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Rendsburg : Schüsse im Finanzamt: Jetzt werden die Zeugen vernommen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Acht Tage, nachdem ein 57 Jahre alter Sachgebietsleiter in seinem Büro erschossen wurde, gehen die Ermittlungen weiter. Der Täter sitzt in Untersuchungshaft.

Seit gestern ist das Finanzamt wieder für die Öffentlichkeit geöffnet – acht Tage, nachdem ein 57 Jahre alter Sachgebietsleiter in seinem Büro erschossen wurde. Der Täter sitzt in Untersuchungshaft. „Jetzt werden die Zeugen vernommen“, erklärte Oberstaatsanwältin Birgit Heß gestern. In ersten Aussagen hieß es, dass es zu einem lautstarken Streit zwischen dem Opfer und dem mutmaßlichen Täter Olaf Lauenroth gekommen sein soll. Nun ist in Presseberichten die Rede davon, dass der Steuerberater aus Fockbek auf den Finanzbeamten in dessen Büro mehr als eine Stunde gewartet und dann direkt auf ihn geschossen habe. Von der Kieler Staatsanwaltschaft kommt dazu weder eine Bestätigung noch ein Dementi. „Zu den Ermittlungsergebnissen machen wir keine Angaben“, so Heß.

Die offiziellen Angaben zum Tathergang waren sehr knapp gewesen. Danach hatte der 55-Jährige aus Fockbek gegen 10 Uhr „den 57-jährigen Mitarbeiter des Finanzamtes in dessen Büro mit mehreren Schüssen verletzt.“ Das Opfer erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. In zahlreichen Traueranzeigen nahmen Familie, Kollegen und Bekannte jetzt von dem Steueroberamtsrat, der in Groß Vollstedt wohnte, Abschied.

Von einem „feigen Mord“ spricht die Deutsche Steuergewerkschaft, von einer „unfassbaren Gewalttat“ die Vorsteherin und der Personalrat des Rendsburger Finanzamtes. „Ein hohes Maß an Engagement und Verantwortungsbewusstsein für seine Mitarbeiter“, bescheinigen sie dem Opfer, sowie Geradlinigkeit, Sinn für Gerechtigkeit und ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Von der „warmherzigen, menschlichen Art“ spricht Finanzministerin Monika Heinhold in der Traueranzeige.

Umso unbegreiflicher bleibt das Motiv des Schützen. Der Haftbefehl wurde wegen Mordes erlassen. Mord wird laut Definition des Strafgesetzbuchs im Gegensatz zum Totschlag aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam begangen. Die Tatwaffe befand sich rechtmäßig im Besitz des Fockbekers, er war Jäger. Alle Jagdscheininhaber werden im Kreis Rendsburg-Eckernförde regelmäßig von der Waffenbehörde überprüft, auch der mutmaßliche Täter. Anhand der Aktenlage wird die sogenannte Zuverlässigkeit nachgewiesen. In persönlichen Augenschein nehmen die Mitarbeiter die Inhaber einer Waffenbesitzkarte allerdings eher selten. Verwendet jemand Waffen missbräuchlich, werden diese und die Waffenbesitzkarte eingezogen. Eine Verurteilung wird im Waffenregister eingetragen. Auch bei Alkoholdelikten oder Verurteilung wegen ausstehender Unterhaltszahlungen kann eine mangelnde Zuverlässigkeit vorliegen, die Erlaubnis zum Waffenbesitz entzogen werden. Was den Steuerberater zu seiner Tat trieb, wird in der Gerichtsverhandlung Thema sein, deren Termin noch nicht fest steht. Von der Staatsanwaltschaft wird das Verfahren beschleunigt behandelt.

Familie und Kollegen nehmen am Freitag in der St.-Martin-Kirche in Nortorf von dem erschossenen Finanzbeamten Abschied. Statt Kränzen wird um Spenden für die Opferhilfe des Weißen Rings gebeten. Das Finanzamt bleibt an diesem Tag geschlossen.

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