Schleswig : Schwieriges Heimspiel für Habeck

Landwirtschafts- und Umweltminister  Habeck zeigte viel Verständnis für die Belange der Bauern. Foto: windmann
Landwirtschafts- und Umweltminister Habeck zeigte viel Verständnis für die Belange der Bauern. Foto: windmann

Der grüne Minister stellte sich beim Kreisbauerntag kritischen Fragen - Reizthemen Knickpflege und Gülleausfuhr im Winter.

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26. Februar 2013, 08:25 Uhr

Schleswig | Es sei ja ein Heimspiel für ihn, sagte Robert Habeck gestern gleich zu Beginn seines Redebeitrages beim Kreisbauerntag im "Hotel Hohenzollern". Schließlich habe er, fast direkt um die Ecke, als Abgeordneter der Grünen im Kreistag seine ersten wichtigen politischen Erfahrungen machen dürfen. Mehr als 400 Vertreter aus Politik und Gesellschaft, insbesondere aber Landwirte aus allen Teieln des Kreises sorgten für einen prall gefüllten Saal - und zugleich für ein aufgeladenes Spannungsfeld zwischen traditionell eher konservativer Bauernschaft und einem jungen "grünen" Minister. Dass er dabei mit unangenehmen Fragen konfrontiert würde, war Habeck sicherlich klar. Spätestens aber nachdem der neue Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Schleswig, Klaus-Peter Dau, sein Grußwort mit klar formulierten Forderungen gewürzt hatte, war klar: Dieser Bauerntag würde es in sich haben.

Dabei standen immer wieder dieselben Themen im Fokus: Knickpflege, Gülle ausbringen im Winter, wachsende Kritik an der Landwirtschaft. Insbesondere die von Habeck initiierte Änderung bei der Knickpflege, wonach Landwirte künftig beim Pflügen und Düngen einen halben Meter Abstand zum Knickfuß unberührt lassen müssen, sorgte für reichlich Unmut. "Wir sind entschieden dagegen, das kommt für uns einer Enteignung gleich. Respektieren Sie unser Eigentum!", forderte Dau und erntete lautstarken Applaus von seinen Berufsgenossen. Auch Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbandes, machte klar, "dass wir beim Thema Knick zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit sind". In der Summe gingen den Bauern im Land durch besagten halben Meter Abstand zum Knick insgesamt 3500 Hektar Fläche verloren.

Diese Zahl wollte Habeck nicht bestätigen, er verteidigte vielmehr seine Pläne. Er wisse zwar, dass es, historisch betrachtet, ohne Landwirte keine Knicks gäbe. In einem waldarmen Land wie Schleswig-Holstein seien sie aber unstrittig wertvolle Biotope, die es zu schützen gelte. "Die heutige Funktion von Knicks ist entscheidend, nicht die geschichtliche", meinte Habeck und erinnerte daran, dass Knicks in die von der EU geförderten Flächenprämien eingerechnet werden. "Sie werden also bezahlt", sagte der Minister, der in diesem Punkt wenig Verhandlungsbereitschaft zeigte.

Anders sah es beim zweiten, aktuell in der Region stark diskutierten Reizthema aus: Der Ausbringung von Gülle im Winter. Immer wieder hatte es in den vergangenen Wochen Vorfälle gegeben, bei denen Nachbarn Bauern anzeigten, die offenbar auf gefrorenen Böden Gülle ausgebracht hatten - entgegen der geltenden Düngeverordnung. "Da kommt die Polizei mit Blaulicht angerast, weil Menschen meinen, uns kontrollieren zu dürfen. Es wird ein unerträglicher Feldzug gegen uns Bauern geführt", schimpfte Klaus-Peter Dau. Man dürfe im Winter und bei Frost nicht prinzipiell das Ausbringen von Gülle verbieten, sondern müsse differenzieren: Handelt es sich um Grünland oder Acker? Wird Grundwasser gefährdet oder nicht? Habeck sagte zu, "dass wir im Ministerium darüber nachdenken und nach einer flexiblen Lösung suchen werden". Er betonte aber auch, dass Grundwasserschutz einen hohen Stellenwert habe. Dies zu verschmutzen, sei kein Kavaliersdelikt.

Nicht nur beim Thema Gülle wurde deutlich, dass vielen Landwirten zunehmende Kritik und versuchte Einflussnahme aus der Öffentlichkeit bitter aufstößt. "Die Landwirtschaft gerät immer mehr in den kritischen Fokus der Menschen, sie fordern gute und kontrollierte Lebensmittel. Das Paradoxe ist aber, dass die meisten sich täglich selbst widersprechen, indem sie im Supermarkt möglichst billig einkaufen", meinte Habeck mit Blick auf die jüngsten Skandale um nicht deklariertes Pferdefleisch und falsch gekennzeichnete Bio-Eier. Er wisse um dem Preisdruck, dem Landwirte ausgesetzt seien. Aber auch unabhängig davon seien es "längst nicht mehr nur diese Spinner-Ökos, wie manchen sagen, die rummaulen. Es verändert sich etwas in der Gesellschaft, die Menschen wollen mitreden", meinte er und appellierte an die Landwirte, die Menschen besser über ihre Arbeit zu informieren.

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