Hohn : „Schorfi“ belebt das Fischottergehege

Neugierig erkundet das Otterweibchen Lilly das Gehege nahe des Hohner Sees.
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Neugierig erkundet das Otterweibchen Lilly das Gehege nahe des Hohner Sees.

Nach Tod von Weibchen „Lilly“ erhält Männchen „Anton“ eine neue Dame an seine Seite. Beide Tiere werden täglich öffentlich gefüttert.

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15. Januar 2017, 13:40 Uhr

Endlich muss „Anton“ nicht mehr allein plantschen. Nachdem die Partnerin des Fischottermännchens vor einem Jahr verstorben war, musste er seine Tage im Gehege des Hohner Natur- und Umweltschutzzentrums (NUZ) ohne Gesellschaft fristen. Inzwischen ist es mit der Einsamkeit jedoch vorbei. Mit „Schorfi“ zog eine neue Otterdame ein, die nun offiziell vorgestellt wurde.

Das Jahr 2016 begann traurig für Fischotter „Anton“. Seine langjährige Partnerin „Lilly“ litt an Nierensteinen und hatte zudem Nierenkrebs. Sie sei so krank gewesen, dass man beschloss, „Lilly“ nicht mehr aufwachen zu lassen, berichtete Tierarzt Peter Stechmann, der die beiden Fischotter von Anfang an gesundheitlich betreute. Einen Ersatz für die Verstorbene zu finden, stellte sich allerdings als gar nicht so leicht heraus. Die Aufgabe habe man sich erheblich einfacher vorgestellt, doch Fischotter stehen unter Artenschutz und seien nur begrenzt auf dem „Markt“ vorhanden, erläuterte Hohns Bürgermeister Jürgen Kuhrt. „Es musste außerdem ein weiblicher Otter in einem bestimmten Alter sein, damit sich die beiden Tiere auch vertragen würden.“

Einige Monate verstrichen und sämtliche Versuche, ein Otterweibchen zu erwerben, scheiterten. Am 10. Oktober jedoch brach Jürgen Kuhrt mit einer kleinen Abordnung der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Geheges zum Otter-Zentrum nach Hankensbüttel in Niedersachsen auf. Die dortigen Verhandlungen fruchteten, und nur zehn Tage später konnte mit „Schorfi“ eine neue Partnerin für „Anton“ abgeholt werden. Sie sei zwar eine Leihgabe des Otter-Zentrums, aber er gehe davon aus, dass „Schorfi“ für immer hier bleiben könne, erzählte Jürgen Kuhrt. Ihren Namen verdankt die Otterdame übrigens ihrer Herkunft, der Schorfheide.

Da es nicht sicher war, dass sich die beiden Tiere von Anfang an gut verstehen würden, verbrachte „Schorfi“ ihre ersten sechs Wochen in Hohn in einem separaten Gehege, aus dem sie „Anton“ nur durch einen Maschendrahtzaun beobachten konnte. Die Eingewöhnungszeit sei erfolgreich gewesen. Seit etwa vier Wochen seien die Tiere nun zusammen und vertrügen sich gut, betonte Jürgen Kuhrt. Nachwuchs dürfe man jedoch erwarten, da „Schorfi“ kastriert sei, fügte Peter Stechmann hinzu.

Wer die beiden Fischotter einmal in Natura erleben möchte, hat täglich Gelegenheit dazu. Immer um 16 Uhr findet im Gehege die Fütterung mit frischem Fisch statt. Ein Team aus zwölf Mitarbeitern wechselt sich dabei ab. „Die Fütterungen sind immer sehr beliebt und wir haben einen guten Besucherzulauf. Alle arbeiten übrigens ehrenamtlich“, hob Jürgen Kuhrt hervor. Auch die Instandhaltung des Geheges läuft ausschließlich über Spenden. Der Fisch, mit dem die Otter gefüttert werden, wird hauptsächlich von Angelvereinen aus der Region gesponsert. Möchten größere Gruppen der Fütterung beiwohnen, sollten sie sich bei Klaus Harbs, Tel. 0  43  35  /  5  42, anmelden. Auch wer das Team unterstützen möchten, kann sich an Harbs wenden.

Das Ottergehege in der Nähe des Hohner Sees wurde von 2005 bis 2007 aufgebaut. Sämtliche Planungen erbrachten die Mitarbeiter des Natur- und Umweltschutzzentrums vor Ort. Über das Otter-Zentrum in Hankensbüttel wurde mit „Anton“ der erste Otter vermittelt. 2007 bekam er, als Geschenk der Heinz-Sielmann-Stiftung, das Weibchen „Lilly“. Abgesehen von den täglichen Fütterungen ist in den vergangenen Jahren im NUZ, das mit der Aufgabe gegründet wurde, Naturschutz- und Umweltbildungsarbeit zu leisten, nicht viel geschehen. Nachdem der letzte hauptamtliche Leiter die Einrichtung vor rund siebeneinhalb Jahren verlassen hatte, wurde es still im Alten Bahnhof. Im Oktober 2013 zog der Förderverein Hohner Dorfmuseum in das Gebäude ein, um dort seine Ausstellungen zu präsentieren. „Das NUZ läuft auf Sparflamme. Entweder man macht so etwas zu 100 Prozent oder gar nicht. Doch ohne richtiges Fachpersonal ist dieser Anspruch einfach zu hoch“, sagte Jürgen Kuhrt.

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