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Wohnprojekt : Selbstständig leben mit einem Handicap

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Elterninitiative und die Brücke Rendsburg-Eckernförde planen ein Haus, in dem Menschen mit Behinderung so selbstständig wir möglich leben können.

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 19:51 Uhr

Wenn Kinder erwachsen werden, zieht es sie aus dem elterlichen Haus in die erste eigene Wohnung. Diesen Wunsch, auf eigenen Beinen zu stehen, haben natürlich auch junge Erwachsene mit einer Behinderung. So zum Beispiel die 27-jährige Tochter von Juliane Krieter aus Rickert. Die junge Frau hat das Down-Syndrom und ist seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen. „Die beiden wollen zusammenziehen“, erzählt Krieter. Deshalb hatte sie schon vor einigen Jahren die Idee, einen Wohnraum in der näheren Umgebung zu schaffen, in dem Menschen mit Behinderung so selbstständig wie möglich leben können, unterstützt durch ambulante Pflege.

Das betreute Wohnen in einer Hausgemeinschaft zu ermöglichen, ist nun das erklärte Ziel einer Elterninitiative um Juliane Krieter – unterstützt von der Brücke Rendsburg-Eckernförde. Dort hat sich Susanne Jahn dem Vorhaben angenommen und es entscheidend vorangebracht: „In der Kaiserstraße steht ein großes Grundstück von der Brücke zur Verfügung.“ Für dieses Gelände haben Architekten nun ein Wohnhaus entworfen, dass den besonderen Ansprüchen der zwölf zukünftigen Bewohner gerecht wird. Mit einem möglichen Investor ist Susanne Jahn bereits im Gespräch. Es ist geplant, dass die Bewohner die Appartments direkt beim Investor anmieten, und die ambulanten Dienstleistungen je nach Bedarf bei den Anbietern ihrer Wahl kaufen. So sind die Bewohner in der Auswahl der Dienstleister genau so flexibel wie im Elternhaus, können sich aber auch, zum Beispiel bei der Betreuung über Nacht, zusammenschließen.

Häufig leben junge Erwachsene mit Behinderungen weiter im Haushalt der Eltern oder in einer Einrichtung, in der sie stationär betreut werden. „Aber das Leben sieht anders aus“, erklärt Traute Urban ihre Entscheidung gegen ein solches Heim. Wenn sie und ihr Mann Max erzählen, dass ihre blinde und schwer hirngeschädigte Tochter bald in einer eigenen Wohnung leben wird, reagieren ihre Bekannten oft überrascht: „Janina? Jetzt schon?“ Das bringt die Eltern zum Schmunzeln, schließlich ist Janina 31 Jahre alt. „Sie hat ein Recht darauf, mit Gleichaltrigen älter zu werden und nicht mit uns Alten. Außerdem werden wir auch nicht jünger. Wir planen lieber jetzt in Ruhe, wo Janina leben kann, bevor irgendwann der Tag kommt, an dem sofort eine Lösung her muss“, erklärt Urban.

Besonders wichtig ist den Eltern, dass ihre Kinder am sozialen Leben teilnehmen können. Bei ihren Familien waren sie mittendrin im Alltag, in der Nachbarschaft, in ihrem Stadtteil. In ihrem neuen Zuhause soll das genau so sein. Dafür werden Gemeinschaftsräume eingeplant, Susanne Jahn kann sich Aktivitäten mit Ehrenamtlichen vorstellen und möchte sich von Seiten der Brücke aktiv um die Integration in den Stadtteil und das Quartiermanagement kümmern, schließlich sollen neben dem Haus für Menschen mit Pflegebedarf noch zwei bis drei weitere Gebäude mit barrierefreien Wohnräume entstehen. Traute Urban ist überzeugt: „Dort werden unsere Kinder mittendrin leben und nicht im Abseits.“


> Beim nächsten Treffen der Initiative werden die Entwürfe des Architekten besprochen: Dienstag, 27. Mai, ab 18 Uhr im Fährhaus Hollersche Anlagen, Am Treidelweg 14 in Büdelsdorf.

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