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Schacht-Audorf : Seit vier Monaten ohne Strom

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Audorferin (50) sitzt im Dunkeln

Auf einem roten Aufkleber, der auf Angela Höths Stromzähler prangt, steht das Datum, ab dem sich ihr Alltag schlagartig änderte: Am 16. Oktober 2014 wurde ihr der Strom abgedreht. Seitdem lebt sie in Schacht-Audorf ohne Licht, ohne Herd, ohne Waschmaschine. Der Grund: Ein Fehler ihres Stromversorgers, der Stadtwerke Flensburg, und einige Kommunikationsschwierigkeiten.

Die Probleme begannen für Höth vor einem Jahr: Sie erhielt Mahnungen der Stadtwerke Flensburg, weil Rechnungen nach Angaben des Unternehmens nicht bezahlt worden seien. Höth kann das aber belegen: „Ich habe meine Einzahlungsbelege mehrfach an die Stadtwerke gesendet.“ Die Stadtwerke wiederum beharren darauf, auf keine der drei Mahnungen eine Reaktion erhalten zu haben. Deshalb wurde am 25. März der Vertrag von den Stadtwerken gekündigt. Erst im Juni seien dort Belege eingegangen, mithilfe derer „eine geleistete Zahlung nachträglich verbucht werden konnte, die unsere Buchhaltung im Vorwege nicht eindeutig zuordnen konnte“. So schrieb der Stromlieferant vor wenigen Tagen.

Doch zu spät: Nachdem die Stadtwerke den Vertrag im März gekündigt hatten, fiel Höth automatisch in die so genannte Grundversorgung. Damit sie weiterhin mit Strom beliefert wurde, sprang die in Schacht-Audorf zuständige Eon ein. Während Höth das Begrüßungsschreiben von Eon vorschriftsgemäß erhielt, gingen alle Mahnungen und auch die Ankündigung einer Stromsperre als Postrückläufer an den Energieriesen zurück. Der Grund ist nicht bekannt. Weil keine Zahlungen von Höth bei Eon eingingen, wurde ihr am 16. Oktober der Strom abgedreht.

Der Ursprung des Problems liegt jedoch bei den Stadtwerken Flensburg. Der dortige Unternehmenssprecher Peer Holdensen sagte gestern auf Anfrage der Landeszeitung: „Wir haben einen Fehler gemacht, das steht fest. Aber dazu stehen wir und versuchen Schadensbegrenzung zu betreiben.“ Man habe Höth angeboten, einen neuen Vertrag aufzusetzen und den entstandenen Schaden zu begleichen. Diese Nachricht sei per Einschreiben an die Kundin gegangen, erklärte Holdensen. Höth hat nach eigenen Angaben ein solches Schreiben nicht bekommen und erfuhr erst durch die LZ-Recherchen vom Einlenken des Stromversorgers. Darauf hatte die 50-Jährige lange gewartet. Sie sitzt nach Sonnenuntergang im Dunkeln, kocht sich Kaffee auf ihrem Campingkocher, besucht einen Waschsalon in der Stadt, geht zu Freunden, um ihr Mobiltelefon aufzuladen oder eine warme Mahlzeit zu bekommen. „Das geht an die Substanz“, sagt sie. „An die nervliche und die berufliche.“ Als Pianistin und Übersetzerin braucht sie zum Üben und Arbeiten Licht. „Ich denke nicht bis morgen, ich denke bis zum Dunkelwerden. Mir geht es wirklich schlecht.“

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