Schaf schwimmt Wolf davon

Ab durch den Fluss: Gerhard Wasniewski zeigt die Stelle, an der sich das Schaf im Januar durch die damals nicht vereiste Eider nach dem Angriff durch den Wolf gerettet hat. Fotos: Hermann
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Ab durch den Fluss: Gerhard Wasniewski zeigt die Stelle, an der sich das Schaf im Januar durch die damals nicht vereiste Eider nach dem Angriff durch den Wolf gerettet hat. Fotos: Hermann

Verletztes Tier rettet sich durch Sprung in die Eider / Wiedervereinigung mit Herde zwei Tage später

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04. Februar 2019, 16:54 Uhr

Die Entdeckung, die Familie Wasniewski an einem Sonnabendmorgen im Januar macht, ist keine schöne. Auf einer Wiese an der Eider sind mehrere Schafe ihrer Herde gerissen worden, ein Mutterschaf liegt tot im Fluss, zwei weitere fehlen. Nach dem ersten Verdacht kommt letzte Woche das Ergebnis der DNA-Probe: Es war tatsächlich ein Wolf. Der ungewöhnliche Überlebensinstinkt eines Tieres sorgte bei den Schafsbesitzern allerdings auch für etwas Freude: Eines der Schafe rettete sich durch die Eider.

„An dem Tag wollten wir die Tiere eigentlich reinholen“, erzählt Gerhard Wasniewski, „da hätte er mit seinem Besuch auch noch einen Tag warten können.“ Der Nübbler hat seit 25 Jahren eine Schafsherde – als Hobby. „So wie andere halt Katzen, Hunde oder Pferde haben“, sagt der 66-Jährige. Inzwischen gehören die 40 Schafe seiner Tochter Svenja, doch der Vater kümmert sich weiter um sie. „Bisher ist nie etwas passiert“, sagt Wasniewski. Die eigenen Flächen sind mit Schafsdraht eingezäunt, die Wiese an der Eider, die ihnen im Winter von einem Bauern aus Erfde überlassen wird, ist mit einem Elektrozaun und Stacheldraht umgeben. Das reichte allerdings nicht aus, um das Raubtier zu stoppen.

Noch am gleichen Tag wurden zwei Schafe von Tierarzt Peter Bleischwitz eingeschläfert, zwei weitere blieben allerdings verschollen. Umso größer war die Freude, als am Sonnabend gegen Abend das Telefon klingelte. Einem Bauern in der Gegend war ein verletztes Schaf zugelaufen – dieser wohnte allerdings auf der anderen Seite der Eider. Dies sorgte für Verwunderung. „Normalerweise meiden Schafe das Wasser, hat uns der Tierarzt erzählt“, so Wasniewski. Falls sie doch zum Schwimmen gezwungen werden, schaffen sie es aber aufgrund der dicken Wolle nicht sehr lange. Anscheinend hat das Schaf „ordentlich Gas gegeben“, denn an der betreffenden Stelle sind es von Ufer zu Ufer auf direktem Wege immerhin rund 30 Meter. Am nächsten Tag wurde das Tier mit seiner Herde wieder vereint, nachdem eine fünfzehn Zentimeter lange Wunde am Hals genäht wurde. Und auch das zweite vermisste Schaf fand sich wieder an. Allerdings dauerte es eineinhalb Wochen, bis Claudia Pitsch aus Nübbel auf einem Spaziergang mit seinem Hund das Tier entdeckte. So gab es für die Schafsbesitzer wenigstens ein kleines Happy-End, dass die zwei abhanden gekommenen Tiere am Leben waren.

Nun will Gerhard Wasniewski die Schafe aber erstmal nur noch im Stall lassen. „Was im April ist, wenn sie mit den Lämmern wieder auf die Weide sollen, weiß ich noch nicht“, sagt er und hofft: „Vielleicht kommt der Wolf ja nicht wieder.“

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