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Rendsburg : Schule des Lebens auf den Bühnenbrettern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Neue Gesichter am Landestheater: Insgesamt 16 Schauspieler, die bisher an anderen Bühnen tätig waren, sind fest für das Ensemble engagiert worden. Dazu zählt auch Lisa Karlström.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Nicht nur der Name Karlström weist auf die schwedische Heimat hin. Auf Schweden würde man wohl auch tippen, steht man der jungen Schauspielerin, die jetzt mit ihrer Familie in Rendsburg Fuß gefasst hat, das erste Mal gegenüber. Am Landestheater wird sie in Hans Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ gleich in vier verschiedenen Rollen zu sehen sein. Das Stück, das am Sonntag in Rendsburg Premiere hat, ist eine Herausforderung an die Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin.

Erfahrungen in Charakterrollen hat Lisa Karlström schon lange, denn sie hat nicht nur Schulen durchlaufen, die gut und teuer sind, sondern an verschiedenen Theatern gespielt und auch als gefragte Darstellerin für das Fernsehen gearbeitet.

Im Alter von drei Jahren kam die in Gävle, nördlich von Stockholm, geborene Lisa mit ihren Eltern nach Deutschland, weil die „unverschämte“ Besteuerung seiner Zahnarztpraxis durch den schwedischen Staat ihren Vater aus dem Land trieb. Die Familie zog nach Baden-Württemberg. Dort, in der Nähe von Rastatt, steht die größte Freilichtbühne Deutschlands, die für solche Monumental-Stücke wie „Ben Hur“ glatt bis zu 500 Statisten aufmarschieren lässt. Unter ihnen war dann, nach dem sie sechs Jahre alt geworden war, auch Lisa Karlström.

Am Gymnasium in Rastatt, wo Lisa später das Abitur machen sollte, wurde ihr Talent weiter gefördert. Auch in Simi Valley, Kalifornien, wohin Lisa als Austauschschülerin kam, fand sie sich unter Lehrern und Schülern wieder, die ihre Leidenschaft für die Bühne teilten. Nach einem spannenden Jahr in Amerika kehrte Lisa zurück an ihre Schule in Rastatt. Auf dem Weg zum Abitur ließ sie sich immer wieder auf die eine oder andere Rolle bei TV-Serien ein. Die angehende Schauspielerin war schon gut im Geschäft. Aber sie begann zunächst ein Studium der Kunstgeschichte und der Literatur: „Ich glaube, das macht man, wenn man noch nicht weiß, was man mit seinem Leben anfangen soll“, meint sie entschuldigend. Aber schon kurze Zeit später wusste sie, wohin die Reise gehen soll – ans Theater.

Was ist so spannend an einem Theaterstudium? „Man lernt nicht nur für die Bühne, um Ersonnenes im Schauspiel mit Leben zu erfüllen, sondern auch für das eigene Leben, kompletter vielleicht als anderswo.“ Nach erfolgreichem Vorsprechen nahm sie, 21 Jahre alt, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt das Schauspiel-Studium auf. Dort erlernte man die Schauspiel-Kunst nach dem System der New Yorker Lee Strasberg-Schule, die Schauspieler wie Marilyn Monroe, Marlon Brando oder Paul Newman mitgeprägt hatte. „Da lernst du, dein Innerstes nach außen zu kehren, zum Beispiel, auf ein Signal die Tränen fließen zu lassen, Ausbrüche von Wut und Zorn, kurz, Gefühle zu spielen, als hätten sie dich wirklich erfasst. Es ist gut, wenn man es kann, aber für mich ist es nicht die Ultima Ratio unseres Berufes.“

Was aber ist es dann? Für Lisa ist es unter anderem die Fähigkeit, „sein eigenes Spiel direkt vom Partner aufzunehmen, das heißt, ganz nah an ihm dran zu sein und sich dabei von nichts ablenken zu lassen.“ Erprobt hat Lisa Karlström erworbenes Können zunächst am Theater Oldenburg, wo sie ihr erstes festes Engagement bekam. Dort lernte sie auch Wolfram Apprich kennen, der als Gast Regie führte. Apprich, später Schauspieldirektor am Schleswig-Holsteinischen Landestheater, gab den Ausschlag für ihren Entschluss, sich hier zu bewerben. Nun ist sie also in Rendsburg, mit Mann und Kind. An die Turbulenzen und Wechselbäder der Gefühle als Mitglied eines Theaters, das Sorgen hat, wird sie sich gewöhnen müssen. Was kann ihr dabei besser helfen, ihre seelische Balance zu bewahren, als Yoga? Den Beruf einer Yoga-Lehrerin hat sie aus Neigung erlernt und der nützlichen Erkenntnis, dass ein zweites berufliches Standbein nur gut sein kann.

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