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Trauerfeier für getöteten Finanzbeamten : „Sein Land verneigt sich vor ihm“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bei der Trauerfeier für den getöteten Finanzbeamten versagt Ministerpräsident Torsten Albig fast die Stimme. 300 Gäste nehmen in Nortorf Abschied.

Tränen in der St.-Martin-Kirche in Nortorf: Bei einer bewegenden Trauerfeier hat die Familie des vor knapp zwei Wochen im Dienst erschossenen Finanzbeamten Wolfgang B. (57) aus Groß Vollstedt Abschied genommen. Dazu kamen gestern rund 300 Gäste. Darunter befanden sich neben Freunden und Kollegen auch Ministerpräsident Torsten Albig und Finanzministerin Monika Heinold.

Kränze mit letzten Grüßen für den Toten, Kerzen und Gestecke schmückten gestern den Raum vor dem Altar von St. Martin. In der Mitte stand der Sarg von Wolfgang B., darauf unzählige rote Rosen. Seine Anwesenheit schien den Trauergästen ein wenig über die Unbegreiflichkeit hinwegzuhelfen, die der Verlust des Familienvaters, Onkels, Freundes und Kollegen durch die grausame Bluttat hervorrief. „Wir stehen dem Tod ratlos gegenüber“, sagte Pastorin Babette Lorenzen in ihrer Predigt. Sie sprach von Mord und einem Schock mit weiten Wellen. „‚Du sollst nicht töten‘ – das fünfte Gebot ist ein Vertrag, der für alle Menschen gilt“, mahnte die Pastorin an.

In seiner Trauerrede sagte Albig über das Opfer: „Er war einer von uns. Er stand an unserer Seite, dass dieses Land gut und gerecht funktioniert.“ Wolfgang B. sei jemandem aus Selbstjustiz zum Opfer gefallen, „der sich von seinem Staat ungerecht behandelt fühlte“. Das sei unentschuldbar und mache alle hilflos, die an Regeln glauben. Deshalb greife die Tat die Werte der Gesellschaft an. „Hier geht es auch um uns als Gemeinschaft“, sagte Albig. Mit gebrochener Stimme beendete er seine Rede mit den Worten: „Sein Land verneigt sich in großer Dankbarkeit und Traurigkeit vor ihm.“

Wolfgang B. war am 1. September während seines Dienstes im Finanzamt Rendsburg erschossen worden (wir berichteten). Dringend tatverdächtig ist der Steuerberater und Kommunalpolitiker Olaf Lauenroth (55) aus Fockbek. Der mutmaßliche Täter war noch vor Ort von der Polizei gestellt worden und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Einen Tag nach der Tat wurde ein Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Lauenroth hatte Wolfgang B. und das Finanzamt offenbar für seine wirtschaftlich prekäre Situation verantwortlich gemacht und wollte sich dafür rächen. Das geht aus einem Brief Lauenroths hervor, der nach der Tat gefunden wurde.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sagte während der Trauerfeier: „Dieser Beruf löst bei vielen immer wieder Wut und Aggression aus. Dem müssen wir entgegentreten.“ Der Tod von Wolfgang B. „wird für uns verpflichtend sein“. Eigenthaler habe Wolfgang B. erst 2014 für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Er habe das verkörpert, was die Fachgewerkschaft zusammenhält: „Steuergerechtigkeit war für ihn nicht nur ein Lippenbekenntnis.“

Für die Gemeinde Groß Vollstedt sprach Thorsten Ladewig (SPD) zur Trauergemeinde. Der Gemeindevertreter sagte über Wolfgang B.: „Er hat Spuren hinterlassen und die Entwicklung der Gemeinde maßgeblich beeinflusst.“ Als Fraktionsvorsitzender sei er Taktmotor, Gesicht und Stimme der Kommunalen Wählergemeinschaft gewesen. B. war Vorsitzender im Finanzausschuss und Gemeinderatsmitglied. „Die Gemeinde verliert einen versierten Finanzfachmann. Dass sie heute mit einem geringen Schuldenstand so gut dasteht, ist auch ihm zu verdanken“, sagte Ladewig.

Die Familie setzte den Leichnam am Nachmittag im engsten Kreis bei.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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