern. Natürliche Steilufer, in welche die Vögel ihre Bruthöhlen graben, existieren heute nur noch sehr selten. Niemand konnte sicher sein, ob die Nisthilfen angenommen werden würden. Denn durch die vorangegangenen harten Winter mit zugefrorenen Seen sowie vereisten Flüssen und Bächen blieb den Vögeln der Zugang zu ihrer Nahrung verwehrt und viele Tiere verhungerten.

Auch in den Hüttener Bergen ließen sich nur vereinzelt Eisvögel beobachten, die Kontrollen der Brutcontainer blieben bis ins Frühjahr 2014 hinein erfolglos. Langsam schlichen sich beim Ornithologen Horst Andritzke Zweifel ein. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob die Konstruktion auch die nötige Natürlichkeit besaß“, haderte der Vogelexperte, „aber wir alle hofften weiter.“ Und die Hoffnung der Naturschützer sollte erfüllt werden. Bei einer weiteren Kontrolle Anfang Mai traute Andritzke seinen Augen kaum. Als er sich einem der Brutcontainer näherte, schoss plötzlich ein blauer Schatten aus dem Kasten. Die Öffnung der Brutkammer offenbarte den Blick auf sieben rosafarbene Eisvogeleier. Um die Vögel nicht weiter zu stören, entfernte sich der Ornithologe schnell wieder vom neu entdeckten Brutplatz. „Endlich wissen wir, dass die vielen Stunden der Bau- und Beobachtungszeit nicht vergebens waren“, freute sich Horst Andritzke und wirkte fast ein bisschen sentimental.

Obgleich wusste er auch, dass mit der Entdeckung noch nichts gewonnen war: „Bis zu einer erfolgreichen Brut kann noch viel passieren.“ Vier lange Wochen der Ungewissheit brachen an. Aus sicherer Entfernung beobachtete Andritzke den Brutcontainer. Doch nach dem errechneten Schlupfzeitpunkt der Jungvögel konnte er keine Aktivitäten registrieren. War wider Erwarten etwas schief gegangen?

Als der Ornithologe eines Nachmittags nach drei Stunden erfolgloser Beobachtung schon fast aufgeben wollte, flitzte plötzlich ein Eisvogel in Richtung Kasten. Der kleine Fisch im Schnabel des Altvogels signalisierte dem Naturschützer Entwarnung. Die Jungen wurden gefüttert. „Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Eisvögel immer in Intervallen füttern, zwischen denen auch einige Stunden vergehen können“, erklärte Andritzke. „Nun konnten wir ganz sicher sein, dass die Brut erfolgreich verlaufen ist“, zeigte sich auch der Vereinsvorsitzende Hans Ulrich erleichtert.

Bei einer abschließenden Kontrolle des Brutcontainers in der zweiten Juniwoche konnte festgestellt werden, dass sich aus den anfangs sieben Eiern mittlerweile fünf gut genährte Eisvogelküken entwickelt hatten. „Fünf junge Eisvögel in unserem Brutcontainer – das ist mehr als ich zu träumen gewagt habe“, sprach Horst Andritzke aus, was alle Naturschützer des VFUL dachten. In den nächsten zwei Wochen werden die jungen Eisvögel ausfliegen, sind sich die Ornithologen sicher. Vielleicht entdeckt die neue Generation dann auch die anderen Nisthilfen in den Hüttener Bergen.

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