Hohenwestedt : Schüler zeichnete das letzte Porträt von Günter Grass

Das letzte Porträt: Das erste Druckexemplar  wurde der Witwe von Günter Grass nach der Trauerfeier in Lübeck überreicht.
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Das letzte Porträt: Das erste Druckexemplar wurde der Witwe von Günter Grass nach der Trauerfeier in Lübeck überreicht.

Nobelpreisträger gab beim Besuch in Hohenwestedt Tipps zur Verbesserung. 100 Exemplare wurden gedruckt.

shz.de von
28. Mai 2015, 17:00 Uhr

Das letzte Porträtbild von Günter Grass hat ein Neuntklässler der „Schule Hohe Geest“ (SHG) gezeichnet. Emil Anton Riemers Bleistiftzeichnung, die beim einzigen SHG-Besuch des Literatur-Nobelpreisträgers am 10. Juli 2014 entstand, ist nun in einer Auflage von 100 handsignierten und -nummerierten Exemplaren gedruckt worden. Wer das Grass-Porträt für 30 Euro erwerben möchte, findet auf der SHG-Homepage ein Bestellformular.

„Dass das letzte Porträt von Günter Grass hier in unserer Schule von einem unserer Schüler gemalt wurde – das ist schon etwas ganz Besonderes“, meint SHG-Schulleiter Hans Christian Behrendt. Dass das Hohenwestedter Gymnasium seine „jungen Talente fördert“, wie Behrendt hervorhebt – dafür ist die Entstehungsgeschichte des letzten Grass-Porträts ein eindrucksvolles Beispiel.

Im Kunstunterricht hatte Fachlehrer Helge Hanss seinen Schülern im Vorfeld des Grass-Besuchs ein Selbstporträt des Nobelpreisträgers vorgestellt: „Ich als Koch“, eine Ätzradierung von 1981. Seinen talentiertesten Kunstschüler – Emil Anton Riemer (16 Jahre), der hobbymäßig seit seinem sechsten Lebensjahr zeichnet und im Alter von zwölf Jahren sein erstes Bild verkaufte – ermunterte Hanss dazu, den produktiven Maler Grass bei dessen SHG-Besuch um einen Gefallen zu bitten: „Ich hab vorgeschlagen, dass Emil Herrn Grass selbst anspricht und fragt, ob Emil ein Porträt von ihm zeichnen dürfe.“ Der Schriftsteller, der in der SHG die Ausstellung „Der Wald im literarischen und künstlerischen Werk von Günter Grass und in Arbeiten aus Unterrichtsprojekten der Schule Hohe Geest“ inspizierte, willigte prompt ein und nahm sich knapp 20 Minuten Zeit für den jungen Porträtmaler. Grass lobte das in dieser kurzen Zeit entstandene Werk des 16-Jährigen, merkte aber auch an, dass „die Nase etwas knochiger und die Lippen etwas fülliger“ ausfallen könnten (wir berichteten). „Er hat gemeint, dass er auf meinem Bild relativ jung wirkt“, erzählt Riemer, der sogleich ein paar Korrekturen vornahm und auch Gelegenheit hatte, Grass das verbesserte Bild beim Linsensuppenessen, mit dem der Besuch seinen Abschluss fand, noch einmal vorzulegen. „Wir haben alle nicht gedacht, dass wir uns damals zum letzten Mal hier gesehen haben“, sagt SHG-Lehrer und Grass-Stiftungs-Beiratsmitglied Torsten Stellmacher, „noch im März habe ich mit Grass darüber gesprochen, dass er als Pate der SHG noch weitere Schulprojekte begleiten wollte.“ Aber dazu kam es nicht.

Als er vom Tod des Nobelpreisträgers erfuhr, nahm sich Riemer sein Grass-Porträt noch einmal vor und vollendete es auf meisterliche Weise. Das SHG-Kollegium war so begeistert von dem fertigen Werk, dass beschlossen wurde, die Porträtzeichnung zu reproduzieren. Das allererste Druckexemplar widmete Riemer der Witwe des Schriftstellers. „Ich habe Ute Grass dies Porträt nach der Trauerfeier in Lübeck überreicht, und sie war sehr beeindruckt“, berichtet Stellmacher, „Klaus Staeck und John Irving haben das Bild ebenfalls bewundert, und der Bundespräsident hat es auch gesehen.“ Seit der „Wald“-Ausstellung steht der Sekretär, an dem Grass seine „Hundejahre“ (1963) schrieb, in der SHG – und an genau diesem Sekretär hat Emil-Anton Riemer (Künstlername: „Emil Anton“) nun 100 Grass-Porträt-Drucke nummeriert und signiert. Wer ein Exemplar erwerben möchte, findet ein Bestellformular auf www.schule-hohe-geest.de. Der Erlös geht an den SHG-Förderverein, der die Einnahmen je zur Hälfte Projekten der Klimawaldschule sowie künstlerischen Talenten der SHG zukommen lassen will.

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