Kreis Rendsburg-Eckernförde : Schlechte Zeiten für Schleiereulen

Engagierter Eulen-Experte: Dirk-Peter Meckel mit einem Uhu, der 2012 in Aukrug ausgewildert wurde, aber nur wenige Wochen überlebte.
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Engagierter Eulen-Experte: Dirk-Peter Meckel mit einem Uhu, der 2012 in Aukrug ausgewildert wurde, aber nur wenige Wochen überlebte.

Gefährdete Eulenarten finden im Kreis Rendsburg-Eckernförde immer schlechtere Bedingungen vor. Bruten auf Negativrekord-Niveau.

shz.de von
21. Januar 2015, 19:16 Uhr

2014 war erneut ein katastrophales Jahr für die gefährdeten Eulenarten im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Schleiereulen blieben mit sechs Brutpaaren und 14 Jungvögeln auf dem Minusrekord-Niveau des Vorjahres. Bei den Steinkäuzen halbierten sich die Bruten von 20 auf zehn (mit 33 ausgeflogenen Jungkäuzen). Raufußkäuze und Sperlingskäuze wurden überhaupt nicht nachgewiesen. Einziger Lichtblick sind 35 Uhu-Brutpaare, die aber mit 51 Jung-Uhus weniger Nachwuchs großzogen.

Das offene, kurzrasige Dauergrünland der Westküste, das die Eulen zur Jagd auf Wühlmäuse brauchen, gibt es in vielen Bereichen der Geest kaum noch. „Vor allem rund um Rendsburg, Nortorf und Hohenwestedt finden die Eulen wegen des vermehrten Grünlandumbruchs und Maisanbaus ganz schlechte Bedingungen vor“, sagt Dirk-Peter Meckel vom Landesverband Eulen-Schutz. Kein Wunder also, dass die Eulenbestände im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den vergangenen Jahren zusammengebrochen sind.

Zwei Schleiereulen-Brutpaare wurden in Lütjenwestedt und je eins in Beringstedt, Arpsdorf, Krogaspe und Groß Buchwald erfasst. 14 Jungeulen sind zwar eine mehr als 2013, aber nach wie vor eine katastrophale Bilanz, verglichen mit den Zahlen von 2009 (151 kleine Schleiereulen), 2008 (204) oder 2007 (286). „Die in den letzten Jahren durch verschiedene bestandsmindernde Faktoren wie zum Beispiel Schneewinter und andere Witterungsunbilden oder Dauergrünlandverlust mit parallel verlaufender Erhöhung des Raps- und Maisanbaus stark geschwächte Brutpopulation blieb weiterhin auf einem äußerst niedrigen Niveau“, schreibt Meckel im „Jahresbericht Artenschutzprogramm Schleiereule 2014“: Solange eine „reich gegliederte, vielseitige Kulturlandschaft mit extensiv genutzten Dauergrünlandflächen in Ackerland umgewandelt wird“, sei eine „populationstragende Bestandsgröße“ an Schleiereulen nur schwer zu gewährleisten.

Bestandsschwankungen habe es bei der Schleiereule zwar immer gegeben. „Leider fallen aber die Erholungsphasen immer magerer aus, so dass sich über einen längeren Zeitraum betrachtet bereits jetzt negative Tendenzen abzeichnen.“ Die sind auch beim Steinkauz zu verzeichnen. Der Rückgang im Kreis Rendsburg-Eckernförde fällt drastischer aus als auf Landesebene. 2014 wurden halb so viele Brutpaare nachgewiesen wie 2013: drei in Bendorf-Oersdorf, zwei in Bornholt, zwei in Hamdorf und je eines in Haale, Thaden und Lütjenwestedt. 33 Jungkäuze wurden registriert, also deutlich weniger als 2013 (51), 2012 (67) und 2011 (68). „Wo wir früher sehr gute Bestände hatten, haben wir jetzt kaum Nachweise mehr, und das ist echt bitter“, so Meckel mit Blick auf einstige Steinkauz-Hochburgen wie Breiholz, Hohn, Fockbek und Alt Duvenstedt. Zum Teil sei das auf die bekannten Faktoren zurückzuführen, aber: „Warum es zu diesem drastischen Rückgang gekommen ist, wissen wir nicht.“

Auch bei den Uhus gibt es weniger Jungvögel als in den Vorjahren. Im Kreis brüten 35 der landesweit 133 Uhu-Paare. Vier Paare blieben 2014 ohne Nachwuchs, die übrigen 31 zogen insgesamt 51 Jung-Uhus groß. Die schlechte Jungvögel-Bilanz führt Meckel zum großen Teil auf die Stürme zurück, die Ende 2013 viele Uhu-Brutbäume fällten. Die Aufräumarbeiten hätten zu „massiven Störungen“ in der Balz- und Brutphase des Uhus geführt, so Meckel. Für 2015 macht sich der Eulen-Experte keine großen Hoffnungen auf eine Erholung der Bestände, denn der Jahreswechsel brachte eulenfeindliches Wetter: „Bei Wind und Regen verschlechtert sich die Beutewahrnehmung, und bei Dauerregen werden die Mäusegänge unterspült, so dass die Mäuse fliehen oder ersaufen.“

Auf das gesamte Land gesehen war 2014 jedoch ein gutes Jahr. Vor allem der Nachwuchs der Schleiereulen hat sich auf 449 mehr als verdoppelt (2013: 202).

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