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CSD in Rendsburg : Schwulen-Parade – jetzt erst recht

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Regenbogen-Stammtisch will für 2015 einen Christopher Street Day in der Kanalstadt organisieren. Allerdings führte diese Idee im Internet zu negativen Kommentaren, die große Intoleranz offenbaren. Die Organisatoren verfolgen ihren Plan jedoch weiter.

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erstellt am 14.Apr.2014 | 20:22 Uhr

Paradiesvögel auf der Hohen Straße? Männer, als schöne Frauen zurecht gemacht, stöckeln auf High Heels über den Paradeplatz? Ein Bild und Programm bunt wie der Regenbogen, das wünschen sich die Teilnehmer des Regenbogen-Stammtisches für Rendsburg. Allerdings gibt es auch einige Bewohner der Region, die dafür kein Verständnis zeigen. Das beweisen Kommentare auf Facebook. Gestern waren es 280 an der Zahl.

Maik Grill ist SPD-Mitglied, Schriftführer im Ortsverein Rendsburg und seit kurzem auch im Vorstand der schleswig-holsteinischen Schwusos (Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD). Grill ist homosexuell, lebt seit zehn Jahren in einer festen Beziehung und setzte sich im Kommunalwahlkampf für die Anerkennung von sogenannten Regenbogen-Familien ein und damit für die Rechte von Homosexuellen, Lesben, Trans- und Intersexuellen.

Darauf aufmerksam machen will seit 1979 in Deutschland auch der Christopher Street Day (CSD). Die Lesben- und Schwulendemonstration wurde schnell zu einem bunten Fest, das ähnlich wie der Karneval gefeiert und von vielen Gästen begleitet wird. Grills Idee, einen CSD in Rendsburg zu initiieren, stieß bei den Teilnehmern des Regenbogen-Stammtisches auf große Resonanz. „Für 2014 ist eine Planung im Zeitraum der CSD-Saison in Schleswig-Holstein allerdings zu knapp“, so Grill. Der Grund: Das bunte Volk zieht in diesem Jahr bereits am 31. Mai durch Kiel, am 12. Juli durch Neumünster und dann am 16. August in Lübeck durch die Straßen. Doch damit ist die Idee nicht vom Tisch. Kleine Aktionen sind für dieses Jahr geplant, „aber noch nicht spruchreif“, so Grill. Aber 2015 hat die Gruppe fest im Blick. Womit die Stammtisch-Teilnehmer nicht gerechnet hatten, war die Art der Resonanz auf ihr Projekt im Internet. In guter Absicht war der Termin auf der Facebook-Seite „Rendsbook/Faceburg“ mitgeteilt worden und erhielt auch viele „Gefällt mir“-Angaben. Die Anmerkung: „Finde die Idee weniger sinnvoll, hier gibt’s doch kaum Schwule?“ war da noch sachlich. Doch wie so oft in den Sozialen Netzwerken entgleisten die Antworten dann teilweise und offenbarten, dass einige Schreiber Homosexuelle für krank oder unnatürlich halten.

„Negativ überrascht“ waren die Regenbogen-Befürworter, wie sehr dieses Thema in Rendsburg auf Intoleranz, Unwissen und zum Teil auf Hass stößt, schrieben sie daher in einer Pressemitteilung. „Der zum Teil extrem homophobe Tenor und das fehlende Niveau der Beiträge haben uns darin bestärkt, dass ein Engagement wie der Stammtisch oder auch ein CSD in Rendsburg notwendig sind.“ Oder wie es Maik Grill kurz und knapp sagt: „Jetzt erst recht“. Wenn man die Kommentare lese, werde deutlich, wie wichtig nach wie vor Aufklärung bei dem Thema sei.

Der Rendsburger selbst hat in seinem Lebensumfeld bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Für einige Menschen sei seine sexuelle Ausrichtung vielleicht ein kleines Problem gewesen, aber er sei immer fair behandelt worden. Eine Schwulen-Szene ist ihm in der Region Rendsburg nicht bekannt. „Aber es gibt eine Online-Plattform mit circa 200 Mitgliedern“, weiß Maik Grill. Die Schwusos und der Stammtisch wollen jedenfalls weiter dafür arbeiten, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte wie Heterosexuelle erhalten. Das soll auch durch entsprechende Informationen und Anträge an die Gremien der Stadt geschehen. Und durch einen CSD im kommenden Jahr.

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