Schulnoten für die Pflegeheime

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23. Dezember 2009, 09:32 Uhr

Rendsburg | Der "Pflegelotse" soll mehr Transparenz in das Angebot von Pflegeeinrichtungen bringen. Seit gestern sind im Internet Bewertungen veröffentlicht: Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat alle Einrichtungen besucht, getestet und mit Schulnoten bewertet. Die Internetseite www.pflegelotse.de des Verbandes der Ersatzkassen versteht sich als Orientierungshilfe bei der Suche nach der passenden ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtung. Er informiert über die Größe, die Kosten, die Ausstattung, besondere Versorgungsformen, die Lage sowie die Anschriften der Einrichtungen. Der "Pflegelotse" gibt also einen schnellen Überblick über das Angebot - ersetzt aber nicht eine ausführliche Pflegeberatung.

Allein für den Kreis Rendsburg-Eckernförde sind 58 stationäre Einrichtungen aufgeführt - benotet aber sind zurzeit nur die wenigsten: Noch gibt es zahlreiche Einsprüche gegen die Bewertungen und auch gegen die Veröffentlichung der Benotungen (wir berichteten). Auch in den Einrichtungen selbst haben die Benotungen teilweise zu Protesten geführt. Im Seniorenpflegeheim "Zur Alten Schule" in Lütjenwestedt hat die mangelhafte Benotung (4,8) in der Kategorie "Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung" nach Auskunft von Leiter Niels Gieseck Fassungslosigkeit ausgelöst. "Ein gut geschultes Team, intensive Kirchen- und Gemeindearbeit sowie ehrenamtliche Helferinnen sorgen dafür, dass unseren Bewohnern viel Zuwendung, Abwechslung und Orientierung geboten bekommen", erklärt Gieseck. Die schlechte Bewertung liege in der Tatsache, dass die umfangreiche Betreuung teilweise noch nicht schriftlich dokumentiert worden sei. "Was die Qualität der sozialen Betreuung betrifft, würde ich mich freuen, wenn sich die Interessenten selbst ein Bild machen." Dennoch kündigte Gieseck an, dass die festgestellten Mängel schnellstmöglich behoben werden.

Dieter Brunner, Leiter des Altenpflegeheimes Neue Heimat in Rendsburg, weist ebenfalls auf den Zusammenhang zwischen Note und schriftlicher Dokumentation hin, kritisiert aber zudem das Bewertungssystem insgesamt als nicht ausgereift und existenzgefährdend. Zudem zeichnet Brunner ein nicht gerade rosiges Bild für die Zukunft: "Die Pflegeeinrichtungen stellen sich seit Jahren den immer höheren Qualitätsanforderungen bei einer gleichbleibenden Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Forderung nach einer schriftlichen Dokumentation wird weiter steigen. Die Zeit für Pflege wird dadurch geringer."

Noch deutlicher wird Karin Bornhöft vom Alten- und Pflegeheim Haus St. Vincenz in Rendsburg: "Bei der Bewertung geht es offensichtlich nicht darum, ob die Menschen gut betreut werden, sondern um Pläne, Konzepte und Dokumentationen." Die Pflege in ihrem Haus sei sehr gut - und werde schlecht bewertet, weil einzelne Pläne nicht vorlagen. "Es ist einfach ungerecht, dass unsere Mitarbeiter, die hervorragende Arbeit leisten, jetzt so öffentlich in die Kritik geraten." Karin Bornhöft sieht hinter der Bewertung sogar ein System, um Druck auf die Einrichtungen auszuüben. Dahinter steckten die Pflegekassen, die für die Finanzierung zuständig sind.

Eine zweite Kontrollinstanz von Alten- und Pflegeheimen ist die Heimaufsicht des Kreises. Sie betreut 58 stationäre (3390 Plätze) und 45 Behinderteneinrichtungen (1213). "Wir werden unsere Prüfberichte veröffentlichen, wenn wir vom Gesundheitsministerium grünes Licht bekommen", sagt Anke Latacz-Blume, zuständige Fachbereichsleiterin in der Kreisverwaltung. Auch soll es eine bessere Abstimmung zwischen dem MDK und der Heimaufsicht geben. "Wir warten auf genaue Vorgaben", sagt Latacz-Blume. Sie geht von einer Veröffentlichung der Prüfberichte im ersten Quartal des nächsten Jahres aus.

In diesem Jahr hat die Heimaufsicht eine Prüfquote von knapp 80 Prozent erreicht. Landrat Rolf-Oliver Schwemer hatte im Oktober angekündigt, 2010 die gesetzlich vorgeschriebenen 100 Prozent zu "schaffen".

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