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Guter Rat ist gefragt : Schuldner stehen mit 29,1 Millionen in der Kreide

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

830 Betroffene aus der Region benötigten Beratung der Diakonie,

von
erstellt am 19.Jan.2016 | 12:00 Uhr

Das neue Handy gibt es auf Raten, den Fernseher auch, und das Auto ist noch lange nicht abbezahlt. Doch plötzlich ist die Anstellung weg, kein festes Einkommen mehr, die Kreditraten können nicht bezahlt werden, die Mahnungen häufen sich. Mit solchen Fällen hat Ralf von Paris (64) von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Rendsburg-Eckernförde täglich zu tun. Im vergangenen Jahr waren es 830 Menschen aus Rendsburg und Umgebung, die bei ihm und seinen drei Kollegen in der Prinzenstraße Rat gesucht haben. Sie standen mit insgesamt 29,1 Millionen Euro in der Kreide.

Zu den häufigsten Gründen für eine Verschuldung gehören laut Ralf von Paris das Konsumverhalten, Arbeitslosigkeit sowie Scheidung und Trennung. Geht eine Beziehung zu Ende, wird oftmals Unterhalt gezahlt, eine neue Wohnung muss her. Der Weg ins Minus sei da häufig programmiert, so der Experte. Auch plötzliche Arbeitslosigkeit, zum Beispiel verursacht durch Unfälle oder Krankheit, sei in vielen Fällen Schuld an der finanziellen Misere.

Wer aber glaubt, dass die Mehrheit der Rendsburger Schuldner Hartz IV bezieht und ohnehin nie eine Ausbildung abgeschlossen hat, liegt falsch. „Die meisten haben eine Lehre beendet. Wir haben aber auch Akademiker hier“, so Ralf von Paris. Das Nettoeinkommen der Ratsuchenden liegt bei durchschnittlich 1500 Euro, die Schuldenhöhe pro Haushalt bei 35  000 Euro. Die Mehrzahl der Klienten ist weiblich, alleinstehend und mittleren Alters. Zunehmend nehmen auch Rentner die Beratung in Anspruch. „Altersarmut spielt immer mehr eine Rolle.“

Im vergangenen Jahr waren es bereits 119 Rentner, welche die Geschäftsstelle aufgesucht haben. Die meisten Klienten kommen aus eigenem Antrieb in die Prinzenstraße, nur in seltenen Fällen sind es Bekannte, Behörden oder Ämter, die vermitteln. „Es ist immer eine große Hürde. Den meisten ist ihre Situation sehr peinlich“, weiß der Berater.

Ralf von Paris bezeichnet sich selbst als „Urgestein der Schuldnerberatung in Rendsburg“. Seit 1989 hilft er den Bürgern, ihre Finanzen zu regeln. „Vor meiner Zeit gab es noch gar keine Beratung in der Stadt. Ich war der erste, der das angeboten hat und war zu Anfang Einzelkämpfer“, berichtet der studierte Sozialpädagoge. Die Arbeit findet er auch nach mehr als 20 Jahren noch spannend: „Ich liebe meinen Job. Ich kann Menschen in schwierigen Situationen helfen und sehe auch die Erfolge.“

In den vergangenen zehn Jahren hat die Nachfrage in der Beratungsstelle stark zugenommen. Machen die Rendsburger mehr Schulden oder nehmen sie einfach häufiger Hilfe in Anspruch? „Kredite sind heute viel leichter zu bekommen. Der Weg in die Schuldenfalle wird dadurch geebnet“, weiß Ralf von Paris und sieht auch eine Mitschuld bei den Banken. Heute könne man schließlich fast alles auf Pump kaufen: vom Computer bis hin zum neuen Paar Turnschuhe. Dieser Entwicklung blickt der 64-Jährige kritisch entgegen. Gerade junge Menschen würden so leicht in Versuchung kommen, Dinge zu kaufen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Sein wichtigster Rat lautet: Erst sparen, dann kaufen. Natürlich gebe es auch Dinge, bei denen eine Finanzierung nötig sei – ein neues Auto zum Beispiel. Aber auch dort lautet sein Tipp: Erst ein Drittel des Kaufpreises ansparen. Nach Möglichkeit sollte man außerdem nur einen einzigen Kredit aufnehmen. Alles andere wird schnell unübersichtlich, weiß von Paris.

In der Beratung versucht der 64-Jährige zunächst herauszufinden, wie es zu dem Schuldenberg gekommen ist. Dann wird gemeinsam nach Wegen gesucht, das Geld zurückzuzahlen. Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen gibt es ebenfalls.

Die Rendsburger Geschäftsstelle im Stadtteil Neuwerk gehört zu einer der 35 anerkannten Beratungsstellen in Schleswig-Holstein. Die Unterstützung ist für die Betroffenen kostenfrei, finanziert wird die Arbeit vom Kreis Rendsburg-Eckernförde, vom Land sowie vom Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein. „Das ist vorbildlich. Es gibt kein anderes Bundesland, in dem die Schuldnerberatung so unterstützt wird“, sagt Ulrich Kaminski, Fachbereichsleiter der Beratungsstelle.


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