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Landeszeitung

23. August 2017 | 18:21 Uhr

Owschlag : Schlüssel zur Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Was der Missbrauch von Kindern für die Betroffenen bedeutet, vermag man sich kaum vorzustellen. Susanne Jensen, die vom Kleinstkindalter an vom ihrem Vater missbraucht worden ist, versucht genau das deutlich zu machen.

Susanne Jensen ist eine Pastorin, die aus der Rolle fällt. Die Theologin ist kahl rasiert und ihre Arme sind bedeckt mit Tätowierungen. Mit ihrem Aussehen will die Seelsorgerin provozieren. Sie gestaltet ihren Körper, um auf ihre Geschichte aufmerksam zu machen. Denn die 50-Jährige aus Owschlag ist vom Kleinstkindalter an von ihrem Vater sexuell missbraucht worden. Den Kopf hat sie sich zum Beispiel kahl geschoren, weil ihr Peiniger ihr damals immer an den Haaren zog.

„Lange Zeit kam ich nicht an meine Gefühle heran, lebte quasi wie ein Roboter, immer darauf bedacht, dass niemand merkt, dass ich eine Missbrauchsüberlebende bin.“ Doch Susanne Jensen wollte nicht, dass jeder Tag überschattet bleibt durch die Gewalt, die sie erleben musste. Um ihre Verletzungen aufzuarbeiten, schreibt sie Texte, gestaltet Kunstwerke und bricht ihr Schweigen.

Am Sonnabend, 20. September, um 20 Uhr, veranstaltet Susanne Jensen einen Abend in der Erlöserkirche in Owschlag. Unterstützt wird sie von dem Musiker Mathias Werner sowie von den Künstlern und Freunden Eckard Stahl, Nina Thiel, Martin Sader und Dag Tenter. Der Titel lautet: „Zorn – Schlüssel zur Freiheit“. Für viele Betroffene von schwerem Kindesmissbrauch sei es nämlich extrem schwierig, mit Zorn und Aggressionen umzugehen, da sowohl die Traumatisierung als auch Scham- und Schuldgefühle lähmend wirkten.

„Auch mich überschwemmten Aggressionen, wenn ich mich an meine Kinderhölle erinnerte. Da ich nicht zum Täter an anderen werden wollte, habe ich mich selbst verletzt.“ Erst als sie Ventile für ihren Zorn gefunden habe, sei es besser geworden. „Kunst und Glaube haben mir das Leben gerettet.“ In ihren Gedichten und Skulpturen macht Susanne Jensen deutlich, was ihr widerfahren ist. „Der Abend geht unter die Haut“, kündigt die Pastorin an. Das Leid der Betroffenen werde spürbar. Und das sei eher eine Ausnahme. „Denn immer noch ist sexualisierte Gewalt ein Randthema in unserer Gesellschaft und wird abgeblockt.“

Mathias Werner, der eigens für diese Veranstaltung Musik komponiert hat, bezeichnet die Kunst der Pastorin als „verstörend ehrlich, erschlagend direkt und authentisch.“ Es sei nicht leicht, sich auf ihre Werke einzulassen. „Und es ist auch nicht schön.“ Doch am Ende werde den Zuschauern vermittelt, „dass diese Missbrauchsüberlebende ihr Leben erhobenen Hauptes bewältigt.“

Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten. Der Erlös geht an „Wagemut“, die Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen.

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erstellt am 16.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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