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Aus dem Amtsgericht Rendsburg : Schummel-Bankerin packt vor Gericht aus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine 24-Jährige wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sie hatte 140.000 Euro „verprasst“ - unter anderem für Kleidung und Reisen.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung für eine junge Frau, Freispruch für ihren ehemaligen Lebensgefährten. So lautete gestern das Urteil am Rendsburger Schöffengericht. Schuldig gesprochen wurde eine heute 24-jährige Frau, weil sie sich nach Überzeugung des Gerichts zwischen April und November 2012 als Mitarbeiterin zweier Banken in Rendsburg durch fingierte Einzahlungen und sogenannte Luftbuchungen Zugang zu immensen Geldsummen verschafft hatte. Insgesamt ging es um rund 400  000 Euro.

Seinen Anfang nimmt alles 2012, als die damals in Scheidung lebende Frau ein Haus kauft. Mit dem Angeklagten wagt sie dort nach ihrer gescheiterten Ehe einen Neuanfang. Die Finanzierung hält sie aufgrund von Aussagen ihres Finanzberaters für gesichert. Nach der Aufteilung des gemeinsamen Eigentums laufen die beiden Bausparverträge, die Teil der Finanzierung sind, jedoch auf den Ex-Mann. Der Traum vom Eigenheim droht zu platzen – und das, obwohl ein Maler bereits mit der Renovierung des Hauses begonnen hat.

In ihrer Verzweiflung habe sie nicht den Mut gehabt, ihrem Lebensgefährten gegenüber ehrlich zu sein, sagt sie auf der Anklagebank. Ihm erzählt sie, dass sie ein vorzeitiges Erbe von einer vermögenden Tante erwartet. Um das Lügengebilde aufrecht zu halten, veranlasst die damals in Rendsburg tätige Commerzbank-Mitarbeiterin eine sogenannte Vormerkung über einen nicht existenten Geldeingang in Höhe von 240.000 Euro für ihr Privatkonto. 20  000 Euro des dadurch sofort verfügbaren Betrags hebt die junge Frau am selben Tag ab. 15.000 Euro überweist sie ihrem Lebensgefährten, damit dieser davon Zahlungen für das Haus tätigen kann. 5000 Euro werden sofort im Baumarkt ausgegeben.

Der Restbetrag steht der Frau schon am nächsten Tag nicht mehr zur Verfügung, da eine aufmerksame Kollegin die dubiose Vormerkung nicht freigegeben hat. Nachdem der Betrug aufgeflogen ist, folgt die Kündigung. 15.000 Euro werden sichergestellt.

Kurz danach hat die junge Frau „unglaubliches Glück“, so die Richterin. Nur drei Monate nach der Kündigung kann die Bankerin eine neue Anstellung als Kundenberaterin bei der Postbank antreten – keine 500 Meter Luftlinie von der Commerzbank entfernt. Dann habe sie ein zweites Mal den Kopf ausgeschaltet: „Ich wollte wieder Fuß fassen und dachte, dass ich irgendwie an Geld kommen muss“, erklärt sie gestern.

Die Eigentümerin des Hauses ist zwischenzeitlich zwar vom Kauf zurückgetreten, einige Kosten „drumherum“ – zum Beispiel für den Maler – gilt es allerdings noch zu begleichen. Um die Geschichte der ausgedachten Erbschaft aufrecht zu halten, verbucht die Frau eine Bareinzahlung über 160.000 Euro auf ein Sparbuch ihres Lebensgefährten – ebenfalls bei der Postbank. Die Summe wird anschließend auf Girokonten beider Angeklagten aufgeteilt und „verprasst“, wie Richterin und Staatsanwalt feststellen.

Innerhalb von drei Wochen gibt das ehemalige Paar knapp 140.000 Euro für ein neues Auto, Kurzreisen innerhalb Deutschlands und Kleidung aus. Außerdem werden Schulden des Angeklagten beglichen, deren Höhe je nach Aussage zwischen 35.000 und 50.000 Euro variierte. Außerdem renoviert der Angeklagte für etwa 5000 Euro die Wohnung seiner Mutter, das Paar löst einen Kleinwagen ab, den die Mutter ebenfalls erhält. Gedanken über die Herkunft des Geldes habe er sich nicht gemacht. „Ich habe ihr geglaubt, dass das Geld von der Tante kommt.“

In der Urteilsbegründung bezweifeln Richterin und Schöffen, dass der Mann nichts von den Machenschaften seiner Lebensgefährtin geahnt hat. Nachzuweisen ist ihm das aber nicht. Er wird freigesprochen.

Die junge Frau, die mittlerweile wieder verheiratet und Mutter eines sechsmonatigen Kindes ist, wird wegen Untreue in Tateinheit mit Betrug und versuchtem Computerbetrug im ersten Fall sowie wegen Untreue in Tateinheit mit Betrug im zweiten Fall verurteilt. Positiv bewertet das Gericht, dass sie nicht vorbestraft und bei der Verhandlung geständig ist, ohne Schuld abzuwälzen.

Angelastet wird ihr, dass beide das Geld „für ein Leben auf höchstem Niveau“ in nur drei Wochen ausgeben. „Wie verzweifelt muss man sein, in so kurzer Zeit alles kaputt zu machen?“, fragt die Richterin. Die 24-Jährige habe keine Aussicht, jemals wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können und sei hochverschuldet. Den Grund sieht sie darin, dass die Angeklagte ihren damaligen Partner, den sie heiraten wollte, unter keinen Umständen verlieren wollte.

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