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Sprachkurse : Schlüssel zu einem neuen Leben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein fremdes Land, eine fremde Kultur – ohne die Landessprache bleibt man ausgeschlossen. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde fördert mit 25 000 Euro Sprachkurse für Flüchtlinge und Asylsuchende. Der Unterricht findet in der Volkshochschule Rendsburg statt.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Als sich Mahin zum Christentum bekehrte, beging sie nach den Gesetzen ihres Heimatlandes ein Verbrechen. Im Iran und anderen streng islamischen Ländern wie Saudi-Arabien müssen Muslime, die ihren Glauben aufgeben, von Rechts wegen mit brutaler staatlicher Verfolgung bis hin zum Tod rechnen. Die 34-Jährige und ihr Ehemann Yucef (41), die ihre richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, flüchteten vor der Verfolgung aus ihrer Heimat. Und so landete das Paar vor drei Monaten mit dem fünfjährigen Sohn in Rendsburg.

Seit Januar drücken die ehemalige Physiklehrerin und der Ingenieur wieder die Schulbank. Von Montag bis Freitag büffeln die Fachkräfte täglich vier Stunden lang in einem Klassenraum der Rendsburger Volkshochschule Deutsch-Vokabeln. Denn die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, vor allem auch in den Arbeitsmarkt. Finanziell gefördert wird der dreimonatige Sprachkurs, der mit einem Zertifikat endet und in Rendsburg und Eckernförde für jeweils 20 Flüchtlinge und Asylsuchende angeboten wird, mit 25 000 Euro, die der Kreis Rendsburg-Eckernförde bereit gestellt hat.

„Die Entscheidung für diese Hilfe ist einstimmig und parteiübergreifend gefallen“, freut sich Ulrich Kaminski, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Die Sozialdemokraten im Kreishaus hatten die Initiative für die Sprachkurse gegeben. Es sei nämlich ein riesiges Problem, dass Flüchtlinge, die (noch) keine Aufenthaltserlaubnis besitzen oder nur „geduldet“ werden, nach dem deutschen Zuwanderungsgesetz keinen Anspruch auf Sprachunterricht haben. Und aus eigener Tasche kann kaum ein Asylbewerber die Kosten für einen Deutschkurs aufbringen.

„Diese Menschen darf man nicht allein lassen“, begründet Kaminski das Engagement der Kreispolitiker. Es handele sich bei den Männern und Frauen um keine Wirtschaftsflüchtlinge, sondern um politisch Verfolgte oder Mitbürger, die vor Krieg und Elend ihr Land verlassen mussten. Oft warten sie jahrelang auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. Sie wollen in dieser Zeit Deutsch lernen, dürfen jedoch nicht. „Es ist aber wichtig, dass diese Mitbürger schnell Hilfe erhalten und eine Chance bekommen, sich zu integrieren und hier Arbeit zu finden.“

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Schleswig-Holstein kommen, nimmt rapide zu. Im Jahr 2013 wurden 3904 neue Asylbewerber aufgenommen. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 71,5 Prozent. Rainer Nordmann, Leiter der Volkshochschule Rendsburg, bestätigt den Anstieg. „Die Sprechstunden für Deutsch als Zweitsprache sind immer rappelvoll.“ Der Bedarf ist viel höher als das Angebot. Die Wartelisten auf einen Platz im Sprachunterricht sind lang. „Die Schicksale der Menschen bewegen uns sehr.“ Der VHS-Leiter fordert, dass der Bund die Finanzierung der Sprachförderung für Migranten auch bei einem ungeklärten Aufenthaltsstatus übernehmen sollte. So sei man auf Spenden angewiesen. „Durch die Zuwendung des Kreises können wir wenigstens einigen Menschen helfen.“ Das sei zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Aber ich bin glücklich über jeden Tropfen.“

Auch Mahin und Yucef sind froh, dass sie einen Platz in dem begehrten Deutschkurs und damit eine Zukunftschance erhalten haben. Ihre Mitschüler stammen aus Afghanistan, dem Irak und aus Syrien – wie zum Beispiel Fatima. Die 30-Jährige ist allein nach Deutschland gekommen. Ihr Mann kämpft weiter im blutigen Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Fatima hat Angst um ihren Mann. Tränen steigen der Frau in die Augen. Dennoch konzentriert sie sich auf den deutschen Satz, den die Lehrerin Marion Mergenthaler mit Kreide an die Tafel schreibt. „Trinkst du Kaffee?“ Der Sprachunterricht bietet ein Stück Normalität.

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