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Schutz für die „Generation Hilfsbereitschaft“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Immer wieder werden Senioren Opfer des „Enkeltricks“ / Polizei strebt Zusammenarbeit mit Banken an

„Rate mal, wer dran ist!“ – So oder ähnlich geht er meistens los. Mit dem so genannten Enkeltrick werden immer wieder Senioren betrogen und um ihr Erspartes gebracht. Um den Verbrechern Einhalt zu gebieten strebt die Rendsburger Polizei eine engere Zusammenarbeit mit den hiesigen Geldinstituten an. Gestern trafen sich Vertreter von Polizei und Banken auf dem Rendsburger Revier zu einem ersten Informationsaustausch. Dietmar Benz ist Leiter der Präventionsstelle bei der Polizeidirektion Neumünster. Er betonte: „Wir laufen gebetsmühlenartig durch die Bevölkerung und weisen auf die Masche hin. Aber es passiert trotzdem immer wieder.“

Beim Enkeltrick werden gezielt Senioren angerufen, mit einer frei erfundenen Notlage eines Verwandten konfrontiert und zu einer Zahlung eines Bargeldbetrages aufgefordert. Die Betrüger erhöhen durch wiederholte Anrufe den Druck auf die älteren Menschen. Zahlen die einmal, dann folgen nicht selten weitere Forderungen, für die manche Senioren dann sogar extra Geld bei ihrer Bank abheben. Dort will die Polizei jetzt einen weiteren Angriffspunkt auf die Verbrecher installieren. „Wir haben es dabei mit hoch organisierten Gruppen zu tun, die arbeitsteilig und spezialisiert vorgehen“, erklärte Benz. Geschult in der Gesprächsführung würden die Anrufer gezielt das Vertrauen der Senioren gewinnen, das ergaunerte Geld fließe meist ins Ausland. Senioren machen die Täter häufig über die Vornamen in Telefonverzeichnissen ausfindig. „Wenn da eine Hermine wohnt, dann ist relativ eindeutig, ob die eher 17 oder 70 Jahre alt ist“, sagte Benz: „Hier wird die Generation 70plus, die Generation Hilfsbereitschaft ausgenutzt. Die wollen wir – so gut es geht – schützen.“

Durch die engere Zusammenarbeit mit den Geldinstituten sollen vor allem deren Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert werden. Erhard Böttcher, Leiter der Kriminalpolizeistelle Rendsburg erklärte: „Uns ist klar, dass dabei Straftatverfolgung und Geschäftsphilosophie aufeinander treffen. Wir möchten diesen Spagat aber so gut wie möglich hinbekommen.“ Auch unter Einhaltung des Datenschutzes und des Bankgeheimnisses könne eine Kooperation fruchten.

Nun sollen Mitarbeiter der Banken bei Schulungen erfahren, wie sie verdächtige Situationen erkennen und wie sie schnell helfen können. Sowohl Joachim Petrat, Direktor des Filialverbundes Rendsburg der Hypo-Vereinsbank, als auch Klaus Johannsen vom Vorstandssekretariat der Sparkasse Mittelholstein lobten den Ansatz der Polizei und bekundeten ihr großes Interesse.

Wie häufig in Rendsburg und Umgebung Senioren Opfer des Enkeltricks werden, ist statistisch nicht exakt erfasst. Andreas Dahmer, Sachgebietsleiter für Betrugs- und Fälschungsdelikte, sprach jedoch von einer „nicht unerheblichen Anzahl von Taten“. Zudem sei die Dunkelziffer vermutlich recht hoch. „Nicht nur die Angst, Opfer zu werden, ist ausgeprägt, sondern auch die Angst davor, sich – wenn es passiert ist – Angehörigen oder der Polizei anzuvertrauen.“

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erstellt am 21.Mai.2014 | 07:00 Uhr

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