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Osterrönfeld/Rendsburg : Schwebefähre außer Betrieb: Bürgermeister schlagen Alarm

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die „eiserne Lady“ steht immer häufiger still. Doch das werde schlechte kommuniziert, ärgern sich die umliegenden Orte.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Donnerstagvormittag lag sie erneut für mehrere Stunden still: Zwischen 8.35 und 11.30 Uhr war die Schwebefähre wegen technischer Probleme außer Betrieb. Der Ausfall reiht sich in eine Pannenserie, die seit der Generalüberholung im Sommer nicht abreißen will. Vier Zwangspausen in nicht einmal zwei Monaten rufen die Bürgermeister von Rendsburg und Osterrönfeld auf den Plan. Sie kritisieren zudem die schlechte Informationspolitik des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau.

Die Schwebefähre ist neben der Rader Hochbrücke eine wichtige Verbindung über den Nord-Ostesee-Kanal. Sie transportiert täglich hunderte Schüler, Pendler und Touristen kostenlos über die Wasserstraße.

Pierre Gilgenast, Bürgermeister von Rendsburg, fordert schnellere Auskünfte. „Wir bekommen von den Sperrungen immer erst etwas mit, wenn sich jemand darüber im Rathaus beschwert“, sagt der Verwaltungschef. Mit altersbedingten Ausfällen sei bei einer über 100 Jahre alten Fähre zu rechnen. Die Häufung der vergangenen Wochen sei aber schon auffällig und ärgerlich. „Sie ist ja gerade erst repariert und generalüberholt worden.“

Die Schwebefähre habe nicht nur als Verkehrsmittel eine besondere Bedeutung für Rendsburg und seine Umgebung. In der kommenden Woche werde man mit dem Kultusministerium in Kiel Abstimmungsgespräche hinsichtlich der Bewerbung um den Titel „Unesco Weltkulturerbe“ führen, so Gilgenast. Ziel sei nach wie vor eine Antragstellung im Jahre 2017.

Auch Bernd Sienknecht, Bürgermeister von Osterrönfeld, beklagt, nicht unmittelbar nach dem erneuten Ausfall vom WSA informiert worden zu sein. „Ich werde mit dem Wasser- und Schifffahrsamt Kontakt aufnehmen.“ Man werde zusammen Alternativen finden müssen, falls es in Zukunft zu längeren Stilllegungen kommen sollte. Sienknecht sieht die Behörde in der Pflicht: „Sie muss die Wegverbindung gewährleisten.“ Auch über die Einrichtung eines Fähren-Ersatzverkehrs bei Ausfällen wolle er diskutieren. Schon seit Jahren bemüht sich die Gemeinde Osterrönfeld, bei der Kanalverwaltung einen solchen Ersatz durchzusetzen. Selbst auf dem Klageweg hatte man es bereits versucht. Bisher waren alle Anstrengungen vergeblich. Matthias Visser vom WSA sieht keine Notwendigkeit für eine Alternative. Nur wenn die Schwebefähre monatelang ausfallen würde, müsse man darüber nachdenken.

Über die Sperrung und Freigabe der Schwebefähre informiert die Kanalbehörde per Fax. In der Liste der Adressaten sind auch Nummern der Stadt Rendsburg und Gemeinde Osterrönfeld verzeichnet. Bei der Landeszeitung ging die um 8.35 Uhr verhängte Stilllegung laut Fax-Protokoll jedoch erst eine knappe Stunde später ein (9.31 Uhr). Die Meldung „Sofortige Freigabe“ von 11.30 Uhr spuckte der LZ-Faxer um 12.27 Uhr aus.

Bei der Fähre hapert es vor allem an der Elektronik. Sie ist auch für den jüngsten Stillstand verantwortlich. Ein Wartungstrupp behob den Fehler gestern schnell. Der Ausfall Mitte Oktober zog sich über vier Tage hin. Davor, am 16. September, hatte die Fähre ein Baugerüst am Brückenpfeiler gestreift und fiel mehrere Stunden aus.

Die gesamte Anlage war erst im Sommer generalüberholt worden. „Dabei wurde viel alte Technik ersetzt“, sagt Matthias Visser vom WSA. „Wenn man aber alte und neue Teile kombiniert, kommt es in der Anfangszeit immer zu Problemen.“ Visser ist überzeugt, dass es künftig seltener zu Pannen kommen wird, da sich das System mittlerweile eingespielt habe. „Die alte Lady ist ein bisschen schwierig und problemanfällig, aber sie hat bewiesen, dass sie es kann.“ Visser geht fest davon aus, dass die Fähre auch am Montag zum Schulstart einsatzbereit sein wird.

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