Schätze aus dem Nachlass gehoben

Gedichte und Geschichten: Pastor Ulrich Ranck, Helga Schnaase,  Ulrike Michalowsky, Ursula Bose und Gerd Menzel (von links) erfreuten das Publikum. Foto: schütze
Gedichte und Geschichten: Pastor Ulrich Ranck, Helga Schnaase, Ulrike Michalowsky, Ursula Bose und Gerd Menzel (von links) erfreuten das Publikum. Foto: schütze

Kleine Sensationen beim Nachmittag der Erinnerung an den Luhnstedter Dichter Friedrich Ernst Peters: Roman-Veröffentlichung zur Buchmesse

shz.de von
21. Februar 2012, 03:59 Uhr

JEVENSTEDT | Einen Rückblick in die Vergangenheit mit viel Bekanntem und einen Ausblick in die Zukunft mit reichlich Überraschungen bot der "Nachmittag der Erinnerung an Friedrich Ernst Peters". Rund 50 Besucher waren in das kirchliche Gemeindehaus gekommen, um Gedichte und Geschichten des vor 50 Jahren verstorbenen Literaten aus Luhnstedt zu hören. Der Frauenchor Jevenstedt übernahm die musikalische Untermalung und erfreute das Publikum unter anderem mit "Dat du min Leevsten büst".

Den lyrischen Teil der Reise durch die Jahreszeiten übernahm Ursula Bose. Ob "Tiefer Sommer", die "Adventnacht", "Nächtlicher Schneefall" oder "Frühling in der Vorstadt": Gefühlvoll trug die Luhnstedterin die Gedichte Peters vor. Die bildhafte Sprache des Schriftsteller leben ließ auch Gerd Menzel, der die Zuhörer in seinen lebhaften Vorträgen mitnahm "Zwischen Kanal und Eider" und in die "Landschaft der Väter".

Für viele Lacher sorgte der Auszug aus "Unterschiedliche Moden", den Helga Schnaase anschaulich und lebhaft präsentierte. In den Vorträgen wurde die große Bandbreite Peters deutlich, mal nachdenklich stimmend, mal schwärmerisch anmutend, und immer wieder auch so humorvoll, dass sie die Besucher zum Schmunzeln brachten, waren die Texte, die präsentiert wurden. Ursula Bose erzählte zwischen den Vorträgen aus dem Leben des Schriftstellers.

Dr. Ulrike Michalowsky, Enkelin von Friedrich Ernst Peters, war begeistert: Sie lobte die "fantastische Lesung" und freute sich über die große Resonanz. "Luhnstedt war der Dreh- und Angelpunkt in seinem Werk", betonte sie, und hob auch seinen differenzierten Blick hervor: "Er ist ein Dichter seiner Heimat, kein Heimatdichter."

Die Leiterin der Universitätsbibliothek Potsdam beleuchtete das Werk ihres Großvaters aus der wissenschaftlichen Perspektive. Und sie hatte eine Überraschung parat: "Der Nachlass enthält jede Menge Schätze", erklärte sie, und stellte gleich drei bislang unveröffentlichte Werke vor. "Kriegsgefangener in Frankreich (1914-1920)" ist der Titel eines Tagesbuches. "Das ist ein ganz besonderes Werk", sagte Ulrike Michalowsky, es zeige die "Entzauberung des Krieges".

Nach dem Krieg sei es nicht veröffentlicht worden, denn: "Er war frankophil", erklärte die Enkelin über ihren Großvater, er habe eine gute Meinung über Frankreich gehabt, das habe nicht in die Stimmung der damaligen Zeit gepasst. "Das Opfer" heißt eine bis dato unveröffentlichte Erzählung aus dem Umfeld der Chronik "Baasdörper Krönk". Ulrike Michalowsky lieferte eine kurze Inhaltsangabe und sprach von einer "beeindruckende Lektüre". Die Erzählung zeige eine ganz andere Facette des niederdeutschen Chronik-Romans.

Eine "kleine Sensation" sparte sich Ulrike Michalowsky bis zum Schluss auf: "Heine Steenhagen wull ju dat wiesen. Die Geschichte eines Ehrgeizigen" ist ein zweisprachiger Roman in plattdeutscher und hochdeutscher Sprache. Er wird auf das Jahr 1925 datiert - und ist damit Peters erster Roman, was bislang noch nicht bekannt gewesen sei, so die Enkelin. "Das wurde jetzt erkannt", denn jetzt habe man das Werk gefunden, berichtete sie über die "Entdeckung". Das Werk erzähle die Tragödie eines unehelichen Kindes. Sie hatte Leseproben dabei.

Der Roman erscheint in diesem Jahr im Universitätsverlag Potsdam und wird zur Frankfurter Buchmesse vorgestellt. "Ich danke den Mitarbeitern des Verlags", so Ulrike Michalowsky. "Ich hoffe, dass wir noch viele Entdeckungen haben, im Nachlass schlummert Einiges", erklärte sie, "auch zahllose Briefe, die eine weitere wichtige Quelle für sein Werk waren."

Um die Jugend besser zu erreichen, ist Michalowsky dabei, eine Edition der Werke Peters im Internet zu präsentiere. Unter http://opus.kobv.de/ubp/abfrage_collections.php?coll_id=782&la=de finden sich bereits einige Werke, und es werden immer mehr online gestellt, erklärte die Enkelin des Autors.

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