Sophienhamm : Seit 70 Jahren unzertrennlich

Beste Freundinnen: Lieschen Peters (links) und Eva Nelius  sind seit ihrer Kindheit  in Kontakt geblieben.
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Beste Freundinnen: Lieschen Peters (links) und Eva Nelius sind seit ihrer Kindheit in Kontakt geblieben.

Jahrzehntelange Freundschaft: Lieschen Peters und Eva Nelius sind seit frühester Kindheit immer noch ein Herz und eine Seele.

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28. Juni 2014, 06:00 Uhr

Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Verschwiegenheit: Ein Mensch, der all das mitbringt, hat viele Freunde. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage. Demnach ist es für die meisten Befragten am wichtigsten, dass der beste Freund da ist, wenn man ihn wirklich braucht. Zudem sollte er stets ein offenes Ohr für Probleme haben. Auf Platz drei: Diskretion. Es wird erwartet, dass anvertraute Geheimnisse nicht weiter geplaudert werden.

Lieschen Peters und Eva Nelius können diese Voraussetzungen mühelos erfüllen. Die besten Freundinnen sind seit über 70 Jahren ein Herz und eine Seele. Die Verbundenheit der beiden Seniorinnen wurde in der Kindheit gelegt und hat jede Veränderung in den nachfolgenden Lebensphasen überstanden. „Wir waren uns von Anfang an sympathisch“, erinnert sich die 78-jährige Lieschen Peters aus Sophienhamm. Eva Nelius, die morgen ihren 79. Geburtstag feiert und in Friedrichsholm lebt, ergänzt: „Das ist bis heute so geblieben.“ Sie sehen sich bei Familienfesten und telefonieren regelmäßig miteinander.

Als sich Lieschen und Eva das erste Mal begegneten, waren die Mädchen sechs und sieben Jahre alt. Evas Mutter war mit ihren drei Kindern 1942 nach Sophienhamm gezogen. Der Vater kämpfte im Krieg. Die neue Wohnung im hinteren Ortsteil des Dorfes lag direkt neben dem landwirtschaftlichen Hof von Familie Peters. Die Kinder hatten den gleichen, etwa ein Kilometer langen Schulweg, den sie zu Fuß in klobigen Holzpantinen bewältigten. Diese Jahre, die von dem Mangel in Kriegszeiten geprägt waren, legten den Grundstein für das Band zwischen den beiden Deerns.

Die Mädchen spielten stundenlang Hinkepott, kochten Bonbons und verbrauchten dabei den kostbaren Zucker, und sie mussten mucksmäuschenstill sein, wenn Evas Vater abends heimlich „feindliche“ Sender im Radio hörte. Lieschen hatte eine selbst gemachte Puppe aus Torf. „Die war hässlich.“ Eva dagegen besaß eine hübsche „Emmi“ mit Porzellankopf und beweglichem Stoffkörper. Mit dieser Schönheit durfte selbst die allerbeste Freundin Lieschen nicht spielen.

Nach der Schulzeit und Konfirmation gingen die 16-Jährigen in Stellung, lernten später ihre Ehemänner beim Tanzen kennen, bekamen Kinder. Lieschen ist Mutter von einem Sohn und einer Tochter. Eva hat zwei Söhne und zwei Töchter. Die Ehemänner verstanden sich ebenfalls gut. „Als junge Frauen haben wir uns am häufigsten getroffen und viel Spaß gehabt“, berichten die beiden – obwohl sie schon nicht mehr in dem selben Ort wohnten.

„Es war selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig unterstützt haben“, verrät Eva Nelius das Geheimrezept für ihre lebenslange Treue. Es sei stets ein Geben und Nehmen gewesen. „Ohne Lieschen ging gar nichts“, sagt die eine, und die andere bestätigt: „Es war selbstverständlich, dass Eva bei allen wichtigen Ereignissen dabei war. Sonst fehlte etwas.“

Nur ein einziges Mal in den sieben Jahrzehnten gab es einen Streit. Seit Lieschen sechs Jahre alt war, musste sie eine Brille tragen. Sie wurde von den Kindern gehänselt und litt darunter. Als auch noch ausgerechnet Eva den verhassten Spruch wiederholte: „Mein letzter Wille: Eine Frau mit Brille“, wehrte sich die wütende Kleine mit ihren Fäusten. Danach waren die Grenzen klar gezogen. Die Neckerei hörte schlagartig auf. Das Leben konnte weitergehen – in aller Freundschaft.

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