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Landeszeitung

19. August 2017 | 19:07 Uhr

Scharfes Essen und eine lange Reise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Flüchtlinge stellen sich Fragen der Schüler der Gemeinschaftsschule Nortorf und stellen Unterschiede in Religion und Kultur fest

Fünf Monate hat Saba Mezgeb von Eritrea, über die Sahara, den Sudan, Libyen und Italien gebraucht, bis sie endlich in Deutschland angekommen ist. Zu Fuß, mal per Auto und zum Schluss mit kleinen Booten hat sie ihre Flucht bestritten. Die Geschichte der 23 Jahre jungen Frau bewegte gestern Morgen die Schüler der Nortorfer Gemeinschaftsschule. Und auch Nadir Zahir aus Afghanistan und Wadie Al Meere aus Syrien berichteten von ihren Erfahrungen auf der Flucht, ihre Hintergründe und vor allem kulturelle Unterschiedliche zwischen ihrer alten und der neuen Heimat.

Das Treffen fand auf Initiative der Schüler statt. Die Klasse 10a kam auf ihre Lehrerin zu. „Sie fragten mich, ob wir nicht mal das Thema Flüchtlinge aufgreifen könnten“, erklärte Ivonne Gerth, Konrektorin der Schule. Zunächst wurde viel selbst recherchiert, es wurden kleine Kurzreferate gehalten und Fragen ausgearbeitet, bis Gerth Kontakt zu Dieter Schlüter vom Freundeskreis der Asylsuchenden im Amt Nortorfer Land (FANL) aufnahm. Gestern Morgen nun kam Schlüter gemeinsam mit den drei Flüchtlingen zum Unterrichtsbesuch.

Fünf kleine Geschwister und ihre Eltern hat Saba Mezgeb in Eritrea zurückgelassen, berichtete die 23-Jährige auf Englisch. Warum, wollten die Schüler wissen. „In Eritrea kann man nicht entscheiden, was man wo lernen möchte. Man steht immer unter den Befehlen des Militärdienstes, man ist dort nicht frei.“ In Deutschland gefallen ihr vor allem die Menschen. „Jeder hier ist sehr nett und freundlich. Nur die Sprache fällt mir sehr schwer.“ Nicht nur das kalte Wetter, auch die andere Essenskultur macht der jungen Frau zu schaffen. „Wir essen sehr, sehr scharf. Es gibt einen bestimmten scharfen Pfeffer, den wir viel benutzen, den ich bislang in Deutschland aber leider noch nicht gefunden habe“, berichtete Saba Mezgeb den Schülern. „Saba hat eine besondere Situation“, machte Dieter Schlüter aufmerksam. „Sie wurde in Italien registriert und hat bereits ein Schreiben bekommen, dass sie Deutschland verlassen soll.“ Ein Rechtsanwalt wurde bereits eingeschaltet. Für ihre Zukunft wünscht sich die junge Frau vor allem eins: „Deutsch lernen und Krankenschwester werden.“

Von Syrien aus flüchtete Wadie Al Meere über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien nach Deutschland. Nun versucht der Syrer sich selbst Deutsch beizubringen. „Ich lese viel, lerne täglich neue Vokabeln“, berichtete er stolz. Großen Respekt der Schüler und auch des Schulleiters Timo Off, erhielt vor allem Nadir Zahir aus Afghanistan. „Ich bin seit 13 Monaten und 23 Tagen in Deutschland“, konnte der junge Mann in einem perfekten Deutsch von sich geben. In seiner alten Heimat war Zahir bereits als Dolmetscher bei der Bundeswehr tätig. „Allerdings nur Englisch“, erklärte er. Seit seiner Ankunft hat er nicht nur kräftig Deutsch gelernt, auch einen Job kann er bereits nachweisen: „Ich arbeite auf Minijob-Basis als Übersetzer.“ Drei Mal die Woche steht er anderen Asylbewerbern zur Hilfe. „Es ist beeindruckend, wie toll Sie Deutsch sprechen“, lobte Timo Off.

Seine Familie musste erst jüngst aus ihrer Stadt im Kundus flüchten. „Dort war es nicht mehr sicher“, erzählte Zahir. So oft es geht, versucht er über das Handy Kontakt zu seinen acht Geschwistern und seinen Eltern zu halten. „Aber oft gibt es auch kein Internet und manchmal auch keinen Strom.“ Zu gern würde er seine alte Heimat besuchen oder seine Familie nach Deutschland holen. „Das wird sich alles in Zukunft zeigen.“ Bis dahin erfreut sich Nadir Zahir vor allem an den unterschiedlichen Kulturen: „In meiner Heimat trinken 99 Prozent im Sommer grünen Tee und im Winter schwarzen Tee. Mir ist aufgefallen, dass das in Deutschland komplett anders ist. Hier trinken alle Kaffee.“

Der Unterrichtsbesuch des FANL mit den Flüchtlingen ist nur der Anfang. „Wir haben einige Projekte am Laufen“, erzählte Dieter Schlüter. Den Schülern gab er zum Schluss eines mit auf den Weg: „Gehen Sie auf die Menschen zu. Sie werden sich freuen.“

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erstellt am 14.Okt.2015 | 09:06 Uhr

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