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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 06:11 Uhr

Bargstedt : Schule wie vor über 100 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In Bargstedter Einrichtung werden derzeit 31 Kinder unterrichtet. Eltern und Schüler schätzen die familiäre Atmosphäre.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 14:00 Uhr

In Bargstedt gehen momentan 31 Kinder zur Schule – fast so viele, wie andernorts in einer Klasse sitzen. Um die kleine Einrichtung erhalten zu können, wurde sie im August 2012 als Außenstelle an die Nortorfer Grundschule angegliedert. Möglich ist der Erhalt der Schule aber auch deshalb, weil der Unterricht jahrgangsübergreifend gestaltet wird. Erst- und Zweitklässler lernen also genauso zusammen wie Dritt- und Viertklässler. Was viele noch aus früheren Zeiten kennen, kommt heutzutage nicht mehr oft vor. „Für die Kinder hat das aber den Vorteil, dass sie beispielsweise auch in der ersten Klasse schon den Stoff der zweiten lernen können, wenn sie in einem Fach so fit sind“, erklärt Lehrerin Tanja Steffens-Engelen. Während sie als einzige Lehrkraft nur in Bargstedt eingesetzt wird, pendeln zwei Kolleginnen zwischen Nortorf und der Außenstelle.

Aus Sicht der Lehrerin hat der Unterricht in einem so kleinen Verbund noch weitere Vorteile: „Die Kinder werden schneller selbständig, weil sie auch mal allein arbeiten müssen, wenn der Lehrer gerade den Kindern der anderen Jahrgangsstufe etwas erklärt“, so die 50-Jährige, die die Bargstedter Außenstelle auch leitet. Schulleiterin Claudia von der Heyde ergänzt: „Wir sind froh, den Kindern ein so kleines Umfeld bieten zu können. Einige wären in einer großen Schule doch überfordert.“ Das trifft am ehesten auf Erstklässler zu, die sich in der neuen Umgebung, oft in Kombination mit dem ungewohnten Pendeln, erst einmal eingewöhnen müssen. Gerade einmal vier ABC-Schützen wurden in diesem Jahr in Bargstedt eingeschult – und doch kannten sie alle Schule, Schüler und Lehrer schon vorher. „Der Kindergarten ist im selben Gebäude untergebracht. Weil alle Kinder zusammen auf dem Schulhof spielen, kennen die Kindergartenkinder eben auch schon die Viertklässler. Wenn sie selbst eingeschult werden, ist ihnen also alles schon bekannt“, so Steffens-Engelen.

Auch die Eltern schätzen die Vorteile der kleinen Dorfschule. „Für unsere Kinder ist es doch purer Luxus, in einer so häuslichen Gemeinschaft unterrichtet werden zu können“, ist die Meinung von Melanie Bargstädt. Ihr Sohn Henrik ist in der dritten Jahrgangsstufe. „Die Schule gehört einfach zum Dorfleben dazu“, erklärt die Informatikerin. Das sieht auch Julia Eichstedt so. Ihr Sohn Fiete besucht die zweite Jahrgangsstufe und drückt die Schulbank, auf der sowohl seine Mutter als auch sein Opa seinerzeit schon saßen. „Ich habe ganz tolle Erinnerungen an die schöne Schulzeit hier. Es riecht sogar noch wie früher“, so Eichstedt. „Die Kinder kennen alle und alles, wenn sie eingeschult werden, können mit dem Fahrrad kommen und müssen sich nicht in den Bus setzen.“ Weil sie selbst es als toll empfunden hat, klassenübergreifend unterrichtet zu werden, ist sie froh, dass auch Fiete heute noch die Möglichkeit dazu hat. „Es wäre ganz schlimm, wenn es die Schule einmal nicht mehr gäbe. Das wäre ein Horror für mich.“ Und die Vorstellung wäre vermutlich nicht nur für die Eltern der aktuellen und künftigen Schüler schlimm, sondern auch für den Rest der gut vernetzten Dorfgemeinschaft. „Die Kinder haben ihren Anteil am Dorfleben. So gestalten sie zum Beispiel Seniorennachmittage durch Gesangs- oder Theateraufführungen mit“, berichtet Claudia von der Heyde.

Obwohl die Schülerzahlen noch vor fünf Jahren doppelt so groß waren, zeigt sich die Schulleiterin optimistisch für die Zukunft: „Ab dem Schuljahr 2019/20 steigt die Zahl wieder, die Prognosen sind also gut.“ Aktuell kommen die Schüler aus Bargstedt, Brammer, Oldenhütten, Mörel, Nortorf und Holtdorf. Da aber das Prinzip der freien Schulwahl gelte, könnten auch Kindern aus anderen Orten in Bargstedt unterrichtet werden, wenn ihren Eltern die familiäre Atmosphäre der kleinen Schule zusagt. Und selbst wenn die Zukunft der kleinsten Schulaußenstelle in Rendsburg-Eckernförde jemals auf der Kippe stehen würde, so ist sich von der Heyde sicher, würden viele Eltern auf die Barrikaden gehen, um für die besondere kleine Einrichtung zu kämpfen.

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