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Prozess : Schadenshöhe unklar, Vergleich gescheitert

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fischer Brauer klagt gegen die Adler-Schiffe GmbH. Er fordert nach einem Unfall Schadensersatz.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2015 | 05:59 Uhr

Ohne Einigung endete gestern Vormittag ein Zivilrechtsprozess vor dem Kieler Landgericht. Geklagt hatte Fischer Hans Brauer aus Rade gegen die Adler-Schiffe GmbH. Streitpunkt war eine Schadenersatzforderung im Zusammenhang mit einem Unfall, an dem ein Motorschiff der Reederei beteiligt war. Dieses war im Januar vergangenen Jahres bei schlechten Wetterverhältnissen aus dem Fahrwasser des Nord-Ostsee-Kanals in eine von Brauers Fischfanganlagen im Audorfer See getrieben worden. Dabei ist einer der Holzpfähle der Anlage, auch Dalben genannt, abgebrochen, ein anderer ist umgedrückt worden. Auch das Netz ist bei der Kollision zum Teil gerissen, die Fanganlage anschließend nicht mehr nutzbar gewesen.

Hans Brauer machte einen Schaden von über 80  000 Euro geltend. Alleine Reparatur beziehungsweise Rückbau des kaputten und des umgeknickten Dalbens würden mehr als 45  000 Euro kosten. Der Schadenssumme zugrunde gelegt wurde auch ein Verdienstausfall in Höhe von 28  000 Euro.

Für den Vorsitzenden Richter Kai Sawatzki war unstrittig, dass ein seemännisches Versagen des Kapitäns vorlag, der Unfall also bei entsprechendem Einlenken hätte verhindert werden können. Die beklagte Adler-Reederei stellte allerdings in Frage, ob den Fischer Brauer eine Mitschuld trifft: Dieser hätte die Dalben mit gelber Farbe kennzeichnen müssen, um die Kapitäne zu warnen. Brauer wiederum entgegnete, seine Anlage sei vom Wasser- und Schifffahrtsamt genehmigt worden, und auch die Wasserschutzpolizei habe die Anlage nach dem Unfall für korrekt befunden. Laut den Anwälten der Reederei habe der Kapitän die Dalben aber weder gesehen noch den Zusammenstoß gemerkt. „Das ist eine Glanzleistung, die gibt es gar nicht“, erwiderte darauf Hans Brauer. Immerhin ragen die Dalben etwa 1,50 Meter über der Wasseroberfläche heraus und haben einen Durchmesser von etwa 60 Zentimetern. Die fehlende Kennzeichnung der Holzpfähle sei nicht ursächlich für die Kollision, entgegneten auch die Anwälte Brauers. Man könne sein Schiff außerhalb des Fahrwassers nicht einfach treiben lassen.

Die Anwälte der Adler-Schiffe hatten sich im Vorfeld zu einer Zahlung von 25  000 Euro bereit erklärt, weitere Forderungen wären nach gesetzlichen Vorgaben beglichen worden. Weder darauf noch auf einen Vergleichsvorschlag des Richters wollte sich die Kläger-Seite einlassen.

Sawatzki befand vor allem die Kostenposten Verdienstausfall (28  000 Euro) und Setzen von neuen Dalben (20  000 Euro) ohne die Hinzuziehung von Gutachtern und Sachverständigen zu unklar. Er empfahl eine Zahlung von 25  000 Euro sowie 14  000 Euro für Verdienstausfall, 10  000 Euro für neue Dalben sowie 5000 Euro für ein neues Netz. Den Anwälten des Fischers war dieses Angebot jedoch zu niedrig – bei 54  000 Euro bestünde das Risiko, die Kosten ihres Mandanten könnten nicht abgedeckt werden. Einen Gegenvorschlag lehnte wiederum die beklagte Reederei ab, ein Vergleich ist dementsprechend gestern gescheitert.

Beide Seiten haben nun zwei Monate Zeit, Sachverständige die Schadenshöhe ermitteln zu lassen und dem Gericht dann entsprechende Unterlagen vorzulegen.

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