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Ungewöhnliches Hobby : Schnelle Zwillinge aus Krummwisch

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Schwestern Jennifer und Patrizia Grosser mischen mit 16 Jahren die Speedway-Szene auf. Sie bestreiten Wettkämpfe im gesamten Bundesgebiet.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Wer bremst, verliert – unter diesem Motto gehen die 16-jährigen Zwillingsschwestern Jennifer und Patrizia Grosser an den Start. Speedway nennt sich ihr Hobby. Schon mit sieben Jahren saßen die beiden Mädchen aus Krummwisch auf dem Motorrad – ohne Bremsen und mit gut 70 Kilometern pro Stunde unterwegs.

„Speedway ist ein Hochleistungsrennsport“, erklärt Patrizia. Ein Sprintrennen auf einer bis zu 400 Meter langen, ovalen Rennstrecke auf sandigem Boden. Vier bis sechs Rennfahrer starten gleichzeitig auf der Bahn. Doch wie sind die Schwestern zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen? „Schuld war unser Opa Wolfgang. Er hat uns damals mit auf den Dithmarschenring in Albersdorf genommen und uns aufs Motorrad gesetzt“, erzählt Jennifer. „Wir haben dann eine Proberunde gedreht und waren total begeistert“, so die Zwillinge.

„Heute habe ich schon manchmal ein mulmiges Gefühl, wenn die beiden mit rund 90 Kilometern pro Stunde ihre Runden drehen und sich in die Kurven legen“, erzählt ihr Vater Karsten Grosser. Doch Jennifer und Patrizia sind sehr erfolgreiche Speedwayrennfahrerinnen. Dafür trainieren sie hart und fahren in der Liga für Sportler unter 21 Jahren. „Mein größter Erfolg war der zweite Platz bei den Deutschen Meisterschaften 2008 und 2009“, erklärt Jennifer stolz. Für Patrizia war die Teilnahme an der Europameisterschaft in den Niederlanden ihr bisher höchster Triumph. Sie fahren der männlichen Konkurrenz davon, denn Speedway ist eher eine Männersportart. „Dafür ist es umso cooler, wenn wir die Jungs hinter uns lassen und die dann blöd gucken“, freuen sich die zweieiigen Zwillinge. „Nach einem Rennen haben sie sogar gar nicht mehr mit uns geredet“, erinnert sich Patrizia.

Obwohl alle auf der Strecke Konkurrenten sind, ist die Atmosphäre familiär. „Das Ganze ist wie ein großer Zirkus – eine große Familie, die sich Woche für Woche auf und neben der Rennbahn versammelt“, freut sich Mutter Alice.

Für die Rennen trainieren ihre Töchter zurzeit nur jedes zweite Wochenende auf der Rennstrecke in Brokstedt im Kreis Steinburg, da sich die Schwestern kurz vor den Abschlussprüfungen befinden. Patrizia will nach ihrer Schullaufbahn Erzieherin werden. Eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester möchte Jennifer im Sommer beginnen.

Die Zwillingsschwestern sind unzertrennlich. Sie gehen in die gleiche Klasse und teilen die selben Interessen. Aber geht es um den Sieg auf dem Speedway-Kurs, schenken sie sich nichts. Dann entfacht ein regelrechter Konkurrenzkampf. „Wenn sie vor mir ist, will ich sie einholen. Und gelingt das nicht, bin ich danach schon enttäuscht“, so Patrizia. „Aber so sind Schwestern halt“, ergänzt Jennifer.

Für Wettkämpfe fahren die Zwillinge durch ganz Deutschland. Die weitesten Reisen gingen nach Bayern und ins Saarland. Dafür haben sie den einen oder anderen Tag auch schon einmal schulfrei bekommen. „Aber wir passen auf, dass die Schule nicht darunter leidet“, sagt Patrizia. Denn alleine vom Speedway können sie nicht leben, der Sport ist in Deutschland nicht populär genug. „Außerdem ist es ein sehr teures Hobby“, erzählt der langjährige Trainer und Sponsor Rudi Sander. Jeweils zwei Motorräder im Wert von 4500 bis 6000 Euro besitzen die Grosser-Zwillinge. Dazu kommen Kosten für Ausrüstung und Lizenzen. Das Schrauben an den Speedwaymaschinen übernimmt die Familie selbst.

Ganz ungefährlich ist das Hobby der Grosser-Schwestern nicht. „Ich habe mir einmal meinen kleinen Finger gebrochen“, berichtet Patrizia. Ansonsten sind beide, bis auf ein paar blaue Flecken und Prellungen, vom Verletzungspech verschont geblieben. Geschützt werden sie durch einen feuersicheren Anzug aus Kevlar, Protektoren, Handschuhe, einem Nackenschutz sowie den Helm.

Eines ihrer Hobbys, das Fitnessstudio, haben die beiden nicht ohne Grund. Die Maschinen wiegen bis zu 80 Kilogramm. „Es ist sehr anstrengend die Motorräder in den Kurven zu halten. Das geht sehr auf die Arme“, berichten die Speedwayexpertinnen.

Was ist besonders an dieser Sportart? „Es ist der Adrenalinkick – der Start, das Driften in den Kurven“, sind sich Jennifer und Patrizia einig. Und wie sieht es mit den künftigen Zielen aus? „Bei der deutschen Meisterschaft der U21 möchte ich unter den ersten drei landen“, wünscht sich die ehrgeizige Jennifer. Spaß haben, erfolgreich sein und gesund bleiben, steht bei Schwester Patrizia im Vordergrund.

In Aktion kann man „die schnellsten Mädels aus Krummwisch“ am 1. Mai beim Speedwayrennen in Brokstedt erleben.

 

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