Schulen orten Handy-Schummler

Messgeräte sollen vor Betrug in Abschlussprüfungen schützen

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23. Januar 2013, 07:21 Uhr

Kiel | Nachdem das Schiller-Gymnasium in Preetz mit einer Art Peilsender zur Ortung verbotener Handys für Aufsehen gesorgt hat, wird bekannt, dass Strategien gegen Schummeln per Smartphone an immer mehr Schulen im Land ein Thema sind. In mindestens einem weiteren Fall wird eine ähnliche Praxis geübt: Das Gymnasium am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig hat bei den letzten Abiturprüfungen ein Messgerät eingesetzt, das Mobiltelefone aufdeckt. Bei der Reifeprüfung in diesem Frühjahr werde es das wieder tun, kündigt Oberstufenleiter Hans-Joachim Behrens an.

Anlass war, dass während einer Probe-Klausur für das Abi die Aufgaben über Facebook veröffentlicht worden waren. Ein Schüler habe so per internetfähigem Handy um Hilfe gebeten, schildert Behrens - obwohl alle Prüflinge aufgefordert worden waren, ihre Telefone abzugeben. Der Schleswiger Lehrer hat sein Vorgehen im Kreis der Berufsschulen zur Nachahmung empfohlen: "Solch einen Empfänger hat jedes Berufsbildungszentrum im Bereich Elektrotechnik in seinen Beständen."

In erster Linie setzt das BBZ auf die präventive Wirkung: "Wenn die Jugendlichen damit rechnen müssen, dass ein Handy entdeckt wird, reicht das schon", so Behrens. "Ziel ist es, Verstöße zu verhindern, bevor sie begangen werden."

Stichprobenartige Recherchen unserer Zeitung zeigen: Zahlreiche Schulen im Norden überlegen, ob sie es den Schleswigern und Preetzern gleichtun sollen. "Wir sind darüber gerade in der Diskussion", sagt Frank Beckmann, Leiter des Gymnasiums in Marne (Kreis Dithmarschen). Die Oberstufenleiterin der Isarnwohldschule in Gettorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Silke Schuppenhauer, erklärt: "Wir haben diesbezüglich Überlegungen angestellt." Die Rektorin des Bernstorff-Gymnasiums in Satrup (Kreis Schleswig-Flensburg), Barbara Langlet-Ruck, befürwortet die Peilsender ausdrücklich. In den nächsten zwei Wochen soll an ihrer Schule eine Entscheidung zu der Frage fallen, damit bis zum Abi genug Zeit bleibe, um die Technik anzuschaffen. Langlet-Ruck betont: "Interessant ist ja, dass die Jugendlichen mehrheitlich für den Einsatz von Peilsendern sind, da sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben."

Florian Lienau, Vize-Landesschülersprecher, findet die Handy-Ortung "wegen des damit einhergehenden Generalverdachts erschreckend und überzogen". Der Landes-Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sieht kein Pro blem, solange es um Detektoren geht, mit denen ein enger räumlicher Bereich kontrolliert, jedoch keine persönliche Zuordnung vorgenommen werden kann. Das Bildungsministerium hingegen hegt rechtliche Bedenken.

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