Diskussion : Schlagabtausch um „Neue Heimat“

Voller Bürgersaal: Bürgermeister Pierre Gilgenast (links) begrüßte rund 300 Menschen im Kulturzentrum „Hohes Arsenal“ in Rendsburg.
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Voller Bürgersaal: Bürgermeister Pierre Gilgenast (links) begrüßte rund 300 Menschen im Kulturzentrum „Hohes Arsenal“ in Rendsburg.

Großes Interesse an Informationsveranstaltung der Stadt zum Bürgerentscheid / Unterstützer des Seniorenheims in der Überzahl

shz.de von
25. Januar 2018, 10:09 Uhr

Die „Neue Heimat“ bewegt Rendsburg. Das steht spätestens seit der Informationsveranstaltung der Stadt gestern Abend im Kulturzentrum fest. Rund 300 Menschen strömten in den Bürgersaal. Darunter viele Beschäftigte, Bewohner und Unterstützer des kommunalen Seniorenheims, das nach dem Willen der Politik teilprivatisiert werden soll. Die Gegner des Ratsbeschlusses waren zumindest akustisch in der Überzahl. Drei Mitarbeiter wollen die Kooperation mit der „Brücke“ durch den Bürgerentscheid am 11.  Februar verhindern.

Zweieinhalb Wochen vor dem Urnengang hatten die Widersacher der Partnerschaft mit der „Brücke“ sowohl auf der Bühne als auch im Publikum den größten Redeanteil. Oder sie nahmen ihn sich einfach frech, weil ungebeten, wie eine Verdi-Vertreterin. Das Ungleichgewicht lag auch an der ungeschickten Auswahl der Akteure auf dem Podium. Während die Initiatoren des Bürgerentscheids in Person von Susanne Reitel frei nach Schnauze und ohne Zeitbegrenzung argumentieren konnten, blieb die Gegenseite, die Position der Politik, lange Zeit anonym und formell. Die Argumente und Fakten wurden genau so verlesen, wie sie auf der Homepage der Stadt zu finden sind oder mit den Wahlunterlagen verschickt wurden.

Erst nach 90 Minuten trat Thomas Krabbes vor das Publikum. Seine Fraktion treibt das Bündnis mit der „Brücke“ voran. Der Ratsherr sollte auf Frage eines Vertreters der Linksjugend antworten. Was denn passiere, wollte Maximilian Reimers wissen, wenn die Pflege nur noch privatwirtschaftlich organisiert werde. Es gebe hervorragende ambulante Pflege, nahm Krabbes Stellung. „Wir alle wollen, dass die ,Neue Heimat‘ am Markt bleibt und aus der Verlustlage kommt. Niemand will sie zerschlagen.“ Es sei nicht die Entscheidung der Ratsversammlung gewesen, den Bereich der Pflege dem Wettbewerb auszusetzen.“ Auch „Brücke“-Vorstand Klaus Magesching kam erst auf Nachfrage aus dem Publikum zu Wort. Die Zeit der kommunalen Altenpflegeeinrichtungen sei vorbei, führte er aus. „Selbst das Kreiskrankenhaus hat es nicht geschafft, die Seniorenheime in die schwarzen Zahlen zu führen.“

Eine ausdrucksstarke Rede legte zuvor Susanne Reitel hin. Die „Neue Heimat“ habe sich seit ihrer Gründung vor 110 Jahren stets der Verantwortung gestellt, den Schwächsten der Gesellschaft ein Zuhause zu geben. Die Stadt habe einen gesellschaftlichen Auftrag, Vorsorge zu leisten, und zwar „ein Leben lang“. Lauter Applaus, viele Sympathisanten des Bürgerbegehrens erhoben sich sogar von ihren Plätzen. Dann warb die Initiatorin für das Eigenkonzept, das den schrittweisen Umbau und die Erweiterung des Seniorenheims für 9,5 Millionen Euro unter alleiniger Regie der Stadt Rendsburg vorsieht. „Lassen Sie die ,Neue Heimat‘ das Flaggschiff der Stadt werden. Die alte Dame hat es verdient, und wir Bürger auch.“ Zu Wort meldete sich auch Norbert Schmelter, Ex-Geschäftsführer der PflegeLebensNah. Er vermied es, Partei zu ergreifen, sondern hob den Wert der Pflege an sich hervor. Sie koste Geld und dürfe nicht vollständig dem Wettbewerb ausgesetzt werden.

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