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Landeszeitung

19. November 2017 | 00:35 Uhr

Musical : Schüler erfinden Shakespeare neu

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Romea und Julius“ – Musical-Company des Helene-Lange-Gymnasiums begeistert mit einem Bühnen-Klassiker und aktuellen Bezügen.

Wie groß ist eigentlich ein Dream-Team? Besteht es aus drei, sechs oder 120 Mitgliedern? Alles richtig – wenn damit die Musical-Company des Helene-Lange-Gymnasiums und ihre vollständige Eigenproduktion „Romea und Julius“ gemeint sind. Ohne Michael Osbahr (Text), Andreas Jung (Chor und Musik, mit Achim Prigge) und Achim Prigge (Regie) könnte das restliche Dream-Team mit Friederike Siegel (Choreographie), Marthe Schauer (Orchesterleitung) und Heide Glienicke (Unterstufenchor) nicht das tun, was das Premierenpublikum im Festsaal der Freien Waldorfschule nach drei Stunden zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Ein Abend, gefüllt mit intelligentem und bewegendem Inhalt. Immer wieder mit Humor gewürzt und aktuellen Bezügen. Eine Ausnahmeleistung, über die der sichtlich gerührte Michael Osbahr zum Schluss schwärmte: „Ich bin stolz, Lehrer von Schülern zu sein, die so etwas hinkriegen.“

Angesichts der Ausdruckskraft und der Identifikation aller Akteure mit dem Stück bestätigte sich erneut der herausragende Ruf der Musical-Company. Von ihm profitiert nicht nur die „Hela“, sondern ganz Rendsburg. Beruhigend, dass Michael Osbahr spontan verkündete: „Ich habe mich gerade entschlossen, weiter zu schreiben!“ Auch Andreas Jung will dabei bleiben. Für ihn bedeutete die Premiere jedoch den Abschied vom Selber-Dirigieren. Seine Nachfolgerin Marthe Schauer setzte deutliche Zeichen, ebenso wie in der Choreografie die in diesem Bereich ebenfalls neue Friederike Siegel. Der Generationswechsel ist gelungen.

Selten kann man eine Musik-Theater-Premiere erleben, bei der lebende Dichter und Komponisten anwesend sind. Bewundernswert Michael Osbahrs Wissen und Kunst, sich vom Shakespeare-Klassiker Romeo und Julia inspirieren zu lassen und ihn mit der Gegenwart zu verknüpfen. In Zeiten der (noch) kleinen Völkerwanderung verliebt sich das syrische Mädchen Romea in Julius. Schule, Schüler, Beziehungen, erste Liebe: Alles Themen aus dem Alltag der Schüler, die Michael Osbahr intelligent einbaute. Von der Fantasie der jungen Akteure beflügelt, wurden sie begeisternd und nachfühlbar gespielt.

Auch Widrigkeiten beim Zusammentreffen verschiedener Kulturen mit ihren teils unverständlichen Verhaltensweisen kamen auf die Bühne. Und Probleme eines nach Recht und Gesetz entscheidenden Verwaltungsbeamten (Jakob Menges) mit seinem Sohn: Julius (Max Reimers) ist in Romea (Johanne Jensen) verliebt – und Julius‘ Vater hat den Asylantrag von Romeas Familie abgelehnt. Osbahr entwickelte eine eher ernste Geschichte, die mit einfühlsamen Melodien, teils fetzigen Rap-Rhythmen und immer treffenden Texten aufgelockert wurde. Das war großes, zeitgemäßes Musiktheater mit Hit-Potenzial. In Erinnerung bleiben auch ergreifende, heitere, sogar karikaturenhaft übertrieben gezeichnete Szenen, teils in originalem Shakespeare-Ton und mit hintergründigem Humor, den man allerdings auch falsch verstehen könnte. Eine Riesenanstrengung für alle Beteiligten: für die Schauspieler, die Unter-, Mittel- und Oberstufenchöre (herausragend und alles auswendig singend), die fantasievoll gekleidete „Inmotion“-Tanzgruppe, das Orchester, die Tontechnik sowie das Bewirtungsteam mit vielen weiteren Beteiligten. Ein Lehrstück in Sachen Persönlichkeitsbildung, das die Erwartungen an ein Gymnasium weit übertrifft.

>Weitere Vorstellungen am morgigen 16. Mai sowie am Donnerstag, 18. Mai, und Freitag, 19. Mai, alle um 19 Uhr im Festsaal der Freien Waldorfschule, Nobiskrüger Allee 75-77. Es gibt nur noch Restkarten, sie sind im „Musikmarkt“ in der Altstadtpassage erhältlich.

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