Neubau nach Havarie : Schwebefähre wird Millionenprojekt

In einer Image-Broschüre der Stadt ist die Fähre noch zu sehen. Am Anleger stehen seit zweieinhalb Jahren nur Schranken.
In einer Image-Broschüre der Stadt ist die Fähre noch zu sehen. Am Anleger stehen seit zweieinhalb Jahren nur Schranken.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt will Vertrag im Herbst unterschreiben. Zweite Gesprächsrunde mit Bietern steht bevor.

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18. Mai 2018, 20:12 Uhr

Der Vertrag für den Bau einer neuen Schwebefähre über dem Nord-Ostsee-Kanal soll im Herbst unterzeichnet werden. Das teilte Matthias Visser, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Kiel-Holtenau, mit. Mehrere Firmen reichten unverbindliche Angebote ein, die nun geprüft werden. „Es wird jetzt über die beste Lösung verhandelt, so sieht es das Vergaberecht vor.“ Visser betont: „Wir sind im Zeitplan.“ Einer Inbetriebnahme Ende 2019 stehe nichts im Wege.

Aufgrund der aufwändigen Ausstattung mit Funk, Radar und der automatischen Positionsmitteilung (AIS) wird der Bau voraussichtlich ein Millionenprojekt. Ob sich die Kosten eher im ein- oder mehrstelligen Millionenbereich bewegen werden, darf Visser mit Rücksicht auf das Bieterverfahren nicht sagen.

Wie berichtet, stieß die Schwebefähre im Januar 2016 mit einem Schiff zusammen. Einem Gutachten zufolge ist sie nicht zu reparieren. Das Bundesverkehrsministerium bezeichnete sie als „leistungsstarke Verbindung über den Nord-Ostsee-Kanal“ und als „echte Rarität“. Deshalb soll eine neue Fähre gebaut werden – in altem Design, mit moderner Technik.

Von Juni bis August 2017 hatte das WSA einen öffentlichen Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben. Mehrere Firmen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland meldeten Interesse an. Es folgten Einzelgespräche, in denen das WSA den Unternehmen den Umfang und Inhalt des Projekts erläuterte. Daraufhin reichten im April mehrere Interessenten unverbindliche Entwurfsplanungen und Angebote ein. Visser stellte fest: „Die Firmen haben die Aufgabenstellung ‚Planen und Bau eines Prototypen‘ verstanden und angenommen. Wir können auf der Basis der eingereichten Angebote weitermachen.“ Zugleich wurde in den Gesprächen deutlich, dass das Projekt für die Unternehmen eine große Herausforderung darstellt: Die neue Schwebefähre wird an derselben 105 Jahre alten Eisenbahnhochbrücke hängen wie die alte. Deshalb darf sie nicht mehr als ihr Vorgängermodell wiegen (82,2 Tonnen inklusive Gondel, Seilen und Oberwagen, der sie unterhalb der Bahnschienen hin- und herzieht). „Alle technischen Komponenten müssen dem Stand der Technik entsprechen und auf der neuen Schwebefähre ihren Platz finden.“ Die Bestandteile sollen ergonomisch gestaltet werden. Nicht zuletzt erwartet der Bauherr, dass das filigrane Design des alten Modells nachgeahmt wird – das wünschen sich auch viele Bürger, die ihre Schwebefähre vermissen.

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