Wirtschaftswachstum : Schleswig-Holstein fällt im Ländervergleich zurück

Standortranking kritisiert schwaches Wachstum im Land und das Fehlen hochqualifizierter Jobs.

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08. September 2012, 10:12 Uhr

Berlin/Kiel | Wegen schwachen Wirtschaftswachstums und wenig öffentlicher Investitionen verliert der Standort Schleswig-Holstein an Boden. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bundesländer-Ranking hervor, das das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jedes Jahr errechnet. Demnach fällt Schleswig-Holstein in der Rangliste von Platz sechs auf sieben zurück. Damit liegt das Land jetzt hinter Niedersachsen, aber noch knapp vor Nordrhein-Westfalen. Selbst das verdankt es allerdings vor allem dem prosperierenden Nachbarn Hamburg auf Platz drei: "Ohne den Speckgürtel rund um die Hansestadt stünde Schleswig-Holstein wesentlich weiter hinten", sagt IW-Forscher Marc Feist. "Das Land bewegt sich im Schlepptau der Boom town Hamburg".
Anhand von rund 100 ökonomischen und sozialen Kriterien hat das IW die Standortstärke der Länder gemessen. Immerhin profitiert Schleswig-Holstein von der überdurchschnittlichen Kaufkraft seiner Bürger. Mit einer Summe von 20 200 Euro kommen sie auf Platz fünf. Auch bei der Steuerkraft je Einwohner hat das Land in den letzten drei Jahren zugelegt. Positiv wirkt sich im Ranking zudem aus, dass die Arbeitskosten im Norden im selben Zeitraum deutlich weniger als im Bundesschnitt gestiegen sind - nur um 2,8 statt 5,1 Prozent. Auch den relativ geringen Anteil öffentlich Beschäftigter werten die IW-Forscher als Standortvorteil.
Geringe Industriequote
All das könne aber die Strukturprobleme des Landes nicht ausgleichen. Um gerade mal 0,3 Prozent stieg die Wirtschaftsleistung in den letzten drei Jahren auf nicht mal 26.000 Euro pro Kopf. Bundesweit wuchs sie dagegen um 1,3 Prozent auf gut 31.000 Euro pro Einwohner. "Schleswig-Holsteins Schwäche resultiert aus einer geringen Industriequote - sie erreicht nur das Niveau des strukturschwachen Brandenburg", konstatiert das IW. Nur weil Hamburg mit der höchsten Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung aller Länder von fast 53.000 Euro Wohlstand exportiere, gehe es dem nördlichen Nachbarn noch recht gut.
Doch das Vertrauen auf die Elbmetropole reiche langfristig nicht. "Auf die Antriebskräfte von Hamburg sollte Schleswig-Holstein nicht allein bauen", rät das IW. Gleiches gelte für den klassischen Schwerpunkt Tourismus: "Hier ist in Mecklenburg-Vorpommern starke Konkurrenz erwachsen." Vielmehr müsse Schleswig-Holstein die Zahl anspruchsvoller Jobs deutlich erhöhen. So ist das Land mit einer Hochqualifizierten-Rate von 6,8 Prozent am Arbeitsmarkt Schlusslicht. Auch bei der Beschäftigung von Ingenieuren und der Anmeldung von Patenten landet das Land weit hinten auf dem viertletzten Platz. Und selbst bei den Ausbildungsplätzen hapert es: Das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage ist das drittschlechteste in Deutschland.

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