Finanzkrise in Griechenland : „Schlimmer geht es nicht mehr“

Diskussion zwischen Vater und Sohn beim Kaffeetrinken: Vasilios Kapetanos (links) und Alexandros Kapetanos im Restaurant „Dionysos“ in der Flensburger Straße.
Diskussion zwischen Vater und Sohn beim Kaffeetrinken: Vasilios Kapetanos (links) und Alexandros Kapetanos im Restaurant „Dionysos“ in der Flensburger Straße.

Wie sehen Griechen in Rendsburg die Lage in ihrem Heimatland? Zwei Gastronomen über die Euro-Krise und den Rücktritt des Finanzministers.

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07. Juli 2015, 11:32 Uhr

Während sich ganz Deutschland vom gestrigen Rücktritt des griechischen Finanzministers, Yanis Varoufakis, überrascht zeigt, bleiben die in Rendsburg lebenden Griechen völlig gelassen. „Wir haben mit so etwas schon gerechnet. Das war geplant – alles Strategie“, meint Alexandros Kapetanos (28), Inhaber des Restaurants „Dionysos“ in der Flensburger Straße. Sein Vater, Vasilios Kapetanos (66), nickt zustimmend. Die Lage in ihrem Heimatland ist bei den beiden Gastronomen oft Thema, schließlich lebt ein Teil der Familie noch dort. Beim Kaffee diskutieren die Männer über die Politik von Griechenlands Regierungschef, Alexis Tsipras, und kritisieren die ihrer Meinung nach übertriebene Darstellung in einigen Medien.

Mit seinen zwei älteren Schwestern, die beide in Griechenland geblieben sind, tauscht sich Alexandros Kapetanos regelmäßig aus. Eine ist Steuerfachangestellte, die andere in der Modebranche. Ihr Lohn ist stabil, ihnen geht es den Umständen entsprechend gut, berichtet der jüngere Bruder, der als einziger von drei Geschwistern in Deutschland lebt. „Meine Schwestern stehen nicht täglich vor dem Geldautomaten und hoffen darauf, dass das Limit von 60 Euro ausgezahlt wird“, erzählt Alexandros Kapetanos. In den Medien werde mit Bildern von langen Warteschlangen vor den Banken ein „übertrieben dramatisches Bild“ dargestellt, meint der 28-Jährige und schreibt eine Rechnung auf ein Blatt Papier: 60 Euro täglich, gesehen auf 30 Tage – das macht 1800 Euro Bargeld pro Monat. „Welcher Grieche hat schon so viel Geld, das er abheben kann?“ Runterspielen will der junge Restaurantchef die Situation in seinem Heimatland aber nicht. „Ein Mindestlohn von 580 Euro und weniger als 200 Euro im Monat für Rentner – das ist das wirkliche Drama“, so die Meinung des gebürtigen Griechen.

Nach Deutschland zu kommen, sei für die Verwandten kein Thema. „Sie haben sich in Griechenland eine Existenz aufgebaut, das gibt man nicht so schnell auf. Meine eine Schwester hat gerade ein Kind bekommen“, erzählt Alexandros Kapetanos. Sorgen macht sich der 66-jährige Vater um seine Töchter nicht. „Sie haben sich das Leben dort ausgesucht. Ich habe Vertrauen, dass die Situation wieder besser wird.“

Die Finanzkrise sorgt nicht nur zwischen Vater und Sohn für täglichen Gesprächsstoff. Von den Restaurantgästen im „Dionysos“ werden die beiden häufig auf die Lage in ihrem Heimatland angesprochen. Die Gäste wollen wissen, wie es den Menschen vor Ort wirklich geht. Sie wollen wissen, was die Griechen wirklich denken. „Ich sage den Leuten dann immer: Die Situation ist sehr schwierig. Aber der Grieche ist stark und lacht immer. Er wird auch das durchstehen“, so Alexandros Kapetanos. Auf die Frage, ob er selbst für oder gegen die Spar- und Reformvorschläge beim Referendum am vergangenen Sonntag gestimmt hätte, wird er den Restaurantbesuchern aber keine Antwort geben. Auch sein Vater will sich dazu nicht äußern. Dafür sei man als Griechen, die in Deutschland leben, einfach zu weit von der Heimat entfernt. Klar ist für sie jetzt nur: „Schlimmer geht es nicht mehr. Die Beteiligten müssen sich alle zusammen an den Tisch setzen und eine vernünftige Lösung finden.“

Vasilios Kapetanos ist 1972 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. 1981 hat er sich den Traum vom eigenen Restaurant in Rendsburg erfüllt. Vor vier Jahren hat sein Sohn den Betrieb übernommen.

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