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Bauernprotest in Tetenhusen : Sein oder Nichtsein an der Sorge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

200 Jahre haben die Bauern die Knicks erhalten. Der Kreisbauernverband Schleswig protestiert gegen Habecks Gesetzesvorlagen zu Grünland, Knicks und Gewässerunterhaltung.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 20:00 Uhr

„Sein“ heißt die Straße in Tetenhusen, an der Klaus Peter Dau (52) mit seiner Familie, Ehefrau Edith und vier Kindern, lebt. Seit Generationen bewirtschaftet die Familie den Hof, auf dem heute rund 230 Rinder, davon 100 Milchkühe, stehen. Der zweitälteste Sohn Arne hat die Höhere Landbauschule absolviert und ist bereit zu übernehmen. Aber für die Landwirte dieser Region geht es einmal mehr um „Sein oder Nichtsein“. Nicht nur im Dorf an der Sorge blicken die Bauern mit Sorge auf die Gesetzesvorlagen, mit denen Landwirtschaftsminister Robert Habeck im Dauergrünland Biotope schaffen, die Knickpflege und Gewässerunterhaltung stärker reglementieren will.

Im Dezember des vergangenen Jahres wählten die Landwirte des Kreisteils Schleswig Klaus Peter Dau zum Vorsitzenden ihres Kreisbauernverbandes. Jetzt organisiert er gemeinsam mit Bernd Thomsen, dem Kreisgeschäftsführer, den Protest gegen die angekündigten Eingriffe in das Eigentum der Landwirte. Etwa 20 haben sich dazu auf der mit Knicks eingegrenzten Weidefläche versammelt.

„Die Existenz der Betriebe hängt vom Grünland ab“, sagt Dau und fügt hinzu: „Vom ersten Schnitt leben die Kühe und von den Kühen leben wir.“ Was er damit meint: Wenn das neue Dauergrünlandunterhaltungsgesetz (arten- und strukturreich mit Biotop-Schutz) greift, müssen die Bauern damit rechnen, dass sie ihre Grassilage, und zwar den überaus wichtigen ersten Schnitt, nicht dann mähen können, wenn Wetter und Wachstum den optimalen Termin bieten, sondern nach Vorschrift. Das später eingebrachte Grünfutter sei von schlechterer Qualität, berichtet der Landwirt, „und wir müssen mehr Kraftfutter hinzukaufen.“

Generell halten die Bauern vom staatlichen Eingriff zum Erhalt des Dauergrünlandes gar nichts. „Wenn es dieses Gesetz nicht geben würde, gebe es mehr Dauergrünland“, meint Geschäftsführer Bernd Thomsen. Denn die Vorschrift, dass Grasland nach fünf Jahren zu Dauergrünland wird, habe manches mal dazu geführt, dass Flächen umgebrochen wurden, weil sich der Betriebsinhaber die Option offen halten wollte. Dennoch habe der Anteil an Grünland zuletzt wieder zu genommen. Daher sieht Thomsen keinen Grund, ordnungsrechtlich noch stärker einzugreifen.

Dasselbe gilt nach Ansicht der Landwirte auch für Habecks Knick-Vorschriften. Klaus Peter Dau zeigt mit Stolz auf seinen mit Teebusch und Brombeeren besetzten Wall, der die Weide umgibt, – und auf die etliche Meter hohen Eichen. „Wir haben über 200 Jahre diese Knicks erhalten“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes und bezieht die vorherigen Generationen mit ein. Die bewachsenen Wälle seien nicht zur Zierde sondern aus Notwendigkeit angelegt und daher auch stets gepflegt worden, betont der 52-Jährige: „Damit uns das Land nicht wegfliegt.“ Denn die Geest-Bauern wirtschaften auf sandigen Böden.

Was Habecks neues Regelwerk (50 Zentimeter Abstand zum Knick-Fuß und detaillierte Vorschriften zur Pflege) anbelangt, kommentiert einer aus der Runde der Landwirte: „Stellen Sie sich vor, Sie dürfen ihren Gartenzaun nur in festgelegten Zeit-Abständen beschneiden und einen Streifen daneben nicht mehr nutzen.“ Die Landwirte kritisieren den Eingriff in ihre Eigentumsrechte und befürchten Ertragsverluste. Wenn Brombeeren und Teebusch nicht regelmäßig beschnitten werden, besetzen diese die Grasfläche. Dass den Bauern in der Eider-Treene-Sorge-Niederung nicht das Wasser bis zum Hals steht (Meggerdorf liegt zwei Meter unter NN; Tetenhusen bis zu 1,5 Meter), ist ihnen ein überlebenswichtiges Anliegen, wie Dau versichert. Er ist auch Vorsitzender des Sielverbandes mittlere Sorge. „Wir wollen selber, dass eine Entwässerung mit Maß stattfindet“, betont er. Die Räumung der Gewässer erfolge schonend und ohne Eingriff in die Sohle. Stein des Anstoßes sind die fünf Millionen Landeszuschuss, die von einer Zielvereinbarung abhängig gemacht werden, die von den Landwirten als Drohung angesehen wird. Bernd Thomsen: „Warum setzt Habeck uns die Pistole auf die Brust? Sollten wir nicht aufeinander zugehen?“

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