zur Navigation springen

Schwierige Suche nach Indizien im Fall des Haaler Doppelmords

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 15:50 Uhr

Am zweiten Prozesstag im Fall des Haaler Doppelmords ist klar geworden: Jedes Indiz zählt. Gestern sind sechs Zeugen vor dem Kieler Landgericht vernommen worden. Einer davon will am Tatabend ein Auto gesehen haben, das an der Einfahrt zum Hof der beiden getöteten Frauen stand.

Der Angeklagte verfolgte das Prozessgeschehen mit aufmerksamen Blicken, sagte jedoch weiterhin nichts. Dem 29-jährigen Dennis N. aus Beringstedt wird vorgeworfen, am 18. November 2014 erst Regina F. (57) im Stall ihres Gnadenhofs für Pferde in Haale erschossen zu haben. Dann soll er deren zu Hilfe eilende Mutter Inge S. (83) erst mit einem Messer angegriffen und ebenfalls erschossen haben. Im Anschluss habe er Feuer gelegt, um die Tat zu verwischen, so die Anklage. Die lautet auf Mord in zwei Fällen aus Habgier, mit Heimtücke und zur Verdeckung einer Straftat. Als Auto-Mechaniker soll Dennis N. von den Frauen 7900 Euro erhalten haben, um ihnen einen VW-Bus zu beschaffen – was er nie getan hat. Er soll das Geld für sich selbst verwendet haben, woraufhin es zum Streit gekommen sein soll.

Nach der Vernehmung von zwei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Haale, die am Tatabend um kurz nach 21 Uhr zum Brandort gerufen wurden, und des Autofahrers, der das Feuer im Vorbeifahren zuvor gesehen und den Notruf gewählt hatte, wurden auch drei weitere Zeugen befragt. Sie hatten alle auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier in einem etwa einen Kilometer entfernten Haus den Tatort mit dem Auto passiert. Ein Feuer hat keiner von ihnen gesehen. Einem 28-jährigen Mann aus Haale ist wenige Minuten nach 20.30 Uhr ein Wagen mit eingeschaltetem Licht an der Hofeinfahrt auf der Hauptstraße aufgefallen. Der Zeuge konnte jedoch keine genaueren Angaben machen.

Zwei weitere Zeugen haben das Auto nicht gesehen. Kurz zuvor – laut Polizei-Protokoll zwischen 20.15 und 20.30 Uhr – war einer davon dort vorbeigefahren. Und kurz danach nahm eine Frau aus Haale den gleichen Weg, um zur Feier zu kommen. Die 32-jährige Zeugin war sich nicht mehr sicher, zu welcher Uhrzeit. Der Polizei gegenüber hatte sie vor einem Jahr gesagt, dass sie um kurz vor 21 Uhr dort unterwegs war.

Ob das Auto, das den Aussagen zufolge offenbar höchstens eine halbe Stunde dort gestanden haben kann, mit der Tat in Verbindung steht, konnte gestern nicht geklärt werden. Der Indizienprozess wird heute mit weiteren Zeugenvernehmungen vor dem Landgericht fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen