Fockbek : Schüler retten Seniorin

Starkes Team: Die Polizisten Mattes Eden (hinten links) und Stephan Andersen mit ihren zwei „Hilfs-Sheriffs“ Lasse Birth (links) und Till-Harm Raap.
Starkes Team: Die Polizisten Mattes Eden (hinten links) und Stephan Andersen mit ihren zwei „Hilfs-Sheriffs“ Lasse Birth (links) und Till-Harm Raap.

86-Jährige liegt bewusstlos im Graben – Lasse Birth und Till-Harm Raap organisieren Hilfe.

shz.de von
06. November 2018, 11:05 Uhr

Eigentlich möchten Lasse (11) und Till (10) nicht so gern über das reden, was am 17. Oktober auf dem kleinen Fockbeker Schleichweg passiert ist. „Vorbildlich“ nennt sie die Polizei, die beiden Freunde winken aber nur lässig ab – „muss ja nicht jeder wissen“, murmelt Lasse. Da bei haben die Fockbeker Jungs einer 86-Jährigen einen großen Dienst erwiesen, ihr vielleicht das Leben gerettet.

Die Fünftklässler waren an jenem Oktobernachmittag mit ihren Rädern in der Nähe des Tennisplatzes unterwegs, auf der Suche nach verirrten Tennisbällen. Auf dem Weg nach Hause radelten sie mit ihrer neongelben „Beute“ an der Seniorenwohnanlage „Am See“ vorbei in den Schleichweg hinter dem Supermarkt. Am Geländer der kleinen Brücke stand ein herrenloser Rollator. „Eine Frau lag im Graben“, erinnert sich Lasse. „Ich dachte zuerst, dass sie Beeren pflückt.“ Darum fuhren die Jungs zunächst weiter, doch: „Sie hat sich nicht bewegt, darum sind wir abgestiegen“, so Till. Angst hatten sie keine, betont er. „Aber du hast voll gezittert!“, zeigt Lasse auf seinen Freund. „Vor Aufregung“ – lautet dessen Erklärung. „Till hat sie gefragt, ob alles in Ordnung ist“, berichtet Lasse. Die Frau habe nicht reagiert. Ohne viel nachzudenken zückte Till sein Handy und wählte die 110. „Dann habe ich Lasse das Handy in die Hand gedrückt.“ Der schilderte den Beamten der Kieler Leitstelle die Lage.

Währenddessen rannte Till zum Altenheim, um Hilfe zu holen: „Sie konnte ja nur aus dem Heim kommen, weil es in der Nähe ist und sie alt war.“ Doch niemand war da und so kehrte er wieder um. Sein Freund Lasse hatte sich in der Zwischenzeit zum Supermarkt-Parkplatz begeben, um dort die alarmierten Polizisten Stephan Andersen und Mattes Eden zu empfangen. „Er war toll“, sagt Polizeihauptmeister Andersen, „Lasse hat auf sich aufmerksam gemacht und uns den Weg gewiesen.“ Kollege Eden ergänzt: “Sein Verhalten war vorbildlich. Man muss bedenken, dass der Supermarktparkplatz voller Menschen war.“ Besonders lobten die Beamten, dass einer der Schüler bei der älteren Dame geblieben war.

Diese war inzwischen wieder bei Bewusstsein. „Sie hat nicht viel gesprochen, nur um Hilfe gerufen“, so Till. Der Notarzt kümmerte sich schließlich um die Pflegeheim-Bewohnerin. Diese sei – bis auf Abschürfungen an den Händen – unversehrt, berichtet Heimleiterin Birte Westphal. „Die Ärzte haben nichts festgestellt und so musste sie nicht ins Krankenhaus.“ Vermutlich habe die Seniorin während eines Spaziergangs die Orientierung verloren. Möglicherweise hatten Kreislaufprobleme zum Sturz geführt. Stephan Andersen lobt die geistesgegenwärtige Reaktion der Schüler: „Das ist keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in dem Alter.“ Die Aufregung können Lasse und Till nicht verstehen. Sie sind sicher: Beim nächsten Mal würden sie es wieder so machen.

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