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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 16:59 Uhr

Schaurig-schöne Lesenacht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nordkolleg bot ein gruseliges Rundumerlebnis / Mörderisch: Grimms Märchen war am brutalsten

von
erstellt am 02.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Ob im Garten, am Buffet oder im Pavillon – im Nordkolleg wollte man am Freitag die Besucher das Gruseln lehren. Gespenster hingen in den Bäumen. Ein blutiger Arm langte nach Messer und Gabel. Und passend zu den schaurigen Geschichten, die vorgelesen wurden, baumelt ein Skelett von der Decke des Leseraumes. Die Lange Lesenacht war in diesem Jahr eine lange Gruselnacht und als „Sommerschauer“ betitelt.

Ein Fazit stand schon nach Beginn des ersten Drittels um halb acht fest: „Grimms Märchen war gruseliger als die anderen Erzählungen“ waren sich etliche der Zuhörer einig. Da konnten sie selbst schaurige Töne aus dem Gebüsch beim Gang zum Buffet nicht mehr erschrecken. Hans Dieter Heimendahl hatte „Von dem Machandelbaum“ aus „Die Masken über dem Nichts“ sehr anschaulich vorgetragen. Der Leiter der Hauptabteilung Kultur beim DeutschlandradioKultur war einer von sieben Vortragenden in dieser Nacht, die um 18 Uhr begann und eine halbe Stunde nach Mitternacht endete.

Die Grimms ließen die Knochen knacken, einen Knaben köpfen und das Kind verspeisen. Ganz schön makaber! Dagegen waren die (manchmal etwas langatmigen) Erzählungen von Edgar Allan Poe und der subtile Horror Stephen Kings geradezu feinfühlig. „Harveys Traum“ des amerikanischen Autors King verlangte schon Aufmerksamkeit, um das Grauen dieser Geschichte zu erfassen. „Das Aussprechen eines schlechten Traumes ist so, als wenn man einem Vampir einen Pfahl ins Herz rammt“, erklärt die Ich-Erzählerin. Diesem Text liehen die Hamburgerin Gesa Boysen und Britta Lange vom Nordkolleg ihre Stimmen.

Gesa Boysen saß im langen grauen Kleid mit Dutt am Lesetisch. Denn in der Pause zuvor hatte die Schauspielerin die Gäste noch im Garten unterhalten. Als Annette von Droste-Hülshoff hatte sie neben Gevatter Tod auf der Gartenbank das Gedicht „Der Knabe im Moor“ vorgetragen. Vielleicht war es ganz gut, dass es zu diesem Zeitpunkt noch taghell war – sonst wäre mancher doch mit Gruseln weiter gegangen.

Wenn es denn einen Wermutstropfen bei dieser so liebevoll und gut geplanten Veranstaltung gab, war es der Zeitpunkt: Im Sommer bei noch lauen Temperaturen überkommt einen einfach nicht so leicht eine Gänsehaut wie beispielsweise zur Geisterzeit im November. Dies mag ein Grund gewesen sein, warum der Saal nicht so gut gefüllt war wie bei bisherigen Lesenächten.

Bis auf einige Wenige bewies das Publikum erneut Durchhaltevermögen und blieb bis zum Ende. Mit Roald Dahls „Die Wirtin“ war auch ein Stück im Repertoire, das zum Schmunzeln anregte. Agathas Christies „Die Lampe“ oder „Draculas Gast“ von Bram Stoker (hier war auch Christian Gayed mit von der Partie) brachten Schwung in das letzte Drittel, bei dem Punkt Mitternacht eine kleine Schrecksekunde herrschte, als das Licht kurz ausging.

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