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Freie Waldorfschule Rendsburg : Schule muss Abfindung zahlen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Einigung vor Gericht: Waldorf-Mitarbeiter wird seine Arbeit nicht wieder aufnehmen. Der Schul-Vorstand muss eine hohe Abfindung zahlen.

von
erstellt am 02.Apr.2015 | 05:10 Uhr

Der umstrittene und gekündigte Waldorf-Mitarbeiter wird nicht an die Schule in der Nobiskrüger Allee in Rendsburg zurückkehren. Das hat eine Einigung vor dem Arbeitsgericht in Kiel gestern ergeben. Der Verwaltungsangestellte, der im Verdacht steht, Kontakte zur rechten Szene zu haben, hatte gegen seine fristlose Entlassung geklagt (wir berichteten). Er bestritt die Anschuldigungen vor Gericht und wollte seinen Job zurückhaben.

Die Waldorfschule muss jetzt tief in die Tasche greifen: 17  666 Euro (brutto) Abfindung gehen an den 61-Jährigen. Doppelt so viel, wie der Vorstand eigentlich zahlen wollte. Damit folgte die Schule der Empfehlung des Vorsitzenden Richters Udo von Alvensleben und kam dem Ex-Mitarbeiter etwas entgegen, der deutlich mehr Geld forderte.

Damit der Name des Verwaltungsmitarbeiters nicht weiter in Verbindung mit der rechten Szene gebracht wird, beharrte sein Anwalt außerdem auf einen Vermerk im Gerichtsprotokoll. „Die Vorwürfe werden nicht weiter aufrecht gehalten“, sollte darin stehen. Doch darauf wollte sich der Vorstand unter keinen Umständen einlassen. „Das lässt sich auf keinen Fall darstellen“, reagierte der Anwalt des Vorstands Martin Malcherek. Es gebe Beweise dafür, dass der 61-Jährige in Verbindung mit den als verfassungswidrig eingestuften Gruppen „Neu-Deutschland“, „Reichsbürger“ und dem „Deutschen Polizeihilfswerk“ (DPHW) gestanden habe. An Lehrerkollegen soll er Flugblätter verteilt haben, in denen es zum Beispiel hieß, man solle die Grenzen der Bundesrepublik nicht anerkennen. Weiter wurde der Mann beschuldigt, dem DPHW Räume in der Waldorfschule zur Verfügung gestellt zu haben und an einer skurrilen Krönungszeromonie der „Reichsbürger“ teilgenommen zu haben.

„Die Vorwürfe sind nicht aus der Luft gegriffen und haben hohe Welle geschlagen“, sagte Martin Malcherek. Nicht nur bei den Eltern und Lehrern der Waldorfschule. Das Magazin der „Spiegel“ hatte den Fall nach der LZ-Berichterstattung aufgegriffen und von einer bundesweiten Angst der Waldorfschulen vor einer Unterwanderung durch die „Reichsbürger“ berichtet.

Besonders mit Blick auf die besorgten Eltern dürfe jetzt auf keinen Fall der Eindruck entstehen, der Vorstand würde mit dem Mitarbeiter „gemeinsame Sachen machen“, sagte Malcherek. „Stimmen wir dem zu, sieht es so aus, als würden wir einen Rückzieher machen.“

Das musste auch Richter von Alvensleben einsehen und beendete die Verhandlung mit einem Kompromiss: Neben der Abfindung wird es einen Vermerk geben, dass zumindest der Name des umstrittenen Mannes bei Gesprächen über den Fall nicht genannt werden darf. Darauf konnten sich schließlich alle einigen. „Wir haben Gnade vor Recht ergehen lassen“, sagte Yvonne Fahrig vom Vorstand nach der Verhandlung.

Für den 61-Jährigen stand bei der Verhandlung alles auf dem Spiel. Das betonte er bereits am ersten Prozesstag im Januar. Denn eine neue Anstellung zu finden, sei in seinem Alter fast unmöglich. Ein berufsförderndes Zeugnis muss die Schule ihm trotzdem noch ausstellen, ordnete der Richter an.

 

 

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