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BGP-Hausverwaltung : Schrottwohnungen in Rendsburg: Erster Mieter will klagen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Rentner aus Mastbrook geht gegen die kräftige Preiserhöhung durch die BGP-Hausverwaltung vor.

Rendsburg | Stellt Horst-Jürgen Kuberna das Fenster im Wohnzimmer auf Kipp, achtet er stets darauf, dass es ihm nicht entgegen fällt. Die Beschläge sitzen locker im Rahmen, an einigen Stellen haben sich die Dichtungen gelöst. Prasselt Regen von der verstopften Dachrinne auf den Fenstersims, „regnet es rein“, erzählt Kuberna. Mehrfach hat der 63-jährige Mieter die BGP-Hausverwaltung auf die Schäden in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in der Kolberger Straße im Rendsburger Stadtteil Mastbrook hingewiesen. Passiert ist nichts. Auch andere Mängel wurden nicht behoben, obwohl sie dem Hausmeister angezeigt wurden. Unter anderem streiken der Heißwasserboiler und die Heizung in der Küche.

Es ist nicht das erste Mal, dass die BGP-Hausverwaltung aus München in der Kritik steht. Erst am Mittwoch berichtete der sh:z über einen Mieter, der in seiner Rendsburger Wohnung mit Wassereinbrüchen, Schimmel und Heizungsausfällen zu kämpfen hat. Dennoch sollen die Mieten steigen.

Dichtung locker: Horst-Jürgen Kuberna zeigt einen der Mängel in seiner Wohnung.
Dichtung locker: Horst-Jürgen Kuberna zeigt einen der Mängel in seiner Wohnung. Foto: Frank Höfer
 

Dafür flatterte neulich eine saftige Mieterhöhung ins Haus. 47 Euro zusätzlich soll der Rentner ab August zahlen, 293,97 Euro. Der Quadratmeterpreis seiner Wohnung läge nach dem Anstieg bei etwa zehn Euro – ein Tarif, der sogar in vielen Gegenden von Kiel kaum erreicht wird. Jetzt hat Kuberna genug. Er geht gegen die Erhöhung an. „Das geht gegen meinen Gerechtigkeitssinn. Denen ist egal, was mit den Mietern und ihren Wohnungen passiert“, sagt der gelernte Offset-Drucker, der nach langer Arbeitslosigkeit seit März von einer kargen Rente und Wohngeld lebt. „Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden.“

Hintergrund: 15-Prozent-Mietanstieg bei der BGP

Der angekündigte 15-Prozent-Mietanstieg durch die BGP trifft finanzschwache Haushalte hart. Kritisch kann er für Bezieher von Hartz IV, Sozialhilfe und Grundsicherung werden. Denn der Staat übernimmt die „Kosten der Unterkunft“ nur, wenn diese angemessen sind. Es gelten Höchstgrenzen.

Bei einer Wohnung, die bis zu 50 Quadratmeter groß sein darf und von einer Person genutzt wird, liegt das Mietlimit für Rendsburg bei 331 Euro. Bei Personen unter 25 Jahren reduzieren sich die Richtwerte um 20 Prozent. Sie umfassen die Bruttokaltmiete, gemeint ist die Grundmiete zuzüglich der Betriebskosten ohne Heizung. 

Im Rathaus sind BGP-Mieter bereits vorstellig geworden. „Liegt die neue Miete über den geltenden Höchstgrenzen, die der Kreis vorgibt, dann weisen wir darauf hin“, sagt Andrea Loose, kommissarische Fachbereichsleiterin Bürgerdienste. Im Einzelfall warne man davor, der Mieterhöhung zuzustimmen. Eine generelle Empfehlung, Widerstand zu leisten, könne man nicht geben, da man es mit Privatrecht zu tun habe. Im Kreishaus ist man – von Ausnahmen abgesehen – an die Mietobergrenzen gebunden. „Wenn der Richtwert überschritten wird, werden die Betroffenen aufgefordert, die Kosten zu senken oder sich um günstigeren Wohnraum zu bemühen“, so Uwe Radant, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Soziales. Der Rausschmiss drohe aber letztlich keinem. Wer trotz der zu hohen Kosten nicht umziehen kann oder möchte, muss die Differenz zum staatlichen Zuschuss aus eigener Tasche zahlen.

 

Der Rendsburger hat eine Anwältin eingeschaltet. Beide haben einen Drei-Stufen-Plan festgelegt. Erster Schritt: Horst-Jürgen Kuberna stimmt der geplanten Mieterhöhung auf keinen Fall zu. Ohne seine schriftliche Einwilligung wird sie nicht wirksam. Der kampfbereite Rentner hat alle Mängel in seiner Wohnung aufgeschrieben. Diese Liste wird die Anwältin des 63-Jährigen demnächst an die Hausverwaltung schicken. „Ich werde die BGP auffordern, die Mängel innerhalb eines Monats zu beheben. Falls nicht, reiche ich Klage ein.“

Zweiter Schritt: Kuberna wird zum Detektiv. Da es in Rendsburg keinen Mietspiegel gibt, nennt die BGP als Basis für den Anstieg drei Referenzwohnungen, bei denen die Miete höher liegt. „Ich soll nachsehen, ob die Mieter, die in dem Schreiben genannt werden, auch tatsächlich auf den Klingelschildern vermerkt sind“, sagt Kuberna.

Die Landeszeitung hat das bereits überprüft. Ergebnis: Bei zwei Wohnungen, die ebenfalls in der Kolberger Straße liegen, stimmen die Namen vor Ort mit den Angaben von BGP tatsächlich überein. Bei der dritten Vergleichswohnung nicht. Sie befindet sich in der Liegnitzer Straße. Der Nachname, den die BGP-Hausverwaltung nennt, ist an den Klingeln und Briefkästen nicht zu finden.

Eine dritte Hausaufgabe wird Kuberna zügig in Angriff nehmen: Er sucht sich eine neue Wohnung. Eine, die nicht zum BGP-Bestand gehört. Denn der 63-Jährige rechnet nicht wirklich mit einem guten Ende. „Wenn ich nicht unterschreibe, schmeißen die mich hier raus.“

Die BGP-Hausverwaltung reagierte auf eine schriftliche Anfrage am Mittwoch nicht.

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erstellt am 15.Jun.2017 | 10:44 Uhr

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