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Jevenstedt : Schüler arbeiten hart im Wilden Moor

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zehn Kinder und Jugendliche der Heinrich-Heine-Schule stellen sich in den Dienst des Naturschutzes – und lernen gleichzeitig fürs Leben.

Schwerstarbeit im Wilden Moor zwischen Jevenstedt, Osterrönfeld und Emkendorf: Was nach schweißtreibendem Holzeinschlag aussah, war tatsächlich eine Förderung begabter Schüler der besonderen Art. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Arne Schülldorf halfen zehn Mädchen und Jungen der Büdelsdorfer Heinrich-Heine-Schule am Sonnabend, das Moor von Birken zu befreien. Sie nehmen am „Enrichment“-Projekt teil, das ihnen über den regulären Unterricht hinaus zusätzliches Wissen und neue Erfahrungen beschert.

Dabei half auch Dr. Kuno Brehm vom Unabhängigen Kuratorium Landschaft Schleswig-Holstein. Seit 1974 setzt er sich für die Landschaftspflege des Wilden Moores ein. Er begleitete die zehn Nachwuchsforscher auf der Tour ins Moor zum „Entkusseln“. Denn neben vielen anderen Pflanzen sprießen auf den Naturschutzflächen auch Birken. Sie entziehen dem Boden Wasser und erschweren die Wiedervernässung. „Etwa zehn Prozent des jährlichen Kohlendioxid-Ausstoßes stammen in Schleswig-Holstein aus trocknenden Mooren. Diesen Wert können wir durch Renaturierung deutlich verringern und den Artenreichtum vergrößern“, begründete Brehm seinen unermüdlichen Einsatz. Er erklärte den Schülern: „Hier wurde das Moor trocken gelegt und damit eine 5000 Jahre dauernde Entwicklung abgebrochen. Manche Vogelarten sind einfach verschwunden. Damit sich die Natur wieder erholen kann, soll das Wasser vom Himmel hier im Moor bleiben. Das erfordert eine lange Entwicklungszeit. Sie dauert mindestens noch 100 Jahre.“ Staunen bei den Schülern. So lange Zeiträume können sie sich kaum vorstellen, spüren schon nach einer halben Stunde Zuhören draußen, wie die Kühle eines windigen Winters sie ergriffen hat. „Vögel übernachten hier, Stockenten, Reiherenten und teils bis zu 600 Zwergschwäne, die sich tagsüber auf abgeernteten Maisfeldern durchfressen“, so Brehm. Auf dem Weg zur Entkusselungsfläche erläuterte er das Reptilien-Winterquartier: Große Erdhaufen, innen mit Baumstämmen, Röhren und groben Steinen gefüllt, bieten Platz für Schlangen und Eidechsen. Im Winter garantiert frostfrei und trocken, mit einer Öffnung nach Süden. „Eine Heimstatt für Kreuzotter, Ringelnatter und die seltene Schlingnatter.“ Stolz ist er auf das in Europa nördlichste Vorkommen der Art.

„Ursprünglich war das Moor 1200 Hektar groß, heute pflegt das Kuratorium etwa 200 Hektar, um weitere 150 Hektar würden wir die Renaturierungs-Fläche gerne vergrößern. Für Angebote sind wir offen.“ So aufgeklärt, erleben die Enrichment-Kinder das Moor durch kräftezehrende Schwerstarbeit auf historische Weise. Nach kurzem Holzfäller-Sicherheitslehrgang wird der Anhänger bepackt mit frisch gefällten Birkenstämmen für den Kamin zuhause. Klimaneutrale Heizung, die die Atmosphäre nicht zusätzlich belastet. Und nützlich für das Moor, dem die Bäume keine Feuchtigkeit mehr entziehen können.

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