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Nach fast 20 Jahren : Schwarzbau-Streit auf der Rader Insel gelöst

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Ehepaar Schreiber hat einem Duldungsvertrag für seine „Blaue Hütte“ zugestimmt. Damit wird ein jahrzehntelanger Konflikt beendet.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 11:25 Uhr

Jahrelang haben sich die Schreibers gewehrt, verweigert und gedroht – und nun doch unterschrieben. Das Ehepaar, das den Yachtservice auf der Rader Insel betreibt und dem links und rechts von der Brücke Land gehört, hat einem Duldungsvertrag mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde zugestimmt. Das bestätigte die Leiterin der Bauaufsichtsbehörde, Dr. Britta Siefken, der Landeszeitung auf Nachfrage. Damit ist klar, dass die einst illegal errichtete „Blaue Hütte“ nach dem Tod des mehr als 90 Jahre alten Unternehmers Friedrich Schreiber abgerissen wird. Auch für den Bau der Rader Hochbrücke gibt es voraussichtlich freie Bahn.

Der Streit hatte 1998 begonnen. Damals waren bei Wochenendhütten Verstöße gegen das Baurecht festgestellt worden. 67 Parzellen waren betroffen. Den Schreibers gehörten verpachtete Grundstücke sowie eine der Hütten. 2002 wurden Verträge unterzeichnet, die einen Abriss der Schwarzbauten bis 2008 vorsahen. Doch dann wendeten sich die Betroffenen ans Land. Der Petitionsausschuss schlug vor, Eigentümer, die damals mindestens 60 Jahre alt waren, bis zu ihrem Tod in den Hütten leben zu lassen. Ein Kompromiss, dem sich zuletzt nur noch die Schreibers verweigert hatten.

Im vergangenen Jahr hatte das Ehepaar versucht, seinen Grundbesitz als Druckmittel einzusetzen. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer berichtete im Kreistag, Uta Schreiber wolle den Stopp einer Abrissverfügung erreichen, indem sie diesen zur Bedingung für eine mögliche Nutzung ihrer Grundstücke beim Neubau der Rader Hochbrücke machte. Außerdem wollten die Schreibers eine nachträgliche Baugenehmigung erhalten. Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein sagte daraufhin, das Land lasse sich nicht erpressen. Mitglieder des Kreistags sprachen hinter vorgehaltener Hand bereits über Enteignung.

„Einen Zusammenhang mit der Brücke gab es für uns nicht“, sagte Britta Siefken gestern. Fakt sei, dass die Bauaufsichtsbehörde keine nachträgliche Baugenehmigung erteilen konnte. Nach eineinhalb Jahren mit fruchtlosen Diskussionen und mehreren Schreiben sei Mitte 2016 schließlich nur noch der Abriss infrage gekommen. Daraufhin hätten die Schreibers ihren Anwalt gewechselt. „Wir haben dann dem neuen Anwalt erklärt, dass der Abschluss eines Duldungsvertrags jetzt nur noch ein Entgegenkommen von unserer Seite wäre.“ Danach habe es neue Verhandlungen gegeben, die schließlich vergangene Woche im Vertragsabschluss mündeten. Der Kreis habe „eine Sicherheitsleistung“ für den Abriss der Hütte erhalten, erläuterte Siefken. Außerdem habe sich Friedrich Schreiber verpflichtet, nach bestimmten Abrissarbeiten auf seinem Grundstück für die Beseitigung des Schutts zu sorgen. „Insofern gehe ich davon aus, dass jetzt Rechtsfrieden eingekehrt ist.“ Es gebe derzeit eine zweistellige Anzahl an Duldungsverträgen für Bauten auf der Rader Insel und keine offenen Streitigkeiten. „Wir können nur froh sein, dass dieses Verfahren jetzt – ich glaube, für alle Beteiligten – zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommmen ist.“

Ähnlich erleichtert über das Ende der jahrelangen Querelen äußerte sich Landrat Schwemer: „Ich bin froh, dass eine Lösung gefunden wurde, die vergleichbar ist mit den Vereinbarungen mit anderen Grundstückspächtern und -eignern.“ Außerdem äußerte Schwemer die Hoffnung, dass dem für 2023 geplanten Ersatzbau für die Rader Hochbrücke „nicht weitere Steine in den Weg gelegt werden“.

Die Schreibers wollten das Ergebnis und ihr spätes Einlenken nicht kommentieren.



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