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Polizeieinsatz in Rendsburg : Schläge im Rathaus: "Bullentempel"-Debatte wird absurd

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Familienmitglied eines potentiellen Gaststätten-Betreibers schlägt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes. Der Senat vertagt darauf die Personalentscheidung.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2014 | 05:43 Uhr

Rendsburg | Die Diskussion um die Zukunft der Gaststätte in der Nordmarkhalle treibt immer groteskere Blüten. Jetzt kommt sogar die Polizei ins Spiel. Sie wurde am Donnerstag zu einem Einsatz im Rathaus gerufen. Dort hatte gegen Mittag ein älterer Mann aus Rendsburg einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes eine Ohrfeige verpasst. Der Gastronom wollte Auflagen der Behörde gegen sein Lokal nicht hinnehmen. Die Mitarbeiterin trug eine „einfache Körperverletzung“ davon, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Eine Kollegin der Frau löste Alarm aus, andere eilten zur Hilfe. Wenig später erschien die Polizei im Rathaus und führte den Angreifer ab.

Nach Informationen der Landeszeitung handelt es sich beim mutmaßlichen Täter um ein Mitglied jener Familie, die um die Bewirtschaftung der Kneipe im Bullentempel kandidiert. Gegen den Mann wurde Strafanzeige erstattet, er darf das Rathaus nicht mehr betreten. Der Vorfall ereignete sich wenige Stunden vor jener Senatssitzung, in der unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bewerbungen entschieden werden sollte. Zu einer Abstimmung kam es nicht. Sie wurde auf den kommenden Donnerstag vertagt. Wie die Landeszeitung aus Kreisen der Teilnehmer erfuhr, stand die Sitzung unter dem Eindruck des Vorfalls im Rathaus. Demnach soll Familie des Angreifers für die Stadtverwaltung als Geschäftspartner nicht mehr in Frage kommen und schied in erster Linie deshalb aus dem Kreis der Bullentempel-Bewerber aus.

Nach Auskunft des Senatsvorsitzenden Helge Hinz (SPD) habe die Verwaltung dem Gremium nur einen aussichtsreichen Bewerber vorgestellt. Dessen Pläne hätten den Senat jedoch noch nicht zufrieden gestellt. „Das Konzept, das uns von der Verwaltung vorgelegt wurde, war uns nicht konkret genug“, so Hinz. Die Verwaltung sei daraufhin gebeten worden, die Angaben bis zur nächsten Sitzung des Senats am 20. November genauer zu fassen.

Bürgermeister Pierre Gilgenast sagte auf LZ-Anfrage, dass von den anfangs drei Kandidaten nur noch einer von der Verwaltung favorisiert werde und dem Senat empfohlen wurde. „Eine Bewerbung war so, dass man gesagt hat, auf dieser Grundlage könnte man weiter arbeiten.“ Den Zwischenfall im Rathaus erwähnte Gilgenast nicht. Darüber hinaus wurde die Verwaltung durch den Senat aufgefordert, nach weiteren möglichen Interessenten Ausschau zu halten, die eine Schankwirtschaft in Rendsburgs traditionsreichster Konzert- und Veranstaltungshalle betreiben möchten. Dabei, so Pierre Gilgenast, werde man in den nächsten Tagen nochmals auch auf jene Personen zugehen, die im Rahmen einer förmlichen Ausschreibung der Stadt ihr Interesse an der Übernahme der gesamten Nordmarkhalle bekundet hatten.

Um keine weitere Zeit zu verlieren, werde die Verwaltung bereits in der kommenden Woche einen entsprechenden Muster-Vertragstext ausarbeiten, so der Bürgermeister. Die Gaststätten-Konzession, auf deren Grundlage der bisherige Nordmarkhallen-Pächter arbeitet, läuft wie berichtet zum 31. Dezember aus. Damit die amtliche Erlaubnis überhaupt erneuert werden kann, müssen die Fluchtwege in der Bullentempel-Kneipe verbessert werden. Für die nötigen Umbauten gab der Senat am Donnerstag außerplanmäßig Haushaltsmittel in Höhe von 20 000 Euro frei.

 

 

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