Kleiner Brexit : „Schwexit“ dämpft Welterbe-Vorstoß

Im nordspanischen Bilbao trafen sich Vertreter der weltweit acht Regionen mit Schwebefähren, darunter Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt (stehend, achte von links), rechts daneben Birgit Greiner als Vertreterin für die Fähre in Osten, Bürgermeister Pierre Gilgenast und Udo Bode vom Land Niedersachsen.
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Im nordspanischen Bilbao trafen sich Vertreter der weltweit acht Regionen mit Schwebefähren, darunter Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt (stehend, achte von links), rechts daneben Birgit Greiner als Vertreterin für die Fähre in Osten, Bürgermeister Pierre Gilgenast und Udo Bode vom Land Niedersachsen.

Schwebefähren-Konferenz in Spanien: Zwei von drei britischen Orten scheren aus. Gilgenast trotzdem zuversichtlich.

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05. August 2018, 11:52 Uhr

Rendsburg | Die Rendsburger Schwebefähre soll Weltkulturerbe werden. Sie ist zwar ein Wrack. Seit einer Havarie im Januar 2016 steht sie ausrangiert auf dem Gelände des Rendsburger Bauhofs des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Kiel-Holtenau. Doch die Behörde schrieb einen Teilnahmewettbewerb für den Bau eines Nachfolgemodells aus. Aus den Bewerbern will sie bis Herbst die beste Firma auswählen und den Auftrag vergeben. Ab 2020 soll die Fähre wieder über den Kanal pendeln.

Bürgermeister Pierre Gilgenast kämpft daher hoffnungsvoll für die Anerkennung des seltenen Transportmittels als Weltkulturerbe. Die Vorbereitungen dafür begannen 2008, wie auf der Internetseite der Stadt zu lesen ist. Doch der jüngste Anlauf von Vertretern der weltweit acht Schwebefährenstandorte, den Titel gemeinsam zu ergattern, erhielt einen Dämpfer.

Schwebefähren gibt es in Großbritannien (Newport, Middlesbrough und Warrington), in Deutschland (Osten in Niedersachsen und bald wieder in Rendsburg), in Frankreich (Rochefort), Argentinien (Buenos Aires) sowie in Spanien (an der Biskaya-Brücke bei Bilbao). 2003 bildete sich der Weltverband der Schwebefähren, berichtet Gründungsmitglied Jochen Bölsche auf seiner Web-Seite schwebefaehre.org. Die „World Association of Transborder Bridges“ sollte sich bei ihrer sechsten Weltkonferenz neu konstituieren. Die Fähre bei Bilbao erhielt den Titel „Weltkulturerbe“ 2006 und soll nun die Federführung für einen gemeinsamen Antrag der Mitglieder auf die Auszeichnung übernehmen. Doch kurz vor der Konferenz teilten Middelsbrough und Warrington mit, dass sie sich nicht beteiligen wollen. Newport schwanke noch. In sozialen Netzwerken wurde Bölsche zufolge von einem „Schwexit“ (zusammengesetzt aus „Schwebefähre“ und „Brexit“) gesprochen.

Gilgenast bezeichnete die Konferenz trotzdem als sehr beeindruckend. „Man ist einen großen Schritt vorangekommen.“ Die Teilnehmer verabschiedeten einen Gründungsvertrag. Der Rendsburger Kulturausschuss soll beraten, ob die Stadt Mitglied in dem neu konstituierten Weltverband werden soll. Die Schwebefähre gehört zwar dem Bund, der das Vorhaben aber unterstützen will. An der Konferenz nahm auch Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt teil. Als Jahresbeitrag der Verbandsmitgliedschaft sind 1500 Euro im Gespräch. Wer die Anerkennung als Weltkulturerbe erhalte, profitiere von Förderungen: Die Biskaya-Brücke bei Bilbao sei mit gläsernen Aufzügen ausgestattet. Parkplätze wurden mitfinanziert.

Für Anfang Oktober ist ein Abstimmungsgespräch im Auswärtigen Amt geplant. Dann sollen die Anträge der Mitglieder zusammengefasst und beim Welterbekomitee eingereicht werden.

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