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Lauenroth-Prozess : Schüsse im Rendsburger Finanzamt: Was ein Jahr danach bleibt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Erinnerungen an eine schockierende Tat. Das Urteil gegen Olaf Lauenroth ist noch immer nicht rechtskräftig.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2015 | 10:26 Uhr

Rendsburg | Die Kollegen von Wolfgang B. hörten einen „panischen Hilfeschrei“. Als sie in das Dienstzimmer ihres 57-jährigen Sachgebietsleiters eilten, lag der Beamte von mehreren Kugeln getroffen am Boden. Er erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Die grausame Tat im Rendsburger Finanzamt am 1. September 2014 sorgte für Entsetzen weit über die Stadt hinaus.

Der damals 55-Jährige Lauenroth soll den 57-jährigen Abteilungsleiter nach einem lautstarken Streit erschossen haben. Die Pistole hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bewusst mitgebracht. Der Angeklagte wurde noch mit der Waffe in der Hand im Büro des Opfers festgenommen.

Genau ein Jahr danach ist Olaf Lauenroth, der mutmaßliche Mörder von Wolfgang B., noch immer nicht rechtskräftig verurteilt. Zwar sitzt der ehemalige Steuerberater nach wie vor in einer Lübecker Haftanstalt. Der zum Zeitpunkt der Tat 55-jährige Fockbeker war am 7. April wegen heimtückischen Mordes schuldig gesprochen worden und muss lebenslang ins Gefängnis. Lauenroths Anwalt hat gegen das Urteil des Landgerichts Kiel vom 7. April jedoch Rechtsmittel (Revision) eingelegt. Jetzt befasst sich der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig mit dem Rendsburger Fall. Die Prüfung dauere an, hieß es gestern aus der Staatsanwaltschaft in Kiel.

Sollten die Bundesrichter in dem Schuldspruch und seiner Begründung Rechtsfehler feststellen, müsste das Verfahren neu aufgerollt werden. Beobachter halten eine solche Entscheidung mit Blick auf das Mordmerkmal der Heimtücke für durchaus möglich.

Im Kern geht es um die Frage, ob Lauenroth den Finanzbeamten, mit dem er schon länger im Streit lag, bewusst in die Falle lockte, um ihn mit Schüssen aus nächster Nähe niederzustrecken. Oder ob Lauenroth im Affekt zur Pistole griff. Die Kieler Richter hatten dem Fockbeker „absoluten Vernichtungswillen“ bescheinigt. Der Steuerberater habe noch auf sein Opfer geschossen, als es bereits am Boden lag. Lauenroth habe die Attacke bewusst geplant und dafür den Rahmen geschaffen. Er habe einen schutzlosen Menschen mit seinem Angriff überraschen wollen.

Lauenroth selbst hatte die Todesschüsse zwar gestanden, sich für die Minuten der Tat aber auf einen Blackout berufen. Der Hobby-Jäger will seine Waffe vom Typ Beretta 70 schlicht in seiner Hosentasche vergessen haben, ebenso mehrere Patronen in der Brusttasche.

Unterdessen meldete sich aus Anlass des Jahrestags Finanzministerin Monika Heinold zu Wort. Die Grünen-Politikerin hatte kurz nach den tödlichen Schüssen eine Arbeitsgruppe mit der Entwicklung eines umfassenden Sicherheitskonzepts für die Finanzämter beauftragt.

Am 14. September beginnen für Mitarbeiter Fortbildungen zum Thema „Eigensicherung am Arbeitsplatz“, teilte das Finanzministerium gestern mit. Im Mittelpunkt stehe der Umgang mit möglichen Gefahrensituationen am Arbeitsplatz. Zudem sollen sämtliche Arbeitsplätze mit einem Mitarbeiter-Alarmsystem ausgestattet werden.

Das Geld für die Software sei längst bewilligt. Wann sie angeschafft werde, stehe wegen der vorgeschriebenen Ausschreibungen noch nicht fest, sagte ein Sprecher gegenüber dpa. Das System solle „so schnell wie möglich“ realisiert werden.

Ministerin Heinold betonte: „Wir wissen, dass wir eine Tat wie in Rendsburg nie ganz ausschließen können. Mir ist aber wichtig, dass alles dafür getan wird, dass wir die Sicherheit unserer Beschäftigten verbessern.“

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