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Unfall : Schwebefähren-Fall beim Staatsanwalt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wasserschutzpolizei schließt Ermittlungen ab / Anwalt des Maschinisten soll Stellung nehmen / Amtlicher Bericht zur Kollision veröffentlicht

Ein Jahr und vier Monate haben die Ermittlungen zur Kollision der Schwebefähre mit einem Stückgutfrachter am 8. Januar 2016 gedauert. Das Wasserschutzpolizeirevier Kiel schloss seine Untersuchungen jüngst ab und übergab die Akten der Staatsanwaltschaft, teilte Polizeisprecher Rainer Wetzel auf Anfrage mit. Wie Oberstaatsanwalt Axel Bieler gestern berichtete, liegen die Unterlagen zurzeit dem Verteidiger des Schwebefährenführers zur Einsicht vor. Dieser steht im Verdacht, die Havarie verursacht zu haben. „Der Verteidiger wird eine Stellungnahme abgeben. Dann wird entschieden, ob weitere Ermittlungen erforderlich sind und wie wir es strafrechtlich bewerten“, sagte er. In zwei Wochen sei mit neuen Erkenntnissen zu rechnen.

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg hielt die gesetzliche Jahresfrist zur Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts nicht ein. Als Grund führte die Behörde die „Komplexität der zu sichtenden Unterlagen, insbesondere der von den Beteiligten beauftragten Gutachten“ an. Zwei Tage vor dem Jahrestag des Unfalls gab die BSU daher einen Zwischenbericht heraus.

Demnach befand sich das Küstenmotorschiff „Evert Prahm“ auf der Reise von Liepaja in Lettland über Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Husum. Der 78,25 Meter lange und 11,65 Meter lange Stückgutfrachter, Baujahr 1996, hatte mehr als 1900 Tonnen Mais geladen. Um 6.35 Uhr näherte er sich mit etwa 8,8 Knoten (16 Kilometer pro Stunde) bei Dunkelheit der Rendsburger Hochbrücke. Nach nächtlichen Schneefällen herrschte eine Lufttemperatur von drei Grad Celsius. Es regnete. Es blies ein starker Wind. Auf der Brücke standen der Erste Nautische Offizier, ein Kadett und ein Kanallotse. Als der Frachter kurz vor der Hochbrücke in der Fahrwassermitte unterwegs war, legte die an dem Stahlbauwerk hängende Schwebefähre am Nordufer ab. An Bord befanden sich der Maschinenführer und ein Fahrgast.

Die Besatzung des Frachters führte die Manöver „Voll zurück“ und „Hart Backbord“ aus, konnte die Kollision aber nicht mehr verhindern. „Die Schwebefähre prallte mittschiffs gegen die Luke, hakte kurz fest, drehte sich und kam wieder frei“, heißt es im Bericht. Sie schlug gegen das offene Deck an der rechten Seite des Ruderhauses, schrammte über das Brückenhaus, riss Antennen, das Radar sowie den Achtermast mit und geriet in die Südböschung.

Die Wucht des Aufpralls riss die 102 Jahre alte Schwebefähre teils aus der Schienenführung und beschädigte sie stark. Das Gefährt hing mittig über dem Kanal fest. Der Passagier Jan Heigener berichtete der Landeszeitung, dass er mit dem Kopf auf einem Stahlträger am Boden aufschlug, über Deck geschleudert wurde und auf der schräg hängenden Ladefläche nach unten rutschte. Hätte er sich nicht in den Holzplanken festgekrallt hätte, wäre er ins eisige Wasser gefallen. Dem BSU-Bericht zufolge wurde der Maschinenführer schwer verletzt. Beide wurden mit Hilfe der Kanalfähre „Memel“ gerettet und dann in ein Krankenhaus gebracht.

Der BSU-Bericht enthält keine Angaben zum Verhalten und eventuellen Manövern seitens des Fährführers. Der kommissarische Leiter Jürgen Albers teilte dazu auf Nachfrage mit: „Weitere Informationen und Auskünfte dürfen während der laufenden Untersuchung nicht gemacht werden.“

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erstellt am 16.Mai.2017 | 10:00 Uhr

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