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Gebührenerhöhung : Schmutzwasser schlägt hohe Wellen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Abwasserzweckverband Wirtschaftsraum Rendsburg erhöht seine Gebühren um fast 40 Prozent. Einige Kunden fühlen sich verschaukelt. Jevenstedts Amtsdirektor nennt höhere Kosten als Grund.

Einige Kunden fühlen sich gehörig verschaukelt: In einem Schreiben vom 16. Januar informierte der Abwasserzweckverband (AZV) Wirtschaftsraum Rendsburg über eine Erhöhung der Schmutzwassergebühren. Und die hat es in sich: Der Preis pro Kubikmeter Wasser steigt auf 3,05 Euro – und damit um fast 40 Prozent. Die Begründungen dafür kann nicht nur der Fockbeker Dr. Michael Bergmann nicht verstehen, der sich bei der Landeszeitung meldete: „Man hat das Gefühl, dass man über den Tisch gezogen wird.“ Ein anderer Leser, der anonym bleiben möchte, vermutet sogar Fehlinvestitionen als Grund für den gebührentechnischen Quantensprung.

In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heißt es, dass seit 2010 beim AZV „finanzielle Unterdeckungen“ eingetreten sind, die nicht an die Kunden weitergegeben wurden. Diese könne der Verband nun „nicht länger vor sich herschieben“. Dietmar Böhmke, Direktor des im AZV geschäftsführenden Amtes Jevenstedt, erklärt, dass mit der aktuellen Erhöhung die Kunden nur das zahlen, was sie in den Jahren zuvor gespart haben. Laut Nachtrag zur Beitrags- und Gebührensatzung hob der AZV die Gebühren per 1. Januar 2012 allerdings bereits um fast zwölf Prozent an. Dies sei zur Deckung der normal anfallenden Kosten geschehen, sagt Böhmke. Die Gebührenerhöhung wurde vorerst für drei Jahre – also bis Ende 2016 – beschlossen. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass dadurch „die Unterdeckungen aus den Jahren 2011 und 2012“ ausgeglichen werden sollen. Jevenstedts Amtsdirektor spricht in diesem Zusammenhang von „formulierten Unschärfen“. Im Anschluss soll die Höhe der Gebühr „jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst“ werden. Allerdings räumt Böhmke ein: „Wir können derzeit nicht versprechen, ob und wie wir wieder senken können.“

Hauptgrund für die Anhebung der Gebühren seien vor allem steigende Ausgaben für notwendige Aufwendungen und für die Unterhaltung des Abwassernetzes. Im Durchschnitt nahm der AZV von 2009 bis 2012 rund 653 000 Euro pro Jahr allein für Investitionen in die Hand, unter anderem für die Erschließung eines Neubaugebietes in Schülldorf. Zusätzliche Kosten entstehen durch die gesetzlich vorgeschriebene Dichtigkeitsprüfung des rund 132 Kilometer langen Kanalnetzes und durch Reparaturen an den teilweise arg in die Jahre gekommenen Leitungen.

Die erst bei der aktuellen Kalkulation, die nach einer Umstellung erstmals nach der Doppik-Methode erfolgte, ermittelten finanziellen Unterdeckungen für 2011 liegen bei 539 000 Euro, 2012 waren es 469 000 Euro. „Aus den Investitionen ergeben sich die Abschreibungen und Verzinsungen, die durch Gebühren zu decken sind. Es sind erhöhte Vermögenswerte ermittelt worden. In Verbindung mit den Abschreibungswerten ergeben sich dadurch höhere zu deckende Beträge, was sich dann auf die Gebühren auswirkt.“ Für die Buchführung bedient sich der AZV externer fachlicher Hilfe, an der Korrektheit der Berechnungen hat der Jevenstedter Amtsdirektor keine Zweifel.

Ein weiteres Argument für die Erhöhung der Gebühren sorgt für Kopfschütteln bei den Betroffenen. Am Ende des Info-Schreibens, das an die rund 7400 AZV-Kunden ging, spricht Verbandsvorsteher Otto Schneider den Verbrauch an. Pro Kopf sei der zwar gesunken, der Gesamtverbrauch hingegen konstant geblieben. Daher, so die Schlussfolgerung, komme es zu „ständig steigenden Gebührensätzen“. Eine Erklärung, die sich nicht jedem sofort erschließt. Doch Böhmke bessert nach: „Mehr Einwohner bedeuten auch mehr Hausanschlüsse, die erstellt und unterhalten werden müssen, und erzeugen eine höhere Belastung des Netzes. Daraus ergibt sich eine Steigerung bei den Unterhaltungskosten.“

Böhmke betont: „Die Verbandsversammlung hat sich den Beschluss zur Erhöhung wahrlich nicht leicht gemacht.“ Persönlich könne er den Unmut der Kunden über eine fast 40-prozentige Erhöhung verstehen, von der Rechtmäßigkeit und Richtigkeit der Entscheidung ist er jedoch überzeugt und hofft, dass sich die Schmutzwasser-Wogen bald wieder glätten.

 

 

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erstellt am 05.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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