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Landeszeitung

18. November 2017 | 14:59 Uhr

Schöne Schuhe wollen gepflegt sein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Heiko Butenschön aus Hohenwestedt ist Schuhmachermeister / Billigschuhe machen ihm das Leben schwer

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2015 | 12:34 Uhr

Viele Handwerksberufe sind in den vergangenen Jahren ausgestorben oder sind vom Aussterben bedroht. Einige Meister ihres Fachs setzen aber nach wie vor auf Handarbeit. In einer Serie stellt die Landeszeitung diese von ihrem Beruf begeisterten Experten vor.

Oft sind es die Schuhe, die einem Outfit den letzten Schliff verleihen. Ob Winterstiefel oder Sommersandalen, ob hoch oder flach – Schuhe sind nicht nur äußerst praktisch, sondern oftmals vor allem schön. Dafür, dass das so bleibt, sorgt Heiko Butenschön. Der Schuhmachermeister hat seit über 20 Jahren eine kleine Werkstatt mitten in Hohenwestedt.

Während Butenschön in seiner Ausbildung gelernt hat, „wie man Schuhe von A bis Z herstellt“, gehört heute vor allem die Reparatur der Treter zu seinem Hauptgeschäft. „Ich repariere durchgelaufene Sohlen und abgebrochene Absätze und nehme Klebe- und Näharbeiten an den Schuhen vor“, erzählt der 50-Jährige. Es habe sich aber in den vergangenen Jahren vieles verändert. „Heute kaufen die Leute oft billige Plastikschuhe, die weggeschmissen werden, wenn sie Fehler haben. Von Schuhreparaturen allein könnte ich heute nicht mehr leben.“ Zusätzliche Standbeine sind seit einigen Jahren ein Schlüsseldienst sowie Autoschilder, die Butenschön prägt. „Ich arbeite mit der örtlichen Zulassungsstelle sowie den Autohäusern hier in Hohenwestedt zusammen“, erzählt er. Schuhe sind und bleiben aber sein Hauptgeschäft.

Besonders viel Freude bereitet dem Graueler, wenn ihm ein Kunde ein schönes Paar Lederschuhe zur Reparatur oder Instandsetzung überlässt. Oft bekomme er schicke und ausgefallene Schuhe: „Die Mode verändert sich ja.“ Das Preis-Leistungs-Verhältnis habe sich aber deutlich verschlechtert – ganz unabhängig von Modetrends. „Mir ist es wichtig, ehrlich zu meinen Kunden zu sein. Ich möchte ja, dass sie wiederkommen. Wenn es sich nicht rechnet, ein Paar zu reparieren, sage ich das.“ Vor allem die Lieblingsschuhe seien es aber den meisten immer wert, wieder in Form gebracht zu werden. „Die gibt es oft nicht mehr und deshalb lässt man sie wieder heil machen, egal für welchen Preis“, weiß Butenschön. Das bestätigt auch ein Kunde, der in den kleinen Laden kommt und von seinen Lieblingsschuhen erzählt. „Sie sind schon sehr alt. Aber wenn ich sie anziehe – mit denen kann ich nach Rom laufen“, strahlt der ältere Herr. Das kann allerdings nicht jeder von sich behaupten. Butenschöns Schätzung nach trägt fast jeder Zweite falsche Schuhe. Dadurch entwickle sich wiederum ein falsches Gangbild, das Beschwerden an Knien, Hüfte und am Rücken verursachen kann. Menschen mit X- oder O-Beinen können die Fehlstellung unter Umständen ebenfalls mit Schuhen ausgleichen. „Entweder trägt man Einlagen oder gleicht den Innen- beziehungsweise Außenrand der Schuhe aus“, so Butenschön. Wenn das nicht hilft, werden orthopädische Schuhe angefertigt. Optimalerweise soll das Schuhwerk wie eine zweite Haut am Fuß sitzen. Das erreicht man mit handgefertigten Schuhen. Hierfür werden zunächst die Füße vermessen und ein Probeschuh angefertigt. Erst wenn dieser perfekt am Fuß sitzt, wird der eigentliche Schuh hergestellt. Wer sich ein solches Paar leisten möchte, muss tief in die Tasche greifen: Werden die Schuhe geklebt, kosten sie ab etwa 1500 Euro. handgenähte Exemplare liegen bei etwa 2500 Euro. „Ich habe schon einige Schuhe für Kunden gefertigt und die Gerätschaften dafür auch immer noch da“, so der gebürtige Rendsburger. Zwischen drei und vier Tagen würde die Arbeit an einem Paar Schuhe dauern.

Butenschön selbst hat drei Paar Budapester für sich hergestellt. „Die trage ich besonders gern, weil sie zeitlos, vielseitig tragbar und immer schön sind. Budapester sind einfach elegante Schuhe.“ So überrascht es nicht, dass auch sein Meisterwerk ein paar Schuhe ist, das nach der ungarischen Hauptstadt benannt ist. Gelernt hat Butenschön ursprünglich einmal ein anderes Handwerk: „Ich bin gelernter Zimmermann, hatte aber einen Arbeitsunfall und habe danach zum Schuhmacher umgeschult.“ Nach einem Praktikum ist er bei diesem alten Beruf hängengeblieben. 1987 ist er mit seinem Gesellenstück sogar Landessieger in einem Leistungswettbewerb geworden. „Bundesweit bin ich damit unter den Top 10 gelandet.“

Die meisten Arbeiten kann Heiko Butenschön ohne moderne Technik verrichten. Seine alte Adler-Nähmaschine etwa wird noch mit dem Fuß betrieben. „So kann ich genauer nähen. Wenn ich einem Kunden aus Versehen Löcher in die Schuhe mache, die da nicht hingehören, ist er zu Recht verärgert“, erklärt er, warum er an der alten Maschine festhält. 15 Jahre möchte er sein Geschäft auf jeden Fall noch betreiben. Einen Nachfolger zu finden, könnte schwierig werden. „Leider ist die Schuhmacherei ein aussterbender Beruf. das möchte heute niemand mehr machen.“

> Weitere Informationen finden sich im Internet: www.heiko-butenschoen.de.

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